Erste Auslandsreise von US-Präsident Trump Abu Ivanka im Nahen Osten

US-Präsident Trump besucht Saudi-Arabien. Dort will ausgerechnet er eine Rede zum Islam halten. Nicht der einzige heikle Programmpunkt seiner Reise: Auch Israel wartet gespannt auf den Verbündeten.

AFP

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Eigentlich kann das nicht gut gehen: Donald Trumps erste Auslandsreise als US-Präsident führt in eine der kompliziertesten Gegenden der Welt, den Nahen Osten. Zuerst nach Saudi-Arabien, dann nach Israel und Palästina. Das Gebiet ist ein Krisenherd, in dem der US-Präsident jedes Wort abwägen muss. Jeder Fehltritt kann schließlich einen diplomatischen Eklat auslösen. Kann der angeschlagene, impulsive und oft uninformierte Trump diese Aufgabe meistern?

Immerhin ist ihm sein erster Gastgeber, Saudi-Arabiens König Salman, wohlgesonnen. Mit Genugtuung hat der Herrscher in Riad registriert, dass auch der neue US-Präsident das Königreich als wichtigsten Partner in der arabischen Welt betrachtet. Im Wahlkampf hatte Trump noch heftig gegen die Saudis gestichelt: Er behauptete, das Land könne ohne den Schutz der Vereinigten Staaten nicht existieren, beschimpfte Alwaleed bin Talal, ein Mitglied der königlichen Familie, als "dämlichen Prinzen" und unterstellte, Saudi-Arabien stecke hinter dem Anschlag auf das World Trade Center 2001.

Saudi-Arabiens Herrscher schätzen Trump

Alles vergeben und vergessen: Als Trump seinen Amtseid leistete, pries "Okaz", eine saudische Zeitung, Trump als "Abu Ivanka", Ivankas Vater. Damals war dieser Ehrentitel - gemünzt auf Trumps Lieblingstochter - noch halb im Spaß gemeint, doch inzwischen herrscht im Königreich echte Begeisterung für den US-Präsidenten. Erst recht, nachdem Trump Anfang April einen syrischen Militärflughafen bombardierte.

Saudi-Arabien verteidigt sogar das von Trump verhängte Einreiseverbot gegen Bürger aus mehreren mehrheitlich muslimischen Staaten. Das Wohlwollen der Saudis hat er sich mit seinem harten Kurs gegenüber Iran erarbeitet. Trump hat das Atomabkommen mit Teheran wiederholt als "schlechtesten Deal aller Zeiten" bezeichnet. Das Herrscherhaus in Riad sieht das ganz ähnlich. Da kommt es König Salman gerade recht, dass Trump genau zur iranischen Präsidentenwahl nach Saudi-Arabien reist.

Der Monarch nutzt die Gelegenheit, sich als Anführer der islamischen Welt aufzuspielen: Salman hat für den Sonntag die Vertreter von rund 50 islamischen Staaten zu einem Gipfeltreffen mit Trump eingeladen.

Der US-Präsident werde bei dem Termin eine "inspirierende Rede" über den Islam und religiösen Extremismus halten, kündigte sein Nationaler Sicherheitsberater H. R. McMaster an. Trump hatte im Wahlkampf nicht nur ein generelles Einreiseverbot für Muslime gefordert und dann als Präsident teilweise umgesetzt. Er hat auch behauptet, der Koran lehre "eine sehr negative Stimmung".

Trump will in Saudi-Arabien eine "inspirierende Rede" über den Islam halten

Deshalb ist nicht nur in der islamischen Welt die Skepsis groß, ob der US-Präsident die richtigen Worte finden wird. Allein der Ort der angekündigten Rede ist problematisch. Saudi-Arabien ist schließlich das islamische Land, das am wenigsten für religiöse Toleranz übrig hat. Schiiten und Christen können ihren Glauben hier nicht frei ausleben, die Rechtsprechung, die sich an der Scharia orientiert, unterscheidet sich kaum von der barbarischen Herrschaft der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS).

Und: Mit seiner Unterstützung für radikale Prediger und islamistische Milizen in aller Welt trägt das Königreich auch entscheidend dazu bei, dass sich dieses extremistische Gedankengut ausbreitet. Diese Probleme klar zu benennen, ohne die Gastgeber vor den Kopf zu stoßen, wäre für jeden US-Präsidenten eine gewaltige Herausforderung. Für Trump scheint sie schlicht zu groß.

Der neue US-Botschafter in Israel glaubt an einen "amazing trip"

Mindestens ebenso heikel ist seine zweite Auslandsstation. Von Saudi-Arabien aus reist Trump mit seinem rund 900-köpfigen Tross nämlich weiter nach Israel; es ist der erste - offizielle - Direktflug von Riad nach Tel Aviv in der Geschichte der Luftfahrt. Sein Emissär ist schon da: David Melech Friedman, der neue US-Botschafter in Israel. Er übergab am Dienstag Israels Staatspräsident Reuven Rivlin sein Beglaubigungsschreiben.

Nach seiner Ankunft in Tel Aviv war der Sohn eines Rabbiners direkt an die Klagemauer in Jerusalem gefahren, hatte dort zufällig Aerosmith-Sänger Steven Tyler getroffen und nach eigenen Angaben nicht nur für seine Familie gebetet, sondern auch für den US-Präsidenten. Friedman, der gerne in Jerusalem statt in Tel Aviv als Botschafter arbeiten würde und im israelischen Siedlungsbau kein Hindernis für den Frieden sieht, erklärte, die Visite seines Chefs werde ein "amazing trip".

Offiziell freut sich die israelische Regierung auf den Besuch des wichtigsten Verbündeten und verbreitet auf allen Social-Media-Kanälen PR-Konfetti. Hinter verschlossenen Türen dürften sich indes die Zweifel mehren, ob die Kurzvisite von Trump wirklich so "great" wird wie erhofft.

Da ist zum einen Trumps Plauderei mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow, dem er hochsensible Geheimdienstinformationen über den IS weitergab, die vom israelischen Geheimdienst stammen könnten. Zum anderen ist da das Reiseprogramm des US-Präsidenten selbst. Statt, wie geplant, auf der für Israel hochsymbolischen Festung Masada eine Grundsatzrede zu halten, wird Trump nur im Israel-Museum sprechen. Zudem soll sein Besuch in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem sehr kurz ausfallen - eine Viertelstunde ist bislang eingeplant.

Immerhin ein bisschen länger ist sein Abstecher nach Bethlehem, wo Trump den Chef der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmoud Abbas, treffen wird. Was den Palästinensern schon jetzt negativ auffällt: Im offiziellen Reiseplan des Weißen Hauses taucht der Termin im Westjordanland unter dem Programmpunkt "Israel" auf, so als gehöre das besetzte Gebiet zum jüdischen Staat.

Trumps Nahost-Politik bleibt ein Rätsel

Dort befürwortet man zwar Trumps harsche Iran-Rhetorik, aber ob er ihr auch Taten folgen lässt, ist weiterhin offen. Auch ist fraglich, wie der "ultimative Deal" für den Nahen Osten aussehen soll, den er immer wieder angekündigt hat. Will der US-Präsident für eine Ein-, Zwei- oder Dreistaatenlösung werben? Seine Haltung zum Israel-Palästina-Konflikt bleibt bis auf Weiteres ein Rätsel.

Klar ist bislang nur: Vorerst werden die USA ihre Botschaft nicht von Tel Aviv nach Jerusalem verlegen - obwohl Trump genau das versprochen hat. Israel hat die Stadt schon 1980 per Gesetz zur "vollständigen und vereinigten Hauptstadt" des Landes erklärt. Und auch der US-Kongress legte bereits 1995 fest, dass die Botschaft binnen vier Jahren nach Jerusalem verlegt werden solle. Aber das ist bis heute nicht geschehen - kein Präsident hat den sogenannten "Jerusalem Embassy Act" umgesetzt. Trump wird das vorerst auch nicht tun.

Stattdessen reist er am Dienstagnachmittag nach Europa weiter, Richtung Rom, zum Vatikan. Und damit aus Israel ab, ehe dort abends der "Jerusalem-Tag" beginnt, an dem dieses Jahr offiziell die Wiedervereinigung der Stadt im Sechs-Tage-Krieg vor 50 Jahren gefeiert wird. Auch dieser frühe Abflug ist ein Statement.


Zusammengefasst: Am Samstag trifft Donald Trump zum Auftakt seiner ersten Auslandsreise als US-Präsident in Saudi-Arabien ein. Dort soll er vor Vertretern aus mehr als 50 muslimischen Staaten eine Rede zum Islam halten. Außerdem wird der Konflikt mit Iran eine wichtige Rolle spielen. Das wird auch Thema während seiner zweiten Station in Israel sein. Die Regierung von Benjamin Netanyahu und der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas hoffen darauf, dass Trump seine Pläne für die Lösung des Nahostkonflikts konkretisiert.

insgesamt 50 Beiträge
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Tiananmen 20.05.2017
1. Es besteht Hoffnung
Es besteht die Hoffnung und die Wahrscheinlichkeit, dass Trump so ziemlich jede Station seiner Reise vermasselt (um einen jüdischen Begriff zu benutzen). Das könnte, so meine Hoffnung, das Tröpflein sein...Dass Trump quasi sofort von Bethlehem zum Vatikan fliegt hat übrigens damit zu tun, dass er glaubt, auf einem Inlandsflug des Vatikanstaates zu sein.
Actionscript 20.05.2017
2. Trump hat keine Politik.
Wer Trump zutraut, eine Strategie oder Politik zu verfolgen, der liegt falsch. Trump's Politik ist spontan, unüberlegt und simpel ausgerichtet. Saudi-Arabien macht Trump den Hof, hat Öl, kauft Waffen von den USA und erscheint, als ob sie gegen den IS kämpfen. Dabei kommen die meisten Al Quaida Terroristen von 9/11 aus Saudi-Ararabien. Und wie der Autor bemerkt, der Islam, wenn nicht sogar Islamismus, der in Saudi-Arabien herrscht, ist seht ähnlich dem des IS. Aber Trump hat da seine infantile Meinung, dass er den Teufel mit Belzebub austreiben kann, da er nicht annimmt, dass Saudi-Arabien der Belzebub ist, sondern ein "guter Deal". Was den Israel-Palästina Konflikt angeht, so glaubt er auch, dass er da mal eben ein "Machtwort" spricht und alle tun, was Pappi befiehlt. Es ist eben eine infantile Denkweise, obwohl ich Kindern fast mehr zutraue. Auf dem Weg zurück will er dem Vatikan einen Besuch abstatten. Dies entspricht mehr der Religion, die in den USA vorherrscht. Damit will er religiöse Wähler begeistern und zugleich einen guten Draht zum Papst wieder herstellen. Auch ist der Vatikan reich. Vielleicht fällt da ja der eine oder andere Deal ab. Na ja und dann kommt die Nato.
Pixopax 20.05.2017
3. Tremendous!
Es wird sicher ein grossartiges (tremendous) Treffen, sicher das beste Treffen, das allerbeste. Der Saudische Scheich ist danach ein toller Kerl und guter Freund. SA ein grossartiges Land mit tollen Führern. Trump wird wieder von sich sprechen, wieviele Zuschauer doch bei seiner Einführung da waren, die meisten, und dass er der erste Präsident ist der dies und das gemacht hat und am besten dies und das gemacht hat. Er wird nicht erwähnen, das SA das wohl strengstreligiöseste Land ist, wo Sklaven gehalten werden und jegliche nichtislamisches Leben schwer bestraft wird. Dass sie ihren Staatsextremismus in die Welt schicken durch Imame die im Ausland in von ihnen bezahlte Moscheen den Wahabismus predigen, wo bei ihnen zuhause der Besitz einer Bibel mit dem Tod durch das Schwert bestraft wird. Really tremendous your support for this extremist muslim country!
frankfurtbeat 20.05.2017
4. grundsätzlich ...
grundsätzlich fände ich es gut wenn Donald den Saudis versehentlich zu sehr die Realität aufzeigt. Aus persönlicher Sicht gehört dieses Land mit zu den Verursachern des radikalen Islams - das muss ausgesprochen und entsprechende Konsequenzen aufgezeigt werden. Statt dessen macht man Bombengeschäfte und shakehands ...
post.scriptum 20.05.2017
5. Es wird immer enger
Mittlerweile schwant einem nichts Gutes, egal was Trump macht. Ein Befreiungsschlag kann diese Reise für ihn nicht werden, da die Probleme zuhause überhand nehmen. Es stellt sich immer mehr heraus, dass aus einem erfolgreichen und gewieften Geschäftsmann nicht zwangsläufig auch ein passabler (mehr ist ohnehin nicht mehr drin) Politiker wird. Es bleibt zu hoffen, dass Trump auf seiner Reise nicht zu viele Tweets absetzt.
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