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29. Juni 2019, 01:34 Uhr

Außenpolitik via Twitter

Trump bietet Kim Spontantreffen am Sonntag an

Mal eben schnell "Hallo sagen"? Donald Trump hat sich via Twitter an Nordkoreas Machthaber gewandt - und ihm vorgeschlagen, sich bereits am Sonntag zum Händeschütteln an der innerkoreanischen Grenze zu treffen.

US-Präsident Donald Trump hat ein Überraschungstreffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un an der innerkoreanischen Grenze an diesem Sonntag ins Spiel gebracht. Er werde den G20-Gipfel in Osaka gemeinsam mit Südkoreas Präsident Moon Jae In in Richtung Seoul verlassen, schrieb Trump am Samstag auf Twitter. "Während ich da bin, falls Vorsitzender Kim von Nordkorea dies sieht, ich würde ihn an der Grenze/entmilitarisierten Zone treffen, einfach, um ihm die Hand zu schütteln und Hallo zu sagen(?)!"

Es hatte Spekulationen über ein mögliches Treffen der beiden Politiker gegeben, die sich zuvor bereits in Singapur und Hanoi zu Gipfeltreffen begegnet sind. Sowohl das Weiße Haus als auch Trump selbst hatten Planungen für ein Treffen an der Grenze jedoch dementiert.

Zwei-Minuten-Treffen mit Kim?

"Ich habe nur mal einen Fühler ausgestreckt", sagte Trump kurz nach seinem Tweet. Er wisse gar nicht, ob Kim derzeit überhaupt in Nordkorea sei. "Wenn er da ist, werden wir uns für zwei Minuten sehen", sagte Trump. "Das ist alles, was wir tun können."

Der US-Präsident verteidigte erneut sein "gutes Verhältnis" zu dem Machthaber Nordkoreas. Es sei eine gute Sache, miteinander auszukommen. Es hätte mit Sicherheit Krieg gegeben, wenn nicht er als US-Präsident die Initiative ergriffen und Gespräche in Gang gebracht hätte, sagte Trump.

Vor Trumps Tweet hatte US-Sonderbotschafter Stephen Biegun gesagt, sein Land sei bereit zu konstruktiven Gesprächen mit Nordkorea über atomare Abrüstung. Eine Reaktion aus Nordkorea auf Trumps Vorschlag ist bisher nicht bekannt.

Bereits bekannt war hingegen, dass Trump nach dem G20-Gipfel nach Südkorea weiterreisen wollte um mit Moon unter anderem über das weitere Vorgehen im Atomstreit mit Nordkorea zu beraten. Moon hatte jüngst in einem Interview gesagt, die USA und Nordkorea redeten hinter den Kulissen über ein weiteres bilaterales Gipfeltreffen.

Bei einem historischen ersten Treffen zwischen Trump und Kim im Juni 2018 in Singapur hatte Nordkorea grundsätzlich einer Denuklearisierung zugestimmt. Konkrete Schritte wurden damals aber nicht vereinbart. Vor vier Monaten war dann der zweite Gipfel zwischen Trump und Kim gescheitert: Das Treffen in Vietnams Hauptstadt Hanoi endete damals vorzeitig und ohne Ergebnis. Die Verhandlungen über Pjöngjangs Atomprogramm sind seitdem nicht vorangekommen.

Die beiden Politiker sollen sich aber regelmäßig ausgetauscht haben: Kürzlich war bekannt geworden, dass sich beide seit Anfang 2018 insgesamt zwölf Briefe geschickt haben sollen.

"Das nennt man eine echte Grenze"

Trump brachte nun am Samstag auch seine Bewunderung für die Grenzanlagen an der innerkoreanischen Grenze zum Ausdruck. "Wenn wir über eine Mauer sprechen, wenn wir über eine Grenze sprechen: Das nennt man eine Grenze", sagte er mit Blick auf die 248 Kilometer lange Demarkationslinie zwischen den beiden koreanischen Staaten, die mit Stacheldraht und technischen Überwachungsanlagen extrem strikt gesichert ist. "Niemand geht über diese Grenze. Das nennt man eine echte Grenze."

Trump nahm offenbar Bezug auf die zahlreichen Grenzübertritte an der US-Südgrenze zu Mexiko, die er gerne durch eine Mauer sichern möchte.

aar/dpa/AFP

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