Streit über Invasion Irak-Krieger Rumsfeld redet sich raus

Na so was: Donald Rumsfeld, Ex-US-Verteidigungsminister und Architekt des Irakkriegs, kritisiert George W. Bush. Das ist ein bisschen billig.
Präsident Bush, Verteidigungsminister Rumsfeld (2006):

Präsident Bush, Verteidigungsminister Rumsfeld (2006):

Foto: Chip Somodevilla/ Getty Images

Donald Rumsfeld hat Worte stets eingesetzt wie Waffen. Als Verteidigungsminister hat er Untergebene mit spitzen Bemerkungen und kleinen Memos malträtiert; vor Journalisten schwurbelte er so lange herum, bis alles im Nebel lag; und ist die Wahrheit nicht genehm, klaubt der heute 82-Jährige die Worte so lange, bis sie ihm passt. Nur handelt es sich dann eben auch nicht mehr um die Wahrheit.

Gegenwärtig ist das sehr schön zu beobachten. In den USA schwelt eine Debatte um den Irakkrieg seit Präsidentschaftsbewerber und Bushs jüngerer Bruder Jeb ein paar Tage hin- und herüberlegen musste, ob im Rückblick Amerika in den Irak hätte einmarschieren sollen oder nicht (das Ergebnis seiner Überlegungen: man hätte nicht sollen).

"Stabilere und sicherere Welt geschaffen"

Das ist die Situation, in der nun Donald Rumsfeld auftaucht. Ohne Frage ein Experte auf diesem Gebiet, schließlich gehörte er zu den zentralen Architekten des Irakkriegs. Nur acht Wochen nach den 9/11-Anschlägen begann er mit den Planungen einer Invasion, die dann im Frühjahr 2003 erfolgen sollte.

Dass der Zusammenhang mit 9/11 konstruiert war? Dass Saddam Hussein keine Massenvernichtungswaffen hatte? Dass der Feldzug völkerrechtswidrig war? Dass er eine ganze Region auf Dauer destabilisiert hat, mehr als 4400 US-Soldaten und mehr als 100.000 Iraker das Leben gekostet hat? Ficht Rumsfeld bis heute alles nicht an. Die Invasion habe eine "stabilere und sicherere Welt geschaffen", schrieb er vor vier Jahren in seinen Memoiren. Wer's glaubt.

Im Interview mit der Londoner "Times"  macht er nun ein Update: Der Plan, das Saddam-Regime im Irak mit einer Demokratie zu ersetzen, sei ihm doch von Beginn an unrealistisch erschienen. "Ich glaube nicht, dass unsere Demokratie-Vorlage passend ist für jedes andere Land zu jedem Zeitpunkt in der Geschichte."

Das klingt reichlich komisch. Waren es doch just die Neokonservativen, die für den Krieg als Demokratie-Feldzug warben. Rumsfeld aber will davon heute nichts mehr wissen: Er habe bereits Bedenken in dieser Sache gehabt, "als ich das erste Mal davon hörte".

Seitenhieb gegen den früheren Präsidenten

Es ist ganz offensichtlich George W. Bush, gegen den Rumsfelds Wortwaffen hier gerichtet sind. Jener Präsident, der Rumsfeld im Jahr 2006 entlassen hatte, nachdem dessen Irak-Strategie gescheitert war. Auf Rumsfelds Betreiben waren die USA mit einem "light footprint" in den Irak gegangen, hatten nur 145.000 Soldaten eingesetzt. Damit konnten sie das Land nicht befrieden, Chaos und Bürgerkrieg waren die Folge.

Die Evolution der Rumsfeldschen Wahrheit lässt sichmithilfe seiner Aussagen in einem SPIEGEL-Interview vom September 2013  nachvollziehen. "Es ging immer um Regimewechsel, nicht um Demokratieaufbau", sagte er da. Demokratie sei nie "die offizielle Begründung für unser Eingreifen in der Region" gewesen. Und er könne sich auch "an niemanden im Pentagon oder im Weißen Haus erinnern, der das Wort 'Demokratie' als Rechtfertigung für den Irakkrieg benutzt" habe.

Tatsächlich sollte Rumsfeld einfach mal im eigenen Archiv nachschlagen. Der TV-Sender MSNBC zitiert zum Beispiel aus einer Rede vom Mai 2003, also wenige Wochen nach der Invasion. Da erklärte der Minister: "Wenn es der Irak schafft, sich auf den Weg zur repräsentativen Demokratie zu machen, dann könnte das dramatische Auswirkungen auf die Region und die Welt haben." Irak könnte zu einem "Modell" werden.

Der US-Journalist Bob Woodward, der mehrere Bücher über Bush und den Irakkrieg geschrieben hat, sagte am Dienstag, Rumsfelds Äußerungen stünden in "totalem Widerspruch" zu allem, was der Mann früher gesagt habe.

Mal wieder.