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Nato-Gipfel in London Trump ärgert sich über "doppelzüngigen" Trudeau - und sagt Pressekonferenz ab

US-Präsident Trump hat keine Lust auf weitere Pressekonferenzen beim Nato-Gipfel - und sagt seine Teilnahme am Abschlussstatement ab. Zuvor hatte er sich über augenscheinliche Lästereien von Justin Trudeau aufgeregt.

Donald Trump und Justin Trudeau waren noch nie beste Freunde - doch ein kurzer Videoclip hat den US-Präsidenten beim Nato-Gipfel in London besonders gegen Kanadas Premierminister aufgebracht. Die Sequenz zeigt Trudeau am Dienstagabend im Gespräch mit den Regierungschefs von Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden - und offenbar beim Lästern über Trump.

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Der US-Präsident reagierte am Mittwoch verärgert auf die Szene und nannte Trudeau "doppelzüngig". Zwar sei Kanadas Premier ein "sehr netter Kerl". Offenbar sei Trudeau aber unzufrieden gewesen, weil er ihn auf unzureichende Verteidigungsausgaben angesprochen habe, sagte Trump.

Trudeau versuchte am Mittwoch, die Szene herunterzuspielen. Er habe "auf die Tatsache hingewiesen, dass es vor meinem Treffen mit Präsident Trump eine unangekündigte Pressekonferenz gab. Ich habe gern daran teilgenommen, aber es war definitiv bemerkenswert." Die kleine Runde habe sich zudem darüber unterhalten, dass Trump unerwartet den Präsidentensitz in Camp David als Veranstaltungsort für den nächsten G7-Gipfel bekannt gegeben habe.

Großbritanniens Premier Boris Johnson, der ebenfalls in der kleinen Runde gestanden hatte, sagte bei einer Pressekonferenz auf die Frage, ob er Trump nicht ernst nehme: "Das ist kompletter Unsinn. Ich weiß nicht, wo das herkommt."

Wenig später schrieb Trump auf Twitter, er werde nach dem Abschluss der heutigen Gespräche an keiner weiteren Pressekonferenz teilnehmen - anders als geplant. "Wir hatten so viele davon in den vergangenen zwei Tagen", schrieb Trump.

Gänzlich unzufrieden schien er mit dem Gipfel aber nicht zu sein: Die Nato habe in den vergangenen drei Jahren - also während seiner Amtszeit - großartige Fortschritte gemacht. Das Militärbündnis werde "reicher und stärker als je zuvor" sein, schrieb Trump unter Verweis auf Zusagen der Nato-Länder, ihre Verteidigungsausgaben zu erhöhen.

Trump über Deutschlands Beitrag: "Ein bisschen unterhalb der Grenze"

Die Staats- und Regierungschefs der 29 Mitgliedstaaten hoben in ihrer gemeinsamen Abschlusserklärung ihre gegenseitige Beistandsverpflichtung und auch die Bedeutung der "transatlantischen Bindung zwischen Europa und Nordamerika" hervor.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte den Nato-Gipfel nach einem Gespräch mit Trump als "sehr erfolgreiches Treffen" bezeichnet. Der US-Präsident hatte Deutschland immer wieder vorgeworfen, das Zweiprozentziel der Nato für Wehrausgaben deutlich zu verfehlen.

Trump verlangt, dass alle Nato-Mitglieder bis zum Jahr 2024 "mindestens zwei Prozent" der Wirtschaftsleistung für Verteidigung ausgeben. Deutschland kommt nach Nato-Daten 2019 auf 1,38 Prozent. Ziel der Bundesregierung ist es, bis zum Jahr 2024 1,5 Prozent zu erreichen. Darauf angesprochen sagte Trump nun, die Deutschen seien "ein bisschen unterhalb der Grenze".

mes/dpa/AFP/Reuters