Donald Trump zur Wahl "Ich hätte noch einfacher und überzeugender gewonnen"

Donald Trump bezweifelt, dass es bei der US-Wahl rechtens zugegangen ist: Millionen hätten illegal abgestimmt, behauptet er auf Twitter.

Donald Trump
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Schon vor der US-Präsidentschaftswahl sprach Donald Trump von Wahlbetrug. Dann gewann er und plötzlich hatte er doch nichts mehr einzuwenden. Nun kristallisiert sich heraus, dass Hillary Clinton beim sogenannten Popular Vote - also die tatsächliche Anzahl der Wählerstimmen - mit mehr als zwei Millionen Stimmen vor ihm liegt. Und prompt behauptet der zukünftige Präsident, Millionen hätten illegal abgestimmt.

"Zusätzlich zu dem Erdrutsch-Sieg bei den Wahlmännern hätte ich auch den Popular Vote gewonnen, wenn man die Millionen Menschen abziehen würde, die illegal gewählt haben", twitterte er am Sonntag.

Beweise für diese Behauptung lieferte Trump nicht. Stattdessen legte er noch nach: "Es wäre sehr viel leichter für mich gewesen, den sogenannten Popular Vote zu gewinnen, als das Wahlmännergremium, da hätte ich nur in drei bis vier Staaten Wahlkampf machen müssen, statt in 15. Ich hätte sogar noch einfacher und überzeugender gewonnen!"

Es ist eine Besonderheit des amerikanischen Wahlsystems: Ein Kandidat kann die meisten Wählerstimmen erhalten und trotzdem nicht Präsident werden. Das liegt daran, dass der US-Präsident nicht direkt vom Volk gewählt wird, sondern über ein Wahlmännergremium. (Lesen Sie hier eine Erklärung zum US-Wahlsystem.)

Auch mehr als zwei Wochen nach der Wahl werden noch Stimmen ausgezählt. Clinton führt den "Popular Vote" mittlerweile mit mehr als zwei Millionen Stimmen an - erwartet wird ein Endergebnis von rund 2,5 Millionen Stimmen.

Es gebe keinerlei Beweise dafür, dass bei der Präsidentschaftswahl am 8. November illegal gewählt wurde, berichtet die Nachrichtenseite "Politico". Trumps Äußerung sei für einen gewählten Präsidenten ein "unerhörter Vorwurf" an das US-Wahlsystem.

Die Reaktionen auf Trumps Tweets ließen nicht lange auf sich warten. "Guter Gott, er will sogar eine Wahl anfechten, die er gewonnen hat", schrieb US-Journalist Jeff Jarvis auf Twitter.

"Millionen haben illegal abgestimmt? Sollten wir eine landesweite Neuauszählung durchführen?", twitterte CNN-Korrespondent Jim Acosta ironisch mit Blick auf die Neuauszählung im US-Bundesstaat Wisconsin.

Trump: Neuauszählung in Wisconsin wird gleiches Ergebnis bringen

Denn auch die Gegenseite zweifelt daran, dass bei der US-Wahl alles richtig abgelaufen ist: Clintons Wahlkampagne hatte am Samstag bekannt gegeben, sich an einer Neuauszählung der Stimmen in Wisconsin zu beteiligen. Die ehemalige grüne Präsidentschaftskandidatin Jill Stein hatte einen entsprechenden Antrag gestellt. Sie stellt auf Grundlage von IT-Experten das Wahlergebnis in Wisconsin und zwei weiteren Bundesstaaten infrage. Diese behaupten, die Wahl könnte zulasten von Clinton manipuliert worden sein.

Die Neuauszählung in Wisconsin soll kommende Woche beginnen. Falls die Stimmen auch in den anderen beiden Bundesstaaten neu ausgezählt werden und Clinton Trump tatsächlich in allen drei Bundesstaaten überholt, könnte sie rechnerisch noch gewinnen - auch wenn dieser Fall als eher unwahrscheinlich gilt.

Trump ist verärgert über den Vorgang. Der designierte Präsident hat sich - ebenfalls auf Twitter - über die Entscheidung, die Stimmen im US-Bundesstaat Wisconsin erneut auszuzählen, ausgelassen: "Es wird so viel Zeit und Geld dafür draufgehen - für das gleiche Ergebnis! Traurig", ließ er auf dem Nachrichtenportal verlauten.

Im Vorfeld der Präsidentschaftswahl hatte Trump mehrfach behauptet, die Wahl sei manipuliert. Beim dritten TV-Duell der Präsidentschaftskandidaten vor der Wahl hatte Trump erklärt, er werde das Wahlergebnis nicht anerkennen, falls Clinton gewinnen werde.

kry/AP/Reuters



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