Dokumente aus dem Irak-Krieg Chinesische Zeitung feiert Wikileaks-Enthüllungen

Den WikiLeaks-Enthüllungen zum Irak-Krieg folgt weltweit ein unterschiedliches Echo: Während sich die US-Regierung empört, halten sich chinesische Medien mit Kritik zurück. Ein Blatt sieht in den Veröffentlichungen ein Beleg für amerikanische Menschenrechtsverletzungen.

Getty Images

Peking - Die Enthüllungen der Plattform WikiLeaks zum Irak-Krieg haben weltweit für Aufsehen gesorgt - vor allem in den USA. In ersten Reaktionen sprach Washington von einer "Gefahr" und einer "Bedrohung" für seine Soldaten. Ganz anders in China: Dort werden die Veröffentlichungen der insgesamt 391.832 geheimen Feldberichte aus dem Irak-Krieg teilweise mit Genugtuung aufgenommen.

Der Grund dafür: Die geheimen Militärdokumente zeigen aus chinesischer Sicht amerikanische Menschenrechtsverletzungen. "Die Enthüllungen geben der Welt eine Gelegenheit, das wahre Gesicht des von den USA geführten Krieges im Irak zu sehen, das sonst vertuscht worden wäre", schreibt die englischsprachige Tageszeitung "China Daily" am Montag in einem Kommentar. Das Ausmaß der Verbrechen "sollte jeden rechtschaffenen Menschen empören".

"Es setzt wieder ein großes Fragezeichen hinter das von den USA selbst verbreitete Bild des Weltmeisters der Menschenrechte", hieß es unter Hinweis auf die wiederholte Kritik der USA an der Menschenrechtslage in Entwicklungsländern. Dabei lehnten es die USA ab, "ihre eigenen, in den Wikileaks dokumentierten Menschenrechtsverletzungen aufzuklären oder wiedergutzumachen". Die Papiere ließen durchschauen, wie die USA zweierlei Maß anlegten.

Das Parteiorgan "Renmin Ribao" hingegen schreibt auf seiner Webseite eher sachlich, die Veröffentlichung komme zu einer "heiklen Zeit" und werde in der gegenwärtigen Situation im Irak "Öl ins Feuer gießen". Außerdem werde es vor den Wahlen in den USA im November sicherlich "in einem gewissen Grad negative Auswirkungen" auf die Regierung von US-Präsident Barack Obama haben.

Auch die englischsprachige Zeitung "Global Times" berichtete nachrichtlich und zitierte nur am Ende eine chinesische Expertin, die darauf hinwies, dass sich die Internet-Technologie durch ihre schnelle Entwicklung staatlicher Kontrolle entziehe. "Das stellt eine große Herausforderung für alle Regierungen dar", sagte Tang Lan, Vizedirektorin des Instituts für internationale Beziehungen.

Der SPIEGEL, der Londoner "Guardian", die "New York Times" und andere Medienunternehmen haben die 391.832 von WikiLeaks veröffentlichten Militärdokumente intensiv analysiert. Die Enthüllungen werfen ein neues Licht auf den Konflikt - und belegen auf einzigartige Weise, wie hilflos die hochgerüstete Supermacht USA jahrelang war.

anr/dpa



insgesamt 1528 Beiträge
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Dr.Strangelove, 22.10.2010
1. Krieg
Krieg und Vernunft passen nicht sonderlich gut zusammen. Es versucht immer eine Seite ihre Interessen mit Gewalt durchzusetzen. Partei ergreifen, ist da nichts weiter als Partei für die Schlächterei ergreifen.
Antje Technau, 22.10.2010
2. nein
Zitat von sysopDie Irak-Protokolle geben dem US-geführten Krieg in dem Land eine neue Perspektive - erstmals ist der Konflikt aus der Perspektive der Soldaten nachzuvollziehen. Im Lichte der neuen Entwicklungen: War dieser Feldzug gerechtfertigt?
nein. Dieser Krieg war damals ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg, der auf einer Lüge basierte. Auf der Lüge, Saddam Hussein hätte Massenvernichtungswaffen, unter anderem Atomwaffen, besessen und er hätte "mit Terroristen" unter einer Decke gesteckt. Wie schon vor dem Krieg jeder halbwegs gebildete und informierte Mensch wusste, hatte Saddam Hussein weder Atomwaffen noch sonstige nennenswerte Massenvernichtungswaffen noch hatte er je mit alQaeda etwas zu tun. Und daran hat auch der Showprozess und die Hinrichtung von Saddam Hussein nichts geändert. Auch, dass es im Irak nun eine "Demokratie" gibt, die den irakischen Frauen ihre Menschenrechte genommen hat und sie durch Scharia-Recht ersetzt hat, rechtfertigt diesen Krieg, seine Toten und die Folteropfer unter den Irakern nicht. Wo kämen wir da hin, wenn man - nur weil es heute mit dem Irak *vielleicht* wieder aufwärts geht, falls den Irakern ihre Bodenschätze nicht von US-Firmen gestohlen werden - diese "Erfolge" als Argument für völkerrechtswidrige Angriffskriege gelten lassen wollte? Da könnte man doch genauso gut die Saudis von ihrem Königshaus "befreien", damit "unser Öl" endlich in die richtigen Hände gerät...//Ironie off
derKanoniker 22.10.2010
3. Natürlich nicht
Zitat von sysopDie Irak-Protokolle geben dem US-geführten Krieg in dem Land eine neue Perspektive - erstmals ist der Konflikt aus der Perspektive der Soldaten nachzuvollziehen. Im Lichte der neuen Entwicklungen: War dieser Feldzug gerechtfertigt?
Natürlich nicht. Und bitte mal daran erinnern: Stoiber und Merkel waren für diesen Krieg.
ANDIEFUZZICH 22.10.2010
4. Destabilisierung
Zitat von sysopDie Irak-Protokolle geben dem US-geführten Krieg in dem Land eine neue Perspektive - erstmals ist der Konflikt aus der Perspektive der Soldaten nachzuvollziehen. Im Lichte der neuen Entwicklungen: War dieser Feldzug gerechtfertigt?
Absolut nicht.
roflem 22.10.2010
5. .
Der Krieg war nur wegen Öl geführt worden. Dafür zu töten war bestimmt nicht gerechtfertigt. Wenn das Öl mal alle ist und Kriege wegen Wasser geführt werden wären sie genauso ungerechtfertigt. Aber wir werden es nie verhindern können.
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