Österreich Ukrainischer Oligarch Firtasch entgeht Auslieferung an die USA

Mit Peer Steinbrück wollte er eine Agentur gründen, in den USA wird er per Haftbefehl gesucht: Der umstrittene Oligarch Dmytro Firtasch bleibt in Österreich. Die Anklage sei laut einem Wiener Gerichtsurteil in Teilen politisch motiviert.

Oligarch Firtasch in Wien: Haftbefehl aus den USA
AP/dpa

Oligarch Firtasch in Wien: Haftbefehl aus den USA


Österreich liefert Dmytro Firtasch nicht an die USA aus. Die Anklage gegen den ukrainischen Geschäftsmann in den Vereinigten Staaten sei in Teilen politisch motiviert, entschied ein Gericht in Wien am Donnerstagabend. Zudem fehlten einige Papiere aus den USA, die für eine Auslieferung nötig seien.

Firtasch begrüßte die Entscheidung. Er wird nach Angaben seiner Kanzlei vorerst in Wien bleiben und die Rechtskraft des Urteils abwarten. In den USA besteht ein Haftbefehl gegen den ukrainischen Oligarchen Firtasch. Nach dem Willen der US-Behörden soll er vor einem Bundesgericht in Chicago wegen angeblicher Korruption bei Auslandsgeschäften angeklagt werden.

Abbau von Titan in Indien

Das FBI ermittelt seit 2006 gegen Firtasch. Die USA beschuldigen den Geschäftsmann, er habe versucht, mit Bestechungsgeldern an eine Genehmigung für den Abbau von Titan in Indien zu kommen. Nach früheren Angaben von Firtaschs Holding Group DF, die in Wien registriert ist, beziehen sich die Vorwürfe auf ein Projekt aus dem Jahr 2006 in Indien. Der 48-jährige Unternehmer weist die Anschuldigungen zurück.

Der Milliardär, der mit Gas-Deals zu Reichtum kam, war im März 2014 in Österreich verhaftet worden. Gegen eine Kaution von 124 Millionen Euro kam er wenig später wieder auf freien Fuß. Er durfte Österreich bis zur Gerichtsentscheidung nicht verlassen und musste seinen Pass abgeben.

Unterstützer von Janukowytsch

Im März machte Firtasch Schlagzeilen, weil er eine "Agentur zur Modernisierung der Ukraine" finanziert, bei der neben anderen altgedienten Politikern auch der frühere Finanzminister und Ex-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück mitwirken sollte. Dieser hat sein Engagement inzwischen allerdings wieder überdacht.

In der Ukraine war die Initiative auf massive Kritik gestoßen. Es hatte zunächst geheißen, dass neben Firtasch auch andere Oligarchen, die vor allem in der Zeit des gestürzten Präsidenten Wiktor Janukowytsch zu Reichtum gelangt waren, das Land nun mit Hilfe ausländischer Berater reformieren wollen. Die Oligarchen wollten nur ihren Einfluss sichern, lautete der Vorwurf.

Firtasch galt als wichtigster Unterstützer von Janukowytsch. Nach den Massenprotesten in Kiew flüchtete er zunächst nach Russland. Firtasch ist Hauptanteilseigner am größten ukrainischen TV-Sender Inter.

heb/dpa/AFP

insgesamt 65 Beiträge
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humptata 01.05.2015
1. Österreich hat das Kreuz, einen Auslieferungsantrag
der USA abzulehnen? Ist es denn die possi? Da kann der Herr Firtasch ja von Glück sagen, dass er südlich der Grenze geblieben ist...
r.muck 01.05.2015
2. Cojones
In Sachen USA haben die oft belächelten Österreicher mehr Cojones als unsere Regierung.
rwinter77 01.05.2015
3. Nicht nur Janukowitsch
Firtasch hat nach eigenen Angaben nicht nur Janukowitsch unterstützt, sondern auch Klitschkos UDAR und auch Herrn Poroschenko im Wahkampf gegen den amerikanischen Favoriten Jazeniuk. Weiterhin behauptet er, dass die USA in der Ukraine auch handfeste ökonomische Interessen im Bereich der gasförderung verfolgt. Seine und die Aussagen anderer Zeugen werfen interessante Schlaglichter auf die Ukraine-Krise: es handelt sich nicht nur um einen Konflikt zwischen dem "Westen" und Russland, sondern auch um eine Auseinandersetzung zwischen Europa und den USA über den Umgang mit der Ukraine und Russland!
rwinter77 01.05.2015
4. Nicht nur Janukowitsch
Firtasch hat nach eigenen Angaben nicht nur Janukowitsch unterstützt, sondern auch Klitschkos UDAR und auch Herrn Poroschenko im Wahkampf gegen den amerikanischen Favoriten Jazeniuk. Weiterhin behauptet er, dass die USA in der Ukraine auch handfeste ökonomische Interessen im Bereich der gasförderung verfolgt. Seine und die Aussagen anderer Zeugen werfen interessante Schlaglichter auf die Ukraine-Krise: es handelt sich nicht nur um einen Konflikt zwischen dem "Westen" und Russland, sondern auch um eine Auseinandersetzung zwischen Europa und den USA über den Umgang mit der Ukraine und Russland!
rwinter77 01.05.2015
5. Nicht nur Janukowitsch
Nach eigenen Angaben hat Firtasch nicht nur Janukowitsch und dessen Partei der Regionen unterstützt, sondern später auch Klitschkos UDAR und Herrn Poroschenko im Wahlkampf gegen den amerikanischen Zögling Jazeniuk. Warum fehlen solche wichtigen Informationen im Artikel? Er behauptet auch, dass die USA im Ukraine-Konflikt handfeste ökonomische Interessen auf dem Gebiet der Gasförderung verfolgen.
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