US-Präsident bei Shell Zuhörer von Trump-Rede wurden bezahlt

"Protest wird nicht toleriert": Der Besuch von US-Präsident Donald Trump in einem Werk der Ölfirma Shell wurde minutiös vorbereitet. Mitarbeitern, die fehlten, entgingen bezahlte Überstunden.

Susan Walsh/ AP

Die Anzahl seiner Zuhörer ist für US-Präsident Donald Trump ein zentrales Kriterium für seine Zufriedenheit mit einem Auftritt.

Das wussten offenbar die Organisatoren eines Besuchs des Präsidenten in einem neuen Chemiewerk des Ölunternehmens Shell in Beaver County im US-Bundesstaat Pennsylvania. Die Halle war voll, 5000 Arbeiter in gelben Westen lauschten und klatschten - darunter auch solche, die an dem Tag eigentlich frei hatten.

Wie zuerst die "Pittsburgh Gazette-Post" berichtete, wurden am Einlass Stunden vor Beginn der Rede die Mitarbeiterausweise gescannt. Ein Memo einer Gewerkschaft an die Mitarbeiter eines Shell-Dienstleisters erklärte die Regeln so: "Ihre Teilnahme ist nicht verpflichtend." In einer weiteren schriftlichen Anweisung hieß es allerdings explizit und in Großbuchstaben: "Kein Scan, keine Bezahlung."

Geste des Protests oder einfach müde: Ein Arbeiter stützt seinen Kopf auf ein Absperrgitter, während Trump spricht
Jonathan Ernst/ REUTERS

Geste des Protests oder einfach müde: Ein Arbeiter stützt seinen Kopf auf ein Absperrgitter, während Trump spricht

Bestellt wurden die Arbeiter für sieben Uhr morgens, mussten dann aber in der Halle bis zur Mittagszeit warten, ehe Trump zu ihnen sprach: In der Rede in dem Werk lobte der Präsident den Ölkonzern und warnte vor den Gefahren der Windenergie, die "alle Vögel tötet". In Teilen wirkte der Auftritt wie eine Wahlkampfveranstaltung, schrieb die Zeitung. Trump appellierte an die Belegschaft und an Gewerkschaftsführer, bei der Wahl im kommenden Jahr für ihn zu stimmen.

Memo an die Teilnehmer: "Widerstand wird nicht toleriert"

"Ich werde auch mit Gewerkschaftsführern sprechen und ihnen sagen: 'Ihr werdet doch Trump unterstützen, oder?' Und wenn sie es nicht tun, dann wählt sie verdammt nochmal aus ihren Ämtern, weil sie ihren Job nicht richtig machen", zitiert die Zeitung den Präsidenten.

Ein Sprecher von Shell sagte der "Gazette-Post", die Arbeiter hätten Verträge für eine 56-Stunden-Woche, in denen 16 besser bezahlte Überstunden enthalten seien. Wer die Dienstagsveranstaltung mit Trump besuchte, sei für Überstunden bezahlt worden. Abwesende Arbeiter hätten auf die Extrabezahlung verzichten müssen.

Nach Erscheinen des Berichts konkretisierte ein anderer Shell-Sprecher im Gespräch mit der Nachrichtenseite "Newsweek": Die Veranstaltung sei genauso geplant worden, wie andere Fortbildungen für die Shell-Belegschaft. "Es wurde damit umgegangen, wie eine bezahlte Schulung mit einem Gastredner, nur dass der Redner diesmal eben der Präsident war."

Laut einem Memo für die Veranstaltung an die Vorgesetzen, aus dem die "Gazette-Post" zitiert, wurden die Besucher instruiert, sich ordentlich zu benehmen: "Zwischenrufe, Protest oder alles, was nach Widerstand aussieht, wird bei der Veranstaltung nicht toleriert." Ein Zweck des Events sei es, "das Wohlwollen der Gewerkschaft" zu übermitteln. Dem hätten die Gewerkschaftsführer zugestimmt.

cht



insgesamt 106 Beiträge
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felix_hauck 18.08.2019
1.
Und da wundert man sich warum Gewerkschaften in den USA so einen "guten" Ruf haben.
sverris 18.08.2019
2.
Eine Trump-Rede als Fortbildung... haha.
jujo 18.08.2019
3. .....
Die ex sozialistischen Staaten, China und Nordkorea lassen grüßen.
igel_52 18.08.2019
4. Demokratie ist abgeschafft
im Land des Donald Trump. Wer gegen mich ist muß weg. Deutlicher kann er nicht formulieren worum es ihm geht, und die Gewerkschaft kuscht. Mal abwarten wie tief dieses Land noch sinken wird.
Dromedar 18.08.2019
5. Gewerkschaften
in den USA wurden ja systematisch von der Mafia unterwandert und übernommen. Und da Don Presidente ja schon zeit seines Lebens sehr eng mit der Mafia zusammen arbeitet bis hin sich die gleichen Anwälte wie die Bosse nimmt, wundert das Einvernehmliche in diesem Treffen nicht.
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