US-Präsident Die vier fiesen Tricks des Donald Trump

Donald Trump ist eitel und impulsiv - aber auch berechnend. In fast jedem Konflikt folgt der US-Präsident einer Reihe von Verhaltensmustern, die er sich in seiner Zeit als Geschäftsmann antrainiert hat.
Donald Trump

Donald Trump

Foto: BRENDAN SMIALOWSKI/ AFP

Er droht mit Krieg gegen Nordkorea, er beleidigt den wichtigen Senator Bob Corker, er demütigt seinen eigenen Außenminister: Donald Trump stiftet als US-Präsident reichlich Unruhe und verunsichert Freund und Feind.

Warum nur? Natürlich ist Trump eitel und impulsiv. Manch einer zweifelt sogar an Trumps geistiger Zurechnungsfähigkeit. Trump ist aber eben auch eiskalt berechnend.

Je länger Trump im Amt ist, desto deutlicher wird, dass er als Präsident Taktiken und Verhaltensmuster übernimmt, die er sich in seiner Zeit als Immobilientycoon angeeignet hat. Sie sind nur begrenzt auf die Politik übertragbar. Aber Trump glaubt offenbar fest daran, dass er damit auch im Weißen Haus zum Erfolg kommen kann.

Konkret wendet Trump vier Taktiken an:

1. Das Verwirrspiel: Seit seiner Zeit als Immobilientycoon glaubt Trump, dass sich Verhandlungspartner oder Gegner durch eine Mischung aus widersprüchlichen Aussagen, Drohungen und starken Sprüchen irritieren und einschüchtern lassen. Im Konflikt mit Nordkorea macht er immer neue Andeutungen über eine möglicherweise kurz bevorstehende US-Attacke. "Vielleicht ist das die Ruhe vor dem Sturm", orakelte er bei einem Treffen mit Militärs. Am Wochenende twitterte er, im Fall von Nordkorea helfe jetzt nur noch "eine" Sache - seitdem rätselt Amerika, ob ein Krieg unmittelbar bevorsteht oder ob Trump nur blufft.

Es ist eine klassische Trump-Taktik: Offenkundig versucht er, Diktator Kim Jong Un zu verunsichern. Der Koreaner soll annehmen, dass Trump vielleicht doch entschlossen genug wäre, ihn anzugreifen. So soll er zu Zugeständnissen am Verhandlungstisch bewegt werden. Die Erfolgsaussichten? Eher schlecht. Bislang lässt sich Pjöngjang von Trumps Sprüchen nicht beeindrucken. Trump manövriert die USA nur immer weiter in eine Situation, in der ein Krieg wahrscheinlicher wird, weil er seine eigenen Drohungen irgendwann wahr machen könnte.

2. Die wilde Rache: Wer nicht für Trump ist, der ist sein Feind. Wer sich gegen ihn wendet, wird voller Rachsucht verfolgt und attackiert. So will Trump mögliche Nachahmer abschrecken. Als Geschäftsmann verklagte er reihenweise Konkurrenten oder verteufelte sie in der Boulevardpresse. Im Wahlkampf ging er auf Hillary Clinton und liberale Medien los. Nun bekommen verstärkt kritische Parteifreunde seine Rachsucht zu spüren.

Bob Corker, Senator aus Tennessee, war einst Trumps Verbündeter. Seit einiger Zeit schon kritisiert er Trump jedoch regelmäßig. Deshalb beleidigt Trump ihn nun via Twitter, behauptet, Corker habe um Trumps Unterstützung für seine Wiederwahl "gebettelt". Corker hält dagegen, bezichtigt Trump der Lüge und wirft ihm vor, er könnte wegen Nordkorea "einen Dritten Weltkrieg" auslösen. Das Problem für Trump: Corker ist unter den republikanischen Senatoren angesehen und einflussreich. Gemeinsam mit anderen Senatoren, die gegen Trump sind, könnte er wichtige Gesetzesvorhaben von Trump im Kongress torpedieren.

3. Die gezielte Demütigung: Ähnlich wie in seinem Unternehmen erwartet Trump nun auch als Präsident von Ministern, Parteifreunden und Mitarbeitern einhundertprozentige Loyalität und Unterordnung. Er sieht sich als klassischer Patriarch, dem alle zu folgen haben. Wer für Trump arbeitet, muss jederzeit damit rechnen, von ihm öffentlich gedemütigt zu werden - so will Trump klar die Hackordnung in seinem Clan sicherstellen.

Außenminister Rex Tillerson war jahrelang CEO des Öl-Multis ExxonMobil, er ist selbstbewusst und gut vernetzt. Völlig überraschend wurde er unlängst von Trump via Twitter bloßgestellt. Er hatte öffentlich die Möglichkeit von Verhandlungen mit Nordkorea ins Spiel gebracht, Trump nannte Tillersons Bemühungen daraufhin "Zeitverschwendung". Obwohl Trump und Tillerson eigentlich beide Verhandlungen mit dem Norden erreichen wollen, wirkte das so, als habe Trump Tillerson zurechtgewiesen.

Inzwischen scheint klar: Trump hatte wohl Wind davon bekommen, dass Tillerson ihn intern als "Trottel" ("Moron") bezeichnet hatte. Noch bevor die "Trottel"-Geschichte ein paar Tage später durch den Sender NBC bekannt wurde, versuchte Trump also den Rivalen Tillerson öffentlich klein zu machen. Trotzdem dürfte diese Taktik Trump hier schaden: Sollte Tillerson bald entnervt gehen, würde der Präsident einen der angesehensten Minister verlieren.

4. Die intensive Propaganda: Aus seiner Zeit als Immobilientycoon weiß Trump, geschickte Werbung, schöne Bilder und hübsche Broschüren können bei der Kundschaft Wunder bewirken. So verkaufte er Tausende von Wohnungen, bewarb seine Hotels und windige Angebote wie die "Trump University".

Nun versucht er die amerikanischen Wähler einzulullen. Negative Botschaften werden ausgeblendet, als "Fake" gebrandmarkt oder durch Ablenkungsmanöver übertönt. Obwohl völlig unklar ist, ob er überhaupt jemals Geld für den Bau der Mauer zu Mexiko erhält, lässt Trump in der Nähe von San Diego bereits einige Mauerteile zur Probe aufbauen. Demnächst will er sich davor fotografieren lassen. Das Weiße Haus produziert zudem endlose Mengen an Videobildern und Fotostrecken für Social Media, in denen Trump als gütiger, erfolgreicher und geliebter Anführer erscheint. Als nach dem Sturm in Puerto Rico Kritik am Krisenmanagement seiner Regierung aufkam, reiste Trump auf die Insel und ließ sich bei der Verteilung von Küchenrollen filmen.

Die Erfolgsaussichten dieser Taktik: durchaus rosig. Vor allem die Wähler im Süden und im Mittleren Westen misstrauen Trump-kritischen Medien wie der "New York Times" oder "CNN", sie informieren sich lieber bei Trumps Lieblingssendung "Hannity" oder über konservative Talk-Radