Trump, Nordkorea und Virginia Der Krisenmacher

Atomkonflikt mit Nordkorea, Rechtsextreme in Virginia - eine internationale, eine nationale Krise. Sie offenbaren die große Schwäche des US-Präsidenten: Donald Trump kann keine Konflikte entschärfen. Er kann nur das Gegenteil.

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Wir erleben dieser Tage einen Realitätstest für den US-Präsidenten. Donald Trump muss derzeit auf zwei externe Krisen reagieren: auf die internationale Krise rund um den Atomstreit mit Nordkorea sowie die nationale Krise nach dem Aufmarsch Rechtsextremer in Virginia.

Trumps Agieren in beiden Krisen ist: desaströs.

Der Mann im Weißen Haus eskaliert, wo er nur kann. Er befeuert Konflikte, statt sie einzudämmen.

US-Präsidenten waren und sind ja stets mehr als nur US-Präsidenten. Sie sind internationale Anführer. Sie können weltweit Konflikte befrieden, Menschenleben retten, dem gemeinsamen Fortkommen der Völker dienen.

Oder in all dem das Gegenteil bewirken.

Bei Trump deutet nach sieben Monaten im Amt nicht allzu viel auf die erste Variante hin. Der 71-Jährige hat weder eine internationale noch eine nationale Agenda. Seine Agenda ist allein das Ich.

Wer aber als US-Präsident die Welt jenseits des eigenen Ich nicht wahrnehmen will oder kann, der gefährdet den Frieden. Im Landesinneren sowie jenseits seiner Grenzen.

Beispiel Nordkorea: Statt das Drohtheater zu ignorieren, eine effektive Allianz mit China zu schmieden und sich für den Fall der Fälle militärisch zu wappnen, geht Trump in den rhetorischen Nahkampf. Das ist die Taktik dicke Hose, Provokation wird mit Provokation beantwortet.

Trump verprellt damit nicht nur China. Er liefert Kim Jong Un zudem den effizientesten Leim für dessen Hungerdiktatur: Drohungen von außen, am besten amerikanische Drohungen. Der US-Präsident hat aus einem Konflikt eine internationale Krise gemacht.

Im Video: Trumps rhetorischer Nahkampf

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Charlottesville: Gewalteskalation bei ultrarechtem Aufmarsch

Beispiel Virginia: Die Rassisten und Neonazis, die am Wochenende in Charlottesville wüteten, gehören zur treuen Anhängerschaft des Präsidenten Trump. Sein Wahlsieg, seine America-First-Sprüche lassen diese Leute Morgenluft wittern.

Dass Trump selbst bis heute nicht den Mumm hat, den Terror von Charlottesville als Terror zu bezeichnen und diese Rassisten Rassisten zu nennen, das wird von ihnen logischerweise als Unterstützung gewertet. Auf einer Propaganda-Seite der Neonazis hieß es, Trumps Anmerkungen seien gut gewesen: "Er hat uns nicht angegriffen."

Die Rechtsextremen vereinnahmen Trump und Trump lässt sich vereinnahmen.

Damit spaltet er die Einwanderernation Amerika, befeuert die Krise. Wenn Trump die Renaissance der Ultrarechten nicht einzudämmen vermag oder eindämmen will, könnte Charlottesville kein Einzelfall bleiben.

Auch hier gilt wie im Falle Nordkoreas: Trump hat als Präsident die Macht, Krisen zu entschärfen - oder zu befeuern.

Bisher hat er sich allein als Krisenmacher betätigt.

Im Video: Ausschreitungen in Charlottesville und ein schweigender Präsident

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aschie 14.08.2017
1. Absicht
Das ist keine unfähigkeit.Das ist volle absicht.Ds ihr das immer noch nicht kapiert. Der Guardian hat da etwas mehr dudrchblick.
crazy_swayze 14.08.2017
2.
Im Falle Nordkoreas muss man jedoch sagen, dass eine Eskalation längst überfällig war. Nordkorea testet mit Langstreckenraketen aus, wie weit sie gehen können, und bisher hat sie niemand effektiv in die Schranken weisen können. Sollte Trump das vollbringen, dann ist ihm nur zu gratulieren. Nordkorea wird spuren müssen, auch weil Trump Druck auf die Chinesen ausübt.
GoaSkin 14.08.2017
3.
Die Amerikaner haben ein Zweiparteien-System und mussten sich zwischen Pest und Cholera entscheiden und haben aus dem selben Grund nun nicht so recht den Mut, Trump aus dem Amt zu jagen. Dies zeigt, dass die wahre amerikanische Schwäche das Zweiparteien-System als Solches ist. Den Leuten fehlt der Wille und der Mut, neue politische Kräfte als Alternative zu den beiden Parteien zu etablieren. Möchte man weder Trump, noch Clinton wählen und Alternativen gibt es nicht? Dann müsste man diese machen, aber man tut es nicht.
letitbe 14.08.2017
4. Egomane
Die größte Gefahr für Trump ist leider Trump selbst. Er scheint völlig planlos sein hier und jetzt zu leben und außer sich am Tellerrand nichts zu bemerken. Er kennt keinen Freund und wer nicht für ihn ist, ist sein Feind. Ein roter Faden ist nicht zu bemerken, er erzeugt Chaos und will, dass es sich von selbst auflöst. Er muss gestoppt werden, bevor er die ganze Welt ins Chaos stürzt!
oeflinger 14.08.2017
5.
Zitat von crazy_swayzeIm Falle Nordkoreas muss man jedoch sagen, dass eine Eskalation längst überfällig war. Nordkorea testet mit Langstreckenraketen aus, wie weit sie gehen können, und bisher hat sie niemand effektiv in die Schranken weisen können. Sollte Trump das vollbringen, dann ist ihm nur zu gratulieren. Nordkorea wird spuren müssen, auch weil Trump Druck auf die Chinesen ausübt.
Wie macht DJ Dumb denn bitteschnen Druck auf die Chinesen? In dem er genauso auf die Provokation Kims reagiert, wie dieser sich das gewuenscht hatte und nun mit einem von DJ Dumb angedrohter Atomkrieg als Handpfand mit gestählter Brust in jegliche Verhandlung mit anderen Ländern gehen kann?
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