Nach Trump-Tweet Hat eine US-Abgeordnete den 11. September verharmlost?

Eigentlich hielt die US-Abgeordnete Ilhan Omar eine Rede über den Hass auf Muslime. Eine Formulierung sorgte jedoch für Wut bei Konservativen - und einen Tweet Donald Trumps.

Die Abgeordnete Ilhan Omar
Brian Snyder/ REUTERS

Die Abgeordnete Ilhan Omar


"Einige Menschen haben etwas getan" - dieser einzelne Satz aus einer Rede der Demokratin Ilhan Omar ist in einem Video auf dem Twitteraccount von Donald Trump zu sehen. Darauf folgen Bilder von den Anschlägen auf das World Trade Center am 11. September 2001, begleitet von dramatischer Musik. Über dem Post prangt der Satz "Wir werden niemals vergessen" in Großbuchstaben.

Der Vorwurf des US-Präsidenten wird schnell klar: Die Abgeordnete, die gemeinsam mit Rashida Tlaib als erste muslimische Frau ins US-Repräsentantenhaus eingezogen ist, verharmlost die Terroranschläge vom 11. September. Der Tweet löste in den USA eine Kontroverse aus - denn der Satz der Abgeordneten wurde aus dem Zusammenhang gerissen.

Rede handelte von der Situation der Muslime in den USA

Eigentlich handelte die Rede, aus der der Ausschnitt stammt, von der Situation der Muslime in den USA seit den Terroranschlägen im Jahr 2001. Ilhan Omar hatte sie bereits am 23. März gehalten. "Wir haben viel zu lange mit dem Unbehagen gelebt, Bürger zweiter Klasse zu sein", erklärte die Abgeordnete bei einer Veranstaltung der Bürgerrechtsorganisation "Council on American-Islamic Relations" (CAIR).

Jeder Muslim im Land solle das leid sein, so Omar weiter. Darauf folgte die Passage, die auch im Video auf Twitter zu sehen ist - dort ist sie allerdings deutlich gekürzt. "CAIR wurde nach dem 11. September gegründet, da sie (CAIR, Anm. d. Red.) erkannt haben, dass einige Leute etwas getan haben und dass wir alle begannen, den Zugang zu unseren Bürgerrechten zu verlieren."

Terroranschlag wurde nicht verharmlost

Es ging also nicht darum, den Terroranschlag zu verharmlosen, sondern darum, dass US-amerikanische Muslime sich wegen der Taten Einzelner unter Generalverdacht fühlten und deshalb mehr tun wollten, um ihre Bürgerrechte zu schützen. Die Rede Omars wurde zwar übertragen, erregte jedoch zunächst keine größere Aufmerksamkeit.

Erst als der republikanische Abgeordnete Dan Crenshaw aus Texas den Ausschnitt der Rede bei 9. April auf Twitter teilte, berichteten konservative Medien wie der Fernsehsender Fox News darüber. Ronna McDaniel, die Vorsitzende der Parteiorganisation der Republikaner, bezeichnete Omar als "antiamerikanisch".

Die Zeitung "New York Post" brachte auf der Titelseite ein Foto des brennenden World Trade Center mit der Schlagzeile "Hier ist dein Etwas". Ilhan Omar zog ihre Aussage jedoch nicht zurück, sondern verglich sie drei Tage später, am 12. April, mit einem Zitat des ehemaligen Präsidenten George W. Bush: "Die Menschen - und die Menschen, die diese Gebäude zerstört haben, werden von uns allen schon bald hören". Und fragte, ob Bush damit ebenfalls den Terroranschlag verharmlost habe - und was denn wäre, wenn er ein Muslim wäre.

Demokraten werfen Trump vor, Hass zu verbreiten

Kurz darauf twitterte US-Präsident Trump das Video, führende Demokraten warfen ihm daraufhin vor, Hass zu schüren. "Man kann ihren Worten widersprechen - wie ich es bereits getan habe - aber dieses Video ist falsch", erklärte beispielsweise Amy Klobuchar, Senatorin aus dem US-Bundesstaat Minnesota.

Beto O'Rourke, der wie Klobuchar bei der Präsidentschaftswahl im Jahr 2020 für die Demokraten antreten will, bezeichnete den Tweet des Präsidenten als Aufruf zur Gewalt gegen Omar und andere Muslime in den USA. Auch viele Nutzer der sozialen Medien unterstützten Ilhan Omar gegen die Anfeindungen des US-Präsidenten, das Hashtag #IStandWithIlhan wurde auf Twitter am Freitag zu einem weltweiten Trend.

ene/AP

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