Trump in Tokio Geeint durch Gefahr

Zum Auftakt seiner ersten Asienreise spielte US-Präsident Trump Golf mit Japans Premier Abe, aß Fleischspezialitäten und gab sich betont locker. Doch ein Thema trübte die Stimmung: der Atomkonflikt mit Nordkorea.

Trump und Abe
FRANCK ROBICHON/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Trump und Abe

Aus Tokio berichtet


Donald Trump ist bester Laune. Kurz vor der Landung in Tokio bequemt er sich in der Air Force One in die Pressekabine, um "Hallo zu sagen". Er wirkt aufgekratzt, beinahe fröhlich, denn er hat bereits beschlossen, dass diese Reise "wirklich toll" und "sehr positiv" sei. Ach was: "Sehr historisch!"

Noch bevor die Maschine japanischen Boden erreicht hat, liefert Trump die nächste Schlagzeile. Es geht um Wladimir Putin: "Es wird erwartet, dass wir uns mit Putin treffen, yeah", bestätigt Trump, was bisher nur ein Gerücht war. "Wir wollen Putins Hilfe in der Nordkorea-Frage."

Dass er damit die restlichen Gesprächspartner seines Mammuttrips - zwölf Tage, fünf Staaten, fünf Staatschefs, ein Kaiser - ein bisschen zu zweiten Geigen degradiert, dürfte ihm egal sein. Donald Trump und Wladimir Putin, das ist schließlich eine spezielle Männerfreundschaft, die alles und alle überstrahlt.

Das dürfte auch eine Erklärung dafür sein, weshalb Trump hier so gelöst scheint, gut 11.000 Kilometer von Washington entfernt. Fern von den Problemen daheim, von den Russland-Ermittlungen, vom wenig handlungsfähigen Kongress, von der schlechten Presse und den noch schlechteren Umfragen.

Doch viele Probleme bleiben, einige von ihnen sind der Hauptgrund dieser Mini-Weltreise. Insbesondere der Atomkonflikt mit Nordkorea, der hier ja eine viel unmittelbarere Wirkung hat.

Der Konflikt ist stets präsent. Das beginnt bereits bei der Ankunft. Der Präsidentenjumbo landet nicht auf einem der beiden Zivilflughäfen Tokios, sondern auf der Yokota Air Base westlich der Zehn-Millionen-Stadt. Der amerikanische Luftwaffenstützpunkt spielt in den US-asiatischen Beziehungen eine besondere Rolle: Nach dem Tsunami 2011 war er die Schaltzentrale für die "Operation Tomodachi" - dem größten humanitären Einsatz in der Nachkriegsgeschichte des US-Militärs.

Donald Trump nach einer Ansprache vor US-Soldaten
AFP

Donald Trump nach einer Ansprache vor US-Soldaten

In einem sonnendurchfluteten Hangar bejubeln 2000 Soldaten ihren Commander-in-Chief: "USA! USA!" Ein Colonel schenkt ihm eine fabrikneue Bomberjacke mit dem Emblem der Pacific Air Forces. "Soll ich die anziehen?", fragt der ungediente Trump und zwingt sich in das steife Lederstück. "Gefällt mir."

Loblied auf Stärke des US-Militärs

In einer patriotisch überhöhten Ansprache preist Trump vor allem die Macht des US-Militärs, "der furchterregendsten Streitkraft in der Geschichte der Welt", die keiner "unterschätzen" solle: "Wir dominieren den Himmel, wir dominieren das Meer, wir dominieren das Land und das Weltall!"

Das richtet sich in erster Linie an Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un, auch wenn Trump dessen Namen nicht nennt - stattdessen spricht er von "Tyrannen und Diktatoren, die Unschuldige ausplündern". So mildert er zwar seine Kriegsrhetorik ab, als er das Manuskript vom Teleprompter fast wortgetreu abliest. Das ist aber kaum genug, um die Region zu beruhigen, die angesichts des Säbelrasselns der letzten Monate besorgt ist - auch über die jüngsten US-Luftübungen über Südkorea.

