Kein "Dankeschön" für Begräbnis Trump attackiert verstorbenen Senator McCain

Mehrfach hatte der US-Präsident sich negativ über den Republikaner John McCain geäußert. Nach dessen Tod beklagt Trump nun, ihm sei für McCains Staatsbegräbnis nie gedankt worden - mit dem er gar nichts zu tun hatte.

Donald Trump
AP

Donald Trump


Sieben Monate nach dem Tod von US-Senator John McCain hat sich Donald Trump darüber beschwert, dass sich niemand bei ihm für dessen Beerdigung bedankt habe. "Ich habe ihm das Begräbnis ermöglicht, das er wollte. Als Präsident musste ich das genehmigen", sagte Trump laut CNN. "Ich habe kein Dankeschön dafür bekommen, aber das ist okay."

Der US-Präsident attackiert den verstorbenen McCain seit Tagen öffentlich. Am Wochenende ging es dabei zunächst um die Weitergabe eines Russland-Dossiers über Trump an das FBI nach der Wahl 2016, dann um McCains Leistungen an der Marineakademie.

Im August des vergangenen Jahres war McCain an den Folgen eines Hirntumors gestorben. Die Trauerfeier hatte im US-Kapitol stattgefunden. Donald Trump war nicht eingeladen. McCain wollte es so.

Gedenken an John McCain im August 2018
AFP

Gedenken an John McCain im August 2018

Dass Trump das Begräbnis von McCain genehmigen musste, entspricht laut "Washington Post" nicht den Tatsachen. Der Harvard-Juraprofessor Laurence Tribe kommentierte die Behauptung auf Twitter: "Die Aufbahrung im Kapitol war Sache des Kongresses, nicht des POTUS."

Auch bei anderen öffentlichen Auftritten hat Trump sich negativ über McCain geäußert. Am Dienstag hatte Trump vor Reportern im Oval Office gesagt: "Ich war nie ein Fan von John McCain." Einen Tag später sagte er in Ohio: "Um ehrlich zu sein, ich habe ihn nie sonderlich gemocht."

Die Tochter des Senators kritisierte Trump für die wiederholten Attacken: Meghan McCain nannte es einen "neuen Tiefpunkt" des US-Präsidenten, jemanden zu attackieren, der nicht mehr hier sei.

Auch Republikaner haben öffentlich Unverständnis für Trumps Aussagen gezeigt. US-Senator Johnny Isakson sagte, nicht nur die McCain-Familie, sondern die Nation verdiene mehr als Trumps Verunglimpfung.

Auch Ex-Präsidentschaftskandidat und Senator Mitt Romney lobte McCain auf Twitter - und kritisierte den Präsidenten: "Ich kann nicht verstehen, warum der Präsident ein weiteres Mal einen so vorbildlichen Mann wie meinen Freund John McCain verunglimpft."

Das Verhältnis von Trump und McCain war von gegenseitiger Verachtung geprägt. Das zeigte sich schon während Trumps Wahlkampf in den Jahren 2015 und 2016. Als Trump bekannt gab, Präsident werden zu wollen, und dabei mexikanische Einwanderer als "Kriminelle" und "Vergewaltiger" bezeichnete, kritisierte McCain das als "widerwärtig".

Trump sagte wenig später, McCain sei kein Kriegsheld, weil er während des Vietnamkrieges gefangen genommen worden sei. "Ich mag Leute, die nicht gefangen genommen wurden." McCain war als Pilot der US-Navy in Vietnam in Gefangenschaft geraten und von Kämpfern des Vietcong gefoltert worden.

cop/AP/Reuters



insgesamt 31 Beiträge
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Seite 1
theoripp 21.03.2019
1. Nebenschauplatz
Diese Attacke von Trump ist vermutlich eine reine PR-Nummer, um von anderen Nachrichten abzulenken. Wird der Bericht des Sonderermittlers Mueller erwartet? Immer wenn Trump Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit umlenken möchte, führt er eine Kampagne mit absurden Äußerungen, von denen er sicher sein kann, dass die Öffentlichkeit sich tagelang darüber aufregen wird. Einfach ignorieren und auf die wirklich interessanten Nachrichten zu Trump achten.
anboes 21.03.2019
2. Was für ein
KLEINGEIST ist dieser US-Präsident! Charakterlich und intellektuell.
finchen0598 21.03.2019
3. ...unhöflich
..da fällt mir nur Mark Anton in Shakespeare's Julius Caesar ein: "The evil that men do live after them, the good is oft interred with their bones" Egal wie man zu einem Menschen stand, nach dessen Tod endet auch der Konflikt. Und bei Allem was man für Streitigkeiten und Meinungsverschiedenheiten hat, so wünscht man doch seinem Gegenüber nicht den Tod an den Hals....so hoffe ich zumindest mal auch in der Causa Trump! Da John McCain nun nicht mehr ist, sollte Trump ihn nun auch ruhen lassen und seinen Ärger über ihn nicht an der Familie auslassen (was treibt ihn blos dazu?) Wenn er wieder einen braucht, den er verunglimpfen kann, dann kann er ja mal bei seiner eigenen Sippschaft anfangen. Die taugen ja auch allesamt nix.
cipo 21.03.2019
4.
Zitat von theorippDiese Attacke von Trump ist vermutlich eine reine PR-Nummer, um von anderen Nachrichten abzulenken. Wird der Bericht des Sonderermittlers Mueller erwartet? Immer wenn Trump Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit umlenken möchte, führt er eine Kampagne mit absurden Äußerungen, von denen er sicher sein kann, dass die Öffentlichkeit sich tagelang darüber aufregen wird. Einfach ignorieren und auf die wirklich interessanten Nachrichten zu Trump achten.
Erwartet wird der ja seit langem, aber kommen wird er nicht so schnell. Mueller hat aber gerade erst wieder zwei Monate Aufschub für den Prozess gegen Manaforts Partner Rick Gates beantragt. Gates scheint zu singen wie eine Nachtigall.
wittchen2000 21.03.2019
5.
Zitat von theorippDiese Attacke von Trump ist vermutlich eine reine PR-Nummer, um von anderen Nachrichten abzulenken. Wird der Bericht des Sonderermittlers Mueller erwartet? Immer wenn Trump Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit umlenken möchte, führt er eine Kampagne mit absurden Äußerungen, von denen er sicher sein kann, dass die Öffentlichkeit sich tagelang darüber aufregen wird. Einfach ignorieren und auf die wirklich interessanten Nachrichten zu Trump achten.
Das scheint mir ebenfalls Kern der Trump'schen Politikstrategie zu sein - immer den Skandalpegel so hoch zu halten dass absolut keiner mehr einen Kopf für irgendwelche wie auch immer gearteten "vernünftigen" Themen hat.
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