Makabre Aktion Videomontage täuscht Gewalttat von Trump vor

Auf einem Event für den US-Präsidenten haben Anhänger einen Videoclip gezeigt, in dem ein digitaler Fake-Trump zahlreiche politische Kontrahenten tötet. Ein Sprecher des Präsidenten wies jede Verantwortung zurück.
Donald Trump: Der Präsident wirft US-Medien eine systemische Kampagne vor

Donald Trump: Der Präsident wirft US-Medien eine systemische Kampagne vor

Foto: Manuel Balce Ceneta/AP

Ein makaberes Video sorgt in den USA für Aufregung. Es wurde nach einem Bericht der "New York Times"  bei einer Veranstaltung für Supporter von Donald Trump in der vergangenen Woche in dessen Resort in Miami ausgestrahlt. Im Clip der Gruppe American Priority, die den Präsidenten unterstützt, ist ein Massaker zu sehen - verübt von einem Mann, dem per Bildbearbeitung der Kopf des US-Präsidenten aufgesetzt wurde.

Der Ausschnitt ist eine Abwandlung einer Szene aus dem Film "Kingsman: The Secret Service", eine schwarze Komödie, in der es zu einem Massaker in einer Kirche kommt. Auch das nun gezeigte Video spielt in einer Kirche, davor steht ein Schild mit der Aufschrift "Church of Fake News". Das deutete bereits an, in welche Richtung der Rest des Videos gehen soll.

Das Video ist eine Art Abrechnung, vor allem mit den US-Medien. Der montierte Trump läuft im Anzug durch die Kirche. Er wird bepöbelt von anderen Kirchgängern. Auch bei ihnen sind mehrere Köpfe verändert, sie wurden vornehmlich ersetzt durch Logos von US-Medien, aber auch durch Gesichter politischer Gegner Trumps.

Der montierte Trump schleudert Obama zu Boden

Schließlich zieht Trump eine Pistole und startet seinen Amoklauf. Er erschießt oder ersticht unter anderem Vox, Bloomberg, "Politico", ABC, "Vice News", die "Huffington Post", die "Washington Post", "BuzzFeed", auch die Organisation Black Lives Matter.

Aber auch gegen politische Rivalen und Kritiker geht Trump in dem Video brutal vor: Er zündet den Kopf des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Bernie Sanders an, er schlägt John McCain, den inzwischen verstorbenen Ex-Senator von Arizona, nieder. Den republikanischen Senator Mitt Romney wirft er zu Boden. Seinen Vorgänger Barack Obama schleudert Trump gegen eine Wand. Der Moderatorin Rosie O'Donnell rammt er ein Messer in den Kopf.

Hillary und Bill Clinton sowie Harvey Weinstein gehören ebenfalls zu seinen Opfern. Genau wie Adam B. Schiff. Der Demokrat aus Kalifornien überwacht als Vorsitzender des Geheimdienstausschusses die Untersuchungen für ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump.

Der Präsident kritisiert die US-Medien schon seit Beginn seiner Amtszeit scharf. Seit Beginn der Diskussion über ein Impeachment-Verfahren im Zuge der Ukraineaffäre haben die Attacken nochmals zugenommen. Immer wieder sieht sich Trump als Ziel einer Kampagne der Medien. Diese berichten aus seiner Sicht regelmäßig Falschnachrichten über ihn.

Im Video: Biden "hat es verstanden, Obama den Arsch zu küssen"

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Der Veranstalter des Events, bei dem der Clip gezeigt wurde, sowie prominente Gäste distanzierten sich von dem Video. Präsidentensohn Donald Trump Junior und die frühere Trump-Sprecherin Sarah Huckabee Sanders ließen mitteilen, dass sie das Video nicht gesehen hätten. Sanders sagte der "New York Times", sie verurteile "jede Form von Gewalt gegen jedermann".

Der Veranstalter des Events erklärte, es habe auf der Konferenz auch Inhalte von Dritten gegeben. Man weise "jede politische Gewalt" zurück, sagte Organisator Alex Philipps der "New York Times".

Auch ein Sprecher des Präsidenten selbst sagte, er wisse nichts über das Video. Es sei nicht von Trumps Wahlkampfteam produziert worden - "und wir dulden keine Gewalt", sagte Sprecher Tim Murtaugh der "New York Times".

Am Ende seines Amoklaufs spießt Trump CNN auf, dann steht er allein in der Kirche und grinst. Diese besondere Rolle des US-Senders erinnert an ein Video, das Trump selbst vor gut zwei Jahren auf Twitter gepostet hatte. Auch darin war eine Montage zu sehen: eine Szene, in der Trump am Rande eines Wrestlingkampfs zu sehen war und bei dem Showkampf auf einen am Boden liegenden Mann einprügelte. In der veränderten Version war als Kopf des Opfers ein CNN-Logo eingeblendet.

Anmerkung: In einer früheren Version hieß es, auch bei dem Video aus dem Jahr 2017 sei ein Trump-Kopf auf einen Wrestlingkämpfer montiert worden. Tatsächlich handelte es sich dabei um Trump selbst, der im Jahr 2007 an der Veranstaltung "Wrestlemania 23" teilgenommen hatte. Einzig das CNN-Logo war nachträglich eingefügt worden.

aev
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