Der Truppenbesuch elektrisiert Trump, er gibt Autogramme, schüttelt viele Hände und fliegt dann direkt weiter zum Kasumigaseki Country Club. Ministerpräsident Shinzo Abe hat ihn dort zum Mittagsessen und einer Partie Golf eingeladen, Revanche für ihre ersten Runden in Florida. Die historische Anlage, die erst seit März Frauen zulässt, ist im Vergleich zu Trumps Klub Mar-a-Lago ein Hort der Eleganz. Doch Abe weiß, was Trump liebt, und hat Golfmützen mitgebracht: "Donald and Shinzo Make Alliance Even Greater".

Im Konflikt mit Pjöngjang braucht Trump Japan

Die Runde Golf soll Trump auflockern und die "wunderbaren Beziehungen zwischen unseren Ländern" festigen. "Sie fühlten sich miteinander wohl", vermeldet eine Trump-Beraterin anschließend. Doch Abe spricht Trump in kleinem Kreis wohl auch auf seine Wortgefechte mit Pjöngjang an, die die Zahl der Handlungsoptionen verringert haben.

Wenn Nordkorea eine Rakete testet, heulen in Tokio oft die Sirenen. Das ist fast Alltag hier. Doch vom Alltag Japans sieht Trump so wenig wie die Japaner von ihm, getrennt durch fast 21.000 Polizisten, die im Einsatz sind. Er sieht nicht, dass im Hibiya Park die Senioren Aquarelle malen, dass auf der Terrasse des Restaurants Hoboyasaroh eine Hochzeit stattfindet, dass am Yasukuni-Schrein die Kinder zum Shichi-go-san-Fest Kimonos tragen. Tokios Alltag geht weiter, trotz Nordkorea, trotz Trump.

Der verbringt den Tag meist außerhalb der Stadt, erst später kommt er ins Zentrum, für ein Nickerchen und für das Dinner. Abe bittet ins Ukai-Tei, einen VIP-Lokal im Shoppingviertel Ginza, bekannt für Grillspezialitäten wie Wagyu-Beef. "Weil Trump Steak liebt", so ein japanischer Beamter. Anders als Barack Obama, den Abe ins Sukiyabashi Jiro ausführte, wo es das weltbeste Sushi gibt.

"Wir mögen uns", sagt Trump dann sicherheitshalber auch noch mal, bevor sie sich vor Zelkovenholz zum Essen setzen. "Ich glaube nicht, dass wir Japan je näher waren." Eine typische Übertreibung, aber auch eine spürbare Abkehr vom üblichen Gepolter.

Video-Analyse zu Trump in Tokio: "11.000 Kilometer entfernt von seinen Sorgen"

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Denn wenn Trump eine "geschlossene Front" gegen Nordkorea schmieden will, dann braucht er Abe, den ein japanischer TV-Kommentator gerade erst als "Trainer wilder Tiere" bezeichnet hat. Ein Trump-Berater formuliert das etwas diplomatischer: "Japan ist der Eckpfeiler für Sicherheit und Stabilität in der Region."

Immobilienmogul trifft Kaiser

Am Montag geht's weiter, in kleinem und großen Kreis und auch mit Konzernchefs aus beiden Länder, denn Trumps anderes Lieblingsthema ist der Handel - "freier, fairer und gegenseitiger Handel", wie er es so gerne durchdekliniert. Protokollarischer Höhepunkt des Besuchs wird eine Audienz beim Kaiser Akihito sein. Als sich Obama 2009 vor ihm verbeugte, sahen die US-Konservativen darin fast Volksverrat. Jetzt kann man nur gespannt sein.

Doch mehr noch fürchtet Trumps Team, dass er sich durch eine neuerliche Provokation Kims, einen Raketentest etwa, aus der wohlchoreografierten Ruhe bringen lässt - genau das passierte nämlich, als Abe zu Besuch bei Trump war. Die Bilder des hektisch tagenden US-Sicherheitsteams vor den gaffenden Gästen auf der Terrasse von Mar-a-Lago, lösten weitere diplomatische Verwicklungen aus.

