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G20 in Hamburg: Trumps perfekte Hamburg-Show

Foto: Morris MacMatzen/ Getty Images

G20-Bilanz des US-Präsidenten Trump bekam, was er wollte

Isolation? Handelskrieg? Klima-Schlappe? Von wegen: Für Donald Trump war der G20-Gipfel ein Erfolg. Denn er hat seiner Basis genau das gegeben, was sie will - eine nationalistische Machoshow.

Donald Trump hat eine Art Urlaubsvideo über den G20-Gipfel basteln lassen. Von Dudelmusik untermalt, zeigt es eine Reihe Fotos des US-Präsidenten in Hamburg, in diversen Machoposen: maskulin, dominierend, forsch, selten lächelnd. Auf allen steht er im Mittelpunkt, höfisch umringt von anderen Staatschefs.

Das Video, das Trump mit seinen 33,5 Millionen Twitter-Fans teilte, sagt mehr aus als jede Pressekonferenz und jedes Hintergrundgespräch: Für Trump war der Gipfel eine Abfolge theatralischer, meist inhaltsfreier Szenen und Gesten, gezielt allein auf seine nationalkonservative Basis in den USA.

Mit anderen Worten: ein voller Erfolg. "Er war ein Star in Hamburg", sagte Trumps Stabschef Reince Priebus an diesem Sonntag in Fox News. "Und niemand kann ihm das nehmen." "Deutschland kapituliert vor Trump", schlagzeilte die US-Webseite "Breitbart", das Hausorgan des rechten Lagers.

Trumps Reise, schreibt selbst David Axelrod, der erfolgreichste Wahlstratege der Demokraten, sei "ein Triumph für seine Basis" gewesen. Da ist es denn auch völlig egal, dass sich in Hamburg die wachsende Isolation der USA offenbarte, symbolisiert durch Trump, den linkisch-trotzigen Außenseiter - ob im Gruppenbild oder beim bilateralen Treffen. Er war der Raufbold auf dem Schulhof, mit dem keiner spielen will: Der Klimakompromiss fand ohne ihn statt, der Stahlkrieg wurde vertagt, neue Handelsabkommen blendeten Amerika aus.

Trump spricht Schlüsselreize an

"Die Zeiten, da sich andere Länder auf die Führungskraft der USA verließen, gehen zu Ende", klagte das außenpolitische Magazin "Foreign Policy" am Wochenende. "Donald Trump hat Amerika in die hinterste Reihe versetzt."

Aber wie gesagt, Trumps Fans ist das egal. Mehr noch: Sie bejubeln seine nationalistische, isolationistische, protektionistische, antiglobalistische Show, die an der Elbe verstört, doch am Eriesee entzückt. Und Trump weiß gut, welche Schlüsselreize er dazu ansprechen muss.

Das begann schon in Warschau, Trumps erstem Stopp, der für diese Zwecke - wie es das Weiße Haus auch deutlich machte - fast wichtiger war als der eigentliche G20-Gipfel. Auf Einladung der rechtsautoritären Regierung Polens, die eigens dazu Claqueure mit Bussen ankarrte, rief Trump dort einen neuen, globalen Kampf der Kulturen aus: "Die fundamentale Frage unserer Zeit ist es, ob der Westen den Willen hat, zu überleben."

Verfasst von Stephen Miller, einem Zögling des Trump-Ideologen Stephen Bannon, wimmelte die apokalyptische Ansprache vor Ausdrücken wie "Westen", "Werte" und "Zivilisation" - Codeworte für "weiß", "christlich" und "Rasse", wie Peter Beinart im "Atlantic" diagnostizierte. Was das "Wall Street Journal" als "Trumps entscheidendste Rede" lobte, war zugleich ein Wink an seine reaktionäre Basis, analog zum Slogan "Make America Great Again".

Diese Doppelbödigkeit ging an vielen vorbei, ebenso wie später die Scharade seines Treffens mit Wladimir Putin. Die Kongressabgeordnete Maxine Waters durchschaute das Spiel aber: "Wir werden an der Nase herumgeführt", sagte sie im Sender MSNBC, "von unserem Präsidenten - und sicher von Putin."

Trumps Mauern hat Methode

Es war kein Zufall, dass die Begegnung nur im kleinsten Kreise stattfand, ohne die üblichen Stenografen: Neben den Dolmetschern bestand die Runde aus vier erklärten Russland-Verfechtern - Trump, Putin und die Außenminister Sergei Lawrow und Rex Tillerson, der als Chef des Ölmultis ExxonMobil den russischen Orden der Freundschaft bekommen hatte. Klarer geht es kaum.

Was da genau besprochen wurde, wird man nie wissen. Die Minister verbreiteten anschließend Widersprüche. Tillerson betonte, Trump habe Putin wegen Moskaus Einmischung in die US-Wahlen zur Rede gestellt. Lawrow dagegen behauptete, Trump habe Putins Dementi "akzeptiert" - was Trumps Team später ausdrücklich auch nicht bestritt. "Da müssen Sie ihn fragen", schürte Putin diese Diskrepanz amüsiert, derweil sich Trump der Presse verweigerte.

Das Mauern hat Methode. So kann Trump zwar nach außen den harten Mann markieren, Putin zugleich aber, warum auch immer, ungeschoren davonkommen lassen - sowie seine Basis beruhigen, die die Russlandaffäre sowieso als Fake News ablehnt. Auch der Beschluss einer amerikanisch-russischen Arbeitsgemeinschaft gegen künftige Cybereingriffe ist Augenwischerei, was in den USA jedoch bisher nur die Demokraten kritisieren, und das muss Trump wenig stören und Putin erst recht nicht.

Kein Wunder, dass Russland das Treffen als Sieg feiert. Während sich Trump für seine Wähler aufplusterte, bekam auch Putin "genau das, was er wollte", so Putin-Kritikerin Masha Gessen in der "New York Times": "Respekt, Kameradschaft und Freiheit von Kritik". Kein kritisches Wort über Menschenrechte, Dissidenten, die Ukraine. Statt dessen: Gemeinsames Gelächter über die lästigen Medien, die Trump gerne so kaltstellen würde, wie Putin das tut.

"Hätte nicht besser laufen können", sagte US-Finanzminister Steve Mnuchin auf dem Rückflug. Doch als Trump am Samstagabend wieder im Weißen Haus ankam, wartete schon der Alltag auf ihn. Top-Schlagzeile der "Washington Post": "Republikaner bezweifeln legislativen Erfolg noch vor der Sommerpause."

Zusammengefasst: Donald Trump hat den G20-Gipfel genutzt, um sich bei seiner Basis zu profilieren. Und die bejubelt den Besuch des Präsidenten in Hamburg, obwohl die USA isoliert waren. Auch sein erstes Treffen mit Wladimir Putin lief nach Plan: Nach außen präsentierte Trump sich als harten Mann, ohne den russischen Präsidenten kritisieren zu müssen. "Hätte nicht besser laufen können", sagte sein Finanzminister auf dem Rückflug.

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