US-Wahlkampf Trump bat ausländische Politiker illegal um Spenden

Neuer Ärger für Donald Trump: Der republikanische Präsidentschaftsanwärter wurde angeschwärzt, weil er Abgeordnete im Ausland um Geld anbettelte. Im US-Wahlkampf ist das verboten.

Immobilienmogul Donald Trump
REUTERS

Immobilienmogul Donald Trump


"Bitte steuern Sie etwas bei, damit mein Vater Präsident der Vereinigten Staaten werden kann": Diese Botschaft soll Donald Trump Jr., Sohn des voraussichtlichen Präsidentschaftskandidaten der US-Republikaner, an Parlamentarier in Großbritannien, Australien und Island versandt haben. Das Problem: Trump darf für seinen Wahlkampf in den USA gar keine Spenden von ausländischen Politikern einsammeln.

Zwei Bürgerrechtsgruppen haben die staatliche Wahlkommission auf die versandten E-Mails aufmerksam gemacht. Das Anschreiben, das von der offiziellen Kampagne Trumps verschickt wurde, machte nun die schottische Abgeordnete Natalie McGarry öffentlich. Sie lehnte die Aufforderung übrigens entrüstet ab.

Der Blog "Fresh Intelligence" des "New York Magazine" kommentierte den Zwischenfall: "Wenn wir Ihnen erklären müssen, warum es für Präsidentschaftskandidaten verboten ist, ausländische Politiker um Spenden für den Wahlkampf zu bitten, sind Sie wahrscheinlich Donald Trump."

Längst ist kein Geheimnis mehr, dass Trumps Kampagne in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Dabei hatte er selbst immer wieder stolz darauf verwiesen, dass er seine Kandidatur mehr oder weniger selbst finanziere. Er machte das "Self-Funding" zu seinem Markenzeichen, auch um seine vermeintliche Unabhängigkeit von Lobbyinteressen zu unterstreichen. Doch die Summen, die im Hauptwahlkampf vor allem für TV-Werbung und Mitarbeiter benötigt werden, überschreiten nach Einschätzung der meisten Experten selbst Trumps finanzielle Möglichkeiten.

Als Vergleichsmaßstab gilt der Wahlkampf 2012: Damals mussten die beiden Spitzenkandidaten Mitt Romney und Barack Obama insgesamt mehr als 1,7 Milliarden Dollar bei Spendern einsammeln, um ihre aufwendigen TV-Werbekampagnen und die riesigen Mitarbeiterstäbe zu bezahlen.

Laut einer offiziellen Aufstellung der Wahlkommission standen der Trump-Kampagne zu Beginn des Monats nur noch 1,3 Millionen Dollar an liquiden Mitteln zur Verfügung. Das entspricht eher dem Wahlbudget eines Hinterbänklers im Kongress als dem eines ambitionierten Präsidentschaftskandidaten. Hillary Clintons Team kann dagegen auf Reserven in Höhe von 42,5 Millionen Dollar zugreifen.

Der Immobilienmogul stellte zuletzt für die kommenden Wochen größere Spendeneingänge in Aussicht. Er versucht unter anderem, mit sogenannten Fundraising-Dinners frisches Geld einzusammeln. Zwischen 50.000 und 250.000 Dollar zahlen Teilnehmer nach einem Bericht der "New York Times" für den exklusiven Abend mit ihm.

Zudem kündigte der Multimilliardär an, künftig weiter eigenes Geld einzusetzen. Einen Kredit von 50 Millionen Dollar an seine Kampagne hat er vor Kurzem erlassen. Trotzdem läuft es derzeit nicht: In den Umfragen liegt er deutlich hinter seiner Konkurrentin Clinton von den US-Demokraten.

vks/dpa

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