Doch an diesem Abend bleibt es ruhig - vorerst.



insgesamt 5 Beiträge
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willibaldus 05.11.2017
1.
Gerade habe ich eine Reportage im Glotzofon bewundert, wo sich diverse Koreaner und Japaner dahingehend äusserten, dass sie in dem ganzen Nordkorea Getöse eine Vorbereitung für eine Verkaufsshow von US Militärtechnik sehen. Ich muss sagen, das passt eigentlich ganz hervorragend zu Trump und wie er die Welt sieht. Warum bin ich nicht darauf gekommen?
Valis 06.11.2017
2. @willibaldos
Das ist typisch...."passt zu Trump" Nein! Würd zu Amerika passen. Auch zu einem Obama geführten Amerika. Auch da wurde der Waffenexport an Leute die keine Waffe haben sollten nicht eingeschränkt. Trump wird mittlerweile für alles verantwortlich gemacht wofür die USA insgeheim schon seit Jahren steht. Lasst den Mann doch mal da raus der nicht einmal seit ein Jahr regiert.
PietH 06.11.2017
3. liegt es an den medien?
solche Bilder von zwei Kindsköppen, die ihr selbst signierten Käppies in die Kamera halten, machen mich fassungslos! Zugegeben sieht der Japaner nicht glücklich aus- aber sie machen alle dieses Kinderspielchen mit. Ist das eine Meldung wert? Mich nervt es nur noch, mich erschrecken auch die Journalisten -die nicht mehr darüber nachdenken (können?) was ihre Aufgabe ist in diesem Spielchen. "Des Kaisers neue Kleider" - sollte doch jeder kennen. Auch wenn es hier indirekt läuft . Halt Weltnachrichten, Klickzahlen usw. Bringt so ein Mist die Menschen weiter? So ein Typ wie Trump existiert nur, weil "Medien" ihn brauchen. Das alles hat nichts mit gewünschter Wissensbildung zu tun - nur blöde gesteuerte Sitationsdokumentation ohne Hintergund, nichts mehr
ph.latundan 06.11.2017
4. Im Konflikt mit Pjöngjang braucht Trump Japan
das ist so nicht richtig. es ist wohl ehr so das japan die usa brauchen und in der vergangenheit immer gebraucht hat. japan kann sich mit der derzeitigen verfassung wohl kaum selbst verteidigen. nordkorea ist in jeder beziehung sehr aggressiv und die chinesen auch. man (japan) wird seine verfassung aendern muessen und selbst atomwaffen entwickeln. ausserdem waere eine militaerallianz mit suedkorea von vorteil. nordkorea wird nicht nachgeben. in keinster weise. und nur eine japanische atombombe koennte die chinesen veranlassen nordkorea an die leine zu legen.
mwroer 06.11.2017
5.
Zitat von ph.latundandas ist so nicht richtig. es ist wohl ehr so das japan die usa brauchen und in der vergangenheit immer gebraucht hat. japan kann sich mit der derzeitigen verfassung wohl kaum selbst verteidigen. nordkorea ist in jeder beziehung sehr aggressiv und die chinesen auch. man (japan) wird seine verfassung aendern muessen und selbst atomwaffen entwickeln. ausserdem waere eine militaerallianz mit suedkorea von vorteil. nordkorea wird nicht nachgeben. in keinster weise. und nur eine japanische atombombe koennte die chinesen veranlassen nordkorea an die leine zu legen.
Die Chinesen auch ... ? So so. Die 2 jüngeren japanisch - chinesischen Kriege hat nun allerdings Japan angefangen, nicht China, incl. des ersten dokumentierten Flächenbombardements gegen Zivilisten. Korea hat man übrigens auch angegriffen. Also wer der Aggressor in der Region ist lasse ich mal offen und warum Sie gerade diesem Aggressor auch noch Atomwaffen in die Hand geben wollen auch. Ich dachte das Ziel sei dass eben nicht jedes Land solche besitzt? Oder gilt das nur für Staaten die eine eigene Politik verfolgen und nicht nach unserer Pfeife tanzen?
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