Donald Trumps Berater-Karussell Strippenzieherin und Straßenkämpfer

Trump wagt den Neustart: Erneut hat der Präsidentschaftskandidat sein Wahlkampfteam umgekrempelt. Das sind die Strippenzieher, die Trumps trudelnde Kampagne retten sollen.

Katrina Pierson
AP

Katrina Pierson

Von , New York


Stephen Bannon hat einen schillernden Lebenslauf. Er war Marineoffizier und Investmentbanker, produzierte Hollywoodfilme und TV-Shows ("Seinfeld"). Mit schamlosen Kino-Hagiografien über Ronald Reagan und Sarah Palin und seit 2012 als Chef der immer rechtslastigeren Website "Breitbart" verschaffte er sich schließlich Zugang zum innersten Machtzirkel der US-Konservativen.

Und dort ist Bannon, 60, nun ganz nach oben aufgestiegen: Am Mittwoch ernannte Donald Trump ihn zum CEO seines Wahlkampfteams - obwohl Bannon nicht die geringste Wahlkampferfahrung hat. Zugleich beförderte Trump Top-Strategin Kellyanne Conway zu seiner neuen Wahlkampfmanagerin. Das Duo löst den kontroversen Paul Manafort ab, der auf dem Papier "Chairman" bleibt, aber diskret ins Abseits degradiert wurde.

Damit distanziert sich Trump von Manafort, der in einen internationalen Schwarzgeld-Skandal verstrickt ist und fast 13 Millionen Dollar von prorussischen Kräften kassiert haben soll. Vor allem aber will Trump seine trudelnde Kampagne retten, indem er sich, zum zweiten Mal in zwei Monaten, einem neuen Führungskader anvertraut - zumal in den ersten Bundesstaaten bereits ab Ende September vorzeitig gewählt werden kann.

Die Zeichen stehen auf Angriff

Neuer Kader, alter Drill: Bannon, der "gefährlichste Politik-Strippenzieher Amerikas" (Bloomberg), steht für "Trump pur" - unzensiert, ungeniert, unverschämt. Der frühere Trump-Wahlkampfchef Corey Lewandowki, der jetzt für CNN arbeitet, lobte Bannon als politischen "Straßenkämpfer". Manaforts Versuche, Trumps Temperament mit Telepromptern und "Grundsatzreden" zu kaschieren, seine täglichen Tiraden einzudämmen und ihn zum konventionellen Politiker zu trimmen, sind somit offiziell passé.

Stattdessen: Angriff auf voller Breitseite. Was das heißt, zeigt ein Blick auf Bannons "Breitbart"-Linie: Die Website propagiert, wie die Watchdog-Gruppe Southern Poverty Law Center (SPLC) in einem "Hatewatch"-Bericht schrieb, "rassistische Ideen" und Verschwörungstheorien gegen Minderheiten - eine perfekte Reflexion des Weltbilds, für das Trumps Kandidatur steht.

Der Umbau an der Spitze vertuscht, dass in seinem Wahlkampfteam die meisten solche Ideologien seit jeher teilen. Viele Namen sind der breiten Öffentlichkeit kein Begriff, doch gut bekannt in der rechten Szene. Wer steckt wirklich hinter Trump?

insgesamt 119 Beiträge
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Ungläubig blick 18.08.2016
1. Handlungsfähigkeit
Er zeigt damit nur wie handlungsfähig er ist, dass er etwas umkrempeln und verändern will und das er keine Pöstchen verteilt sondern das er in der jeweiligen Situation die Leute holt die er braucht.
Winniethepuuh 18.08.2016
2. Trump hat Recht
wenn er der CIA und den Medien misstraut, zumal sich die Medien lesen, als wären sie von der CIA - dem Machtinstrument des Establishments - vorformuliert.
morgeneyer 18.08.2016
3. Ungeschickte Referenzen
Der Spiegel Online schreibt ueber die Breitbart-Webseite: >>Sie propagiert, wie die Watchdog-Gruppe Southern Poverty Law Center (SPLC) in einem "Hatewatch"-Bericht schrieb, "rassistische Ideen" und Verschwörungstheorien gegen Minderheiten>Summary: The Southern Poverty Law Center began with an admirable purpose but long ago transformed into a machine for raising money and launching left-wing political attacks. Lately it's become more of a threat to free speech and civil debate than a defender of the weak or a foe of violent extremism. It has also taken in millions from the Picower Foundation, whose own funds came largely from founder Jeffry Picower's "investing" in his old friend Bernie Madoff's Ponzi scheme.
dixi 18.08.2016
4. Liebe SPON-Redaktion
Ok, niemand kann Trump wirklich wollen. Trotzdem gefällt mir der abwertende Unterton der Personenbeschreibungen überhaupt nicht. Ich möchte selbst entscheiden wen ich mag. Als mündiger Bürger sollte ich dazu in der Lage sein.
gegenpressing 18.08.2016
5.
Moment mal, ich dachte Trump wäre in den echten Umfragen weit vorn! Das haben hier zumindest die Trump, Putin und AfD Fans erzählt! Wieso tauscht er jetzt das Wahlkampfeam wieder aus? Oder war am Ende doch wieder mal alles nur erstunken und erlogen von unseren Nationalkonservativen Forenteilnehmern? Ist ja auch deren übliche Masche.
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