Trump und Jared Kushner Vom Schwiegersohn zum Chefberater

Hinter den Kulissen zog Jared Kushner bereits die Strippen. Jetzt will der künftige US-Präsident Trump seinen Schwiegersohn auch offiziell zum Chefberater ernennen. Tochter Ivanka hingegen zieht sich zurück.

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Der designierte US-Präsident Donald Trump hat elf Tage vor seiner Vereidigung angekündigt, seinen Schwiegersohn Jared Kushner zum Chefberater zu ernennen. Das bestätigte ein Mitarbeiter des Übergangsteams. Zuvor hatten unter anderem die "New York Times" und der TV-Sender NBC über die Personalie berichtet.

Der Ehemann von Trumps Tochter Ivanka hatte bereits während des Wahlkampfs als mächtigster Berater des designierten Präsidenten die Strippen gezogen. Er dirigierte unter anderem Trumps erfolgreiche Kampagne in den sozialen Netzwerken. Zuletzt soll er wesentlich an den Personalentscheidungen des gewählten Präsidenten beteiligt gewesen sein.

Auch über Ivanka Trump war zuletzt spekuliert worden, dass sie eine wichtige Rolle an der Seite des Präsidenten spielen werde. Aus dem Übergangsteam hieß es aber nach der Benennung Kushners, Ivanka Trump werde keinen Job im Weißen Haus annehmen, sondern sich vorerst um ihre Kinder kümmern.

Von der Unternehmerin zur Hausfrau

Für sie ist offenbar nun einzig die Rolle der Hausfrau vorgesehen: Sie werde von sämtlichen Positionen, die sie im Unternehmen Trump einnimmt, zurücktreten, hieß es von offizieller Seite aus dem Übergangsteam. Ivanka hatte im Trump-Imperium eine führende Rolle und vertrieb gleichzeitig ihre eigene Mode- und Schmucklinie. Auch diesen Job werde sie aufgeben.

Die Geschäfte Kushners dürften hingegen noch Diskussionen um mögliche Interessenkonflikte auslösen. Er ist ebenso wie Trump Immobilienunternehmer. Außerdem gibt er das Wochenblatt "New York Observer" heraus.

Laut einem Bericht des Fernsehsenders NBC News vom Montag versicherte eine Kushner-Anwältin, dass dieser die gesetzlich festgelegten ethischen Maßstäbe zur Vermeidung solcher Konflikte beachten werde. Das Kushner-Team habe bereits mit dem für diese Standards zuständigen Regierungsbüro Rücksprache gehalten, um über die nötigen Schritte zu entscheiden.

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Jared Kushner: "Donald Trumps Mini-Me"

Kushner werde aus seiner Firma ausscheiden, "substanzielle Vermögenswerte" abstoßen und sich aus Regierungsangelegenheiten heraushalten, die seine finanziellen Interessen berührten, sagte Anwältin Jamie Gorelick.

Ein Gesetz gegen Vetternwirtschaft legt allerdings fest, dass US-Präsidenten keine Verwandten anstellen dürfen. Das Gesetz war verabschiedet worden, nachdem der frühere Präsident John F. Kennedy Anfang der Sechzigerjahre seinen Bruder Robert zum Justizminister ernannt hatte.

Trump-Berater argumentieren jedoch, dass der Präsident größeren Spielraum habe, wenn es um Ernennungen für das Weiße Haus und nicht das Kabinett gehe. Im Unterschied zu den Kabinettsposten muss die Personalie auch nicht vom Senat gebilligt werden.

Die Spekulationen um eine zentrale Beraterrolle des Trump-Schwiegersohns hatten in den vergangenen Tagen zugenommen, nachdem Kushner und Ivanka Trump sich ein Haus in der Hauptstadt als künftiges Domizil ausgesucht hatten.

sun/AFP/Reuters

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leonidasng 09.01.2017
1. Gute Entscheidung
Nach allem was man über Jared Kushner und seine Familie liest, kann man sich keinen besseren Berater wünschen. Glücksfall für Trump ihn zu haben.
hador2 09.01.2017
2. Mal ehrlich...
...er und Ivanka werden ohnehin massiv in die Politik von Trump eingebunden sein. Die einzige Frage ist ob das offiziell oder inoffiziell passiert. Mir selber ist da eine offizielle Rolle fast lieber, zumindest gibt es dann eine gewisse Handhabe und gewisse Regeln für das Ganze. Nicht toll, aber die Alternative ist, dass endgültig alles inoffiziell im Trump Tower oder in Mar-a-Lago abläuft. Davon mal abgesehen: Hillary Clinton hatte während Bill Clintons erster Amtszeit auch eine offizielle Beraterrolle nämlich die für Gesundheitsfragen. Ist zwar nochmal was anderes als die Rolle von Kushner, aber damals hat auch keiner gejammert (ausser den Republikanern).
snow.fox 09.01.2017
3. Hmm....
Zitat: " ....und sich aus Regierungsangelegenheiten heraushalten, die seine finanziellen Interessen berührten, sagte Anwältin Jamie Gorelick." Leicht gesagt. Wer weiss denn, was sich hinter den Kulissen abspielen wird. Dieser Argwohn gilt natürlich auch für Trump und sein "reiches" Team. Klar kann man sagen... nein, wir machen sowas nicht... aber es gibt genügend Möglichkeiten, diesen Vorsatz zu umgehen. Dann könnte ich auch an den Osterhasen glauben. Deren ganzes Leben bestand darin, sich Vorteile zu verschaffen, sie werden damit nun nicht plötzlich aufhören. Seit Jahren verweigert Putin Trump den Bau eines High Towers in Russland... mich würde es nicht verwundern, wenn er nun bald die Genehmigung dafür bekäme. So und ähnlich wird es bei allen innerhalb der Mannschaft ablaufen... dabei kommt ihnen die gegenwärtige saloppe Eignungsüberprüfung ja nur zu Gute.
obelix236 09.01.2017
4. Das stinkt doch zum Himmel
Ein besseres Beispiel für Vetternwirtschaft ist wohl kaum zu finden. Wenn Trump so weitermacht, wird er die vier Jahre als Präsident nicht überstehen.
eunegin 10.01.2017
5. demokratisches Entwicklungsland
Schade. Die USA. Einst Vorzeigedemokratie. Jetzt mit großen Schritten zurück und mehr und mehr balkanisiert. Dumm für uns, dass wir eben alle von den Machenschaften der Großen abhängen, egal ob das nun Russland, China der die USA sind. Neuerdings spielt auch der starke Mann aus Ankara seine Karten aus. Da hilft nur ein einiges Europa, aber das bekommen wir ja nicht hin und sind drauf und dran selbst das zu demontieren. Selbst hierzulande schreit man ja nach einem "starken Mann". Was in der Regel kräftig schief geht. Man darf sich Sorgen machen.
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