DNS-Tests Suche nach Saddams Leiche

Vierzehn Menschen sind bei einem US-Bombenangriff auf ein Restaurant in einem Bagdader Wohngebiet vermutlich ums Leben gekommen. Ist Saddam Hussein, der sich dort mit seinen Söhnen aufgehalten haben soll, einer der Toten? DNS-Tests sollen Aufschluss geben.


Bagdad: Trümmer nach dem Angriff auf das Wohngebiet Mansur
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Bagdad: Trümmer nach dem Angriff auf das Wohngebiet Mansur

Doha - Noch weiß niemand, ob Saddam Hussein den Angriff mit bunkerbrechenden Bomben im westlichen Bagdader Stadtteil Mansur überlebt hat. General Vincent Brooks vom US-Zentralkommandos in Katar sagte am Dienstag, die USA hätten glaubwürdige Informationen über ein Treffen wichtiger Führer in einem Gebäude in Bagdad gehabt und es daraufhin bombardiert. Der Angriff sei erfolgreich gewesen und das Gebäude zerstört worden. Bisher könne das Zentralkommando aber noch nicht sagen, wer bei dem "Enthauptungsschlag" getötet wurde.

Auch US-Präsident George W. Bush konnte sich nur unwissend über das Schicksal Saddams geben: "Ich weiß nicht, ob er überlebt hat. Das Einzige, was ich weiß, ist, dass er seine Macht verliert."

Amerikanische B-1-Bomber hatten mindestens drei Gebäude im Mansur-Viertel bombardiert. Sie wollten ein Restaurant treffen, in dem sich Saddam Hussein mit seinen Söhnen Udai und Kussei sowie anderen Mitgliedern der irakischen Führung getroffen haben soll. Der Geheimdienst CIA soll den Tipp 45 Minuten vor Beginn der Aktion gegeben haben.

Der Abwurf von vier schweren Bomben richtete in dem wohlhabenden Stadtteil schwere Schäden in einem Umkreis von 300 Metern an und hinterließ einen 18 Meter tiefen, rauchenden Krater. Irakische Rettungssanitäter bargen bis Dienstagmorgen zwei Tote. Es wurde aber vermutet, dass zwölf weitere Menschen bei dem Luftangriff ums Leben kamen.

Doch ist Saddam unter den Toten? Offenbar waren auch bald schon US-Kräfte vor Ort. Gentests sollen Aufschluss geben. "Es wird viel gegraben, und es werden DNS-Tests vorgenommen", sagte ein Gewährsmann mit Kontakten zum militärischen Geheimdienst gegenüber der Nachrichtenagentur AP.

Das Pentagon gibt sich optimistisch, Saddam getötet zu haben. Es sei bekannt, dass der Staatschef das Restaurant mehrfach besucht und es wegen seiner Lage in einem Wohnviertel für sicher gehalten habe.

Doch wer gab den Geheimdiensten den Tipp? Informanten mit Kontakten zur Umgebung von Saddam haben berichtet, dass der Diktator so sehr auf seine persönliche Sicherheit bedacht sei, dass nur sehr wenige Personen über seinen jeweiligen Aufenthaltsort informiert seien. Ein im Exil lebender Regimegegner sagte AP, dass nur zwei Menschen Bescheid wüssten - Saddam Sohn Kussei als Leiter der Sicherheitskräfte des Präsidenten und der Privatsekretär des Präsidenten, Abed Hamid Hmud.

Schon zu Beginn des Irak-Krieges hatten die Alliierten versucht, Saddam umzubringen. Doch ein gezielter Angriff in den frühen Morgenstunden des 20. März auf ein Anwesen in einer Vorstadt Bagdads, wo Saddam vermutet wurde, schlug offenbar fehl.

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