Angeblich Person des Jahres "Time"-Redaktion nennt Trump-Behauptung "Bullshit"

Kürt das "Time"-Magazin Donald Trump erneut zur Person des Jahres? Ja, WAHRSCHEINLICH, twittert der US-Präsident - er habe aber abgelehnt. Die Reaktion der Blattmacher ist deutlich.

Trump und "Time"
AFP

Trump und "Time"


Nach eigener Aussage ist Donald Trump der Beliebteste, der Erfolgreichste, und er benutzt "die besten Wörter": Der US-Präsident liebt Superlative. Sie legitimieren für ihn Macht - und sie verraten viel darüber, welchen Werten der Präsident der USA anhängt, wie er denkt und fühlt. Weniger freundlich formuliert: Diverse Psychologen attestieren Trump eine Persönlichkeitsstörung, er wird pathologischer Lügner genannt, Narzisst.

Am späten Freitagabend deutscher Zeit überraschte Trump mit einer Äußerung, mit der sich Küchenpsychologen sicher gern beschäftigen: Er prahlte mit der Absage einer Ehrung, die er nicht bekam.

"'Time Magazine' rief an, um zu sagen, dass ich WAHRSCHEINLICH 'Mann (Person) des Jahres' werde, wie vergangenes Jahr, aber ich müsste einem Interview und einem großen Fotoshooting zustimmen. Ich sagte, 'wahrscheinlich' nützt mir nichts und hab abgelehnt. Danke trotzdem"

"Wahrscheinlich nützt mir nichts", schöner kann der oberste Herr der US-Streitkräfte nicht deutlich machen, dass er nur am Titel interessiert ist, nicht an der Ehrung selbst.

Nur: Hat es diesen Anruf wirklich gegeben? Wollte "Time" Trump erneut zur "Person des Jahres" ernennen? (Der Titel "Mann des Jahres", wie Trump in seinem Tweet schreibt, wird seit 1999 nicht mehr vergeben.)

Das Magazin reagierte höchst diplomatisch: "Der Präsident hat nicht korrekt wiedergegeben, wie wir die Person des Jahres auswählen. 'Time' kommentiert die Wahl nicht bis zu ihrer Veröffentlichung, die ist am 6. Dezember."

Weniger diplomatisch äußerte sich Alan Murray, verantwortlich für alle redaktionellen Inhalte bei "Time". Erst twitterte er "Erstaunlich. Nicht ein Hauch von Wahrheit in der Geschichte", und schob dann in einer Replik die Zusammenfassung nach: "Totaler Bullshit."

Der ehemalige Obama-Berater Dan Pfeiffer twitterte: "Dieser Tweet ist so traurig. Stell dir vor, du bist superreich, Präsident der USA, und immer noch so bedürftig nach Anerkennung."

Dass die wenigsten Trumps Version der Dinge Glauben schenkten, wurde schon vor der Replik von "Time" deutlich. Tausende User auf Twitter verballhornten Trumps Statement und teilten mit, welche Ehrung sie denn in den vergangenen Tagen präemptiv ausgeschlagen hätten, darunter Prominente wie die Schauspielerin Julia Louis-Dreyfus ("werde WAHRSCHEINLICH beste Comedienne aller Zeiten"), der Physiker Brian Cox ("werde WAHRSCHEINLICH Premierminister statt Theresa May") und die Journalistin Frida Ghitis ("werde WAHRSCHEINLICH Nobelpreis-Journalistin des Jahres, den Titel gibt es zwar nicht, aber wen interessieren die Fakten").

Ebenfalls den Trump machte der britische Tennisspieler Andy Murray: Er reklamierte trocken den Titel "Sportler des Jahres" für sich. Antwort eines Fans: "Ironischerweise sollte dir dieser Tweet den Titel eigentlich sichern."

ayy

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insgesamt 44 Beiträge
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Seite 1
Atheist_Crusader 25.11.2017
1.
Man fragt sich, ob das Trumps natürliches Bedürnis für leere Prahlereien war oder ob das nicht von vorneherein so geplant war. Erst "Hey, ich bin so toll!", dann die Absage an das Establishment (zu denen er irgendwie nicht gehören soll) und am Ende polarisiert er weiter indem er die Entscheidung aufzwingt, wem man dann glauben soll. Wer ein Problem mit Trump hat, der glaubt sowieso kaum etwas von dem was aus seinem Mund kommt - aber wer für ihn ist, für den ist das wieder nur ein "Beweis" dafür, wie doof und verlogen die Medien (mit Ausnahme von Fox News, Breitbart und Konsorten natürlich) sind. Der Mann fügt seinem Land Schäden zu, unter denen es noch lange nach seinem Abtritt leiden wird.
fallobst24 25.11.2017
2.
Zitat von Atheist_CrusaderMan fragt sich, ob das Trumps natürliches Bedürnis für leere Prahlereien war oder ob das nicht von vorneherein so geplant war. Erst "Hey, ich bin so toll!", dann die Absage an das Establishment (zu denen er irgendwie nicht gehören soll) und am Ende polarisiert er weiter indem er die Entscheidung aufzwingt, wem man dann glauben soll. Wer ein Problem mit Trump hat, der glaubt sowieso kaum etwas von dem was aus seinem Mund kommt - aber wer für ihn ist, für den ist das wieder nur ein "Beweis" dafür, wie doof und verlogen die Medien (mit Ausnahme von Fox News, Breitbart und Konsorten natürlich) sind. Der Mann fügt seinem Land Schäden zu, unter denen es noch lange nach seinem Abtritt leiden wird.
Die gesellschaftliche Spaltung in den USA ist jetzt aber nicht erst seit Trump so wie sie ist, sondern ist insbesondere unter Obama so geworden. Erst das hat ja einen Trump als Präsidenten möglich gemacht. Folglich ist er Symptom und nicht Ursache. Das wurde aber schon lang und breit erläutert.
Kleinklein2 25.11.2017
3. @Gotthold
Schön wär's. Nein, die 37% der Amerikaner, die ihn bedingungslos stützten, nehmen das dankend an, es spricht Ihnen gewissermaßen aus der Seele. Dabei ist es zweitrangig, ob er selbst wirklich so denkt, denn solange er sich in dieser Echokammer befindet, ist das Endresultat weitgehend dasselbe.
sibbi78 25.11.2017
4. So etwas
habe ich noch nie von einem Politiker gehört, geschweige denn einem Staatsoberhaupt! Oder gibt es doch einen, sagen wir mal "Machthaber", eines afrikanischen oder südamerikanischen Staates der Vergangenheit, der so etwas von sich behauptete? Oder gar in der Antike - Nero etwa? Und was ist mit diesen Leuten geschehen? Wurden sie "xxx des Jahres"? Muss Herr Trump erst nackig durch Washignton rennen, Purzelbäume schlagen und noch mehr Gebrabbele von sich geben, bevor in einem der weit entwickelsten Länder der Welt eine Konsequenz erfolgt? Wie lange ertragen die Mächtigen der USA ihre Marionette noch?
steffen.ganzmann 25.11.2017
5. Ich weiss es nicht.
Ob das stimmt oder auch nicht. Aber zumindest ist es in den Staaten Usus, etwaig in Frage kommende Kandiidaten [b}voerher[/b] zu befragen, ob sie überhaupt *Willens* wären, den Titel anzunehmen, bevor man sich die Arbeit macht, darüber nachzudenken. War bei mir nicht anders. Allerdings, 2 bis drei Wochen Bedenkzeit für den Titel "Person of the Year"? Mein Titel ist bedeutend geringer, er interesiert auch nur - wenn überhaupt - meine Berufsgruppe. Dennoch wollte man von mir ein unterschriebenes CV sowie die Berechtigung, das Überprüfen zu dürfen (laut meinem Spital in der Schweiz tat man das auch). Und so gering der Titel auch sein mag, die Entscheidungsfindung dauerte immerhin ganze *neun* Monate und nicht nur drei Wochen. Ergo: Ich glaube dem Time Magazine und nicht dem Prototypnarzissten Donald J. Trump B.S. ... Btw., wer ausser mir fühlt sich dadurch noch an Äsops alte Fabel "Der Fuchs und die Trauben" erinnert?
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