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30. Oktober 2017, 07:30 Uhr

Vorwürfe gegen Ermittler

Trump beklagt "Hexenjagd" in Russlandaffäre

Donald Trump würde am liebsten nur über seine Steuerreform reden. Doch dem US-Präsidenten droht neuer Ärger in der Russlandaffäre. Per Twitter startet er ein durchsichtiges Ablenkungsmanöver.

Donald Trump steht unter Druck. Die Ermittlungen wegen einer möglichen russischen Einflussnahme auf den Präsidentschaftswahlkampf machen dem US-Präsidenten zu schaffen. In einer Serie von Tweets versuchte Trump am Sonntag, den Fokus auf seine unterlegene Gegenkandidatin Hillary Clinton zu richten. Ihre Beziehungen zu Russland sollten dringend untersucht werden, fordert Trump. Die Ermittlungen gegen sein Wahlkampfteam seien eine "Hexenjagd".

Der US-Präsident bekräftigte per Twitter, er habe keinerlei geheime Absprachen mit Russland getroffen. "Alle diese 'russischen' Geschichten genau dann, wenn die Republikaner eine historische Senkung und Reform der Steuern in Angriff nehmen. Ist das ein Zufall? NEIN!", schrieb Trump.

Laut Berichten der Sender NBC und CNN billigte die Geschworenen-Jury eines Gerichts in Washington am Freitag auf Antrag des Sonderermittlers Robert Mueller erste Anklagen. Unklar blieb, gegen wen Mueller strafrechtlich vorgehen will und was genau den Angeklagten vorgeworfen wird. Eine oder mehrere Festnahmen könnten bereits am Montag erfolgen.

Russland wird direkte Wahlbeeinflussung vorgeworfen. Geheimdienste sehen es als erwiesen an, dass Moskau gezielt versucht hat, den US-Präsidentschaftswahlkampf zugunsten von Trump zu manipulieren. Unklar ist, inwieweit sein Wahlkampfteam von solchen Versuchen wusste oder gar aktiv mit Russland zusammenarbeitete. In diesem Zusammenhang untersucht Mueller zudem, ob sich der jetzige Präsident der Rechtsbehinderung schuldig gemacht hat.

Trumps Anwalt Ty Cobb erklärte nach den jüngsten Tweets des Präsidenten, diese hätten nichts mit den "Aktivitäten des Sonderermittlers" Mueller zu tun, mit dem Trump weiter kooperiere.

Offenbar auch Ermittlungen zu Comeys Entlassung

Der demokratische Obmann im Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses, Adam Schiff, nannte im Zusammenhang mit den Spekulationen über diejenigen, die Mueller im Visier haben könnte, zwei Namen: den früheren Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn und Trumps früheren Wahlkampfleiter Paul Manafort.

Berichten zufolge interessiert sich der Sonderermittler auch für die Umstände, die zur Entlassung von Flynn sowie des früheren FBI-Chefs James Comey führten. Flynn hatte Mitte Februar nach nur 22 Tagen im Amt wegen mutmaßlich dubioser Kontakte zum russischen Botschafter in Washington, Sergej Kisljak, seinen Posten verloren.

Die Affäre war im Sommer durch Enthüllungen über ein Treffen des ältesten Trump-Sohns, Donald Trump Jr., mit einer russischen Anwältin während des Wahlkampfs angeheizt worden. An dem Treffen nahmen auch Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und Manafort teil.

cte/AFP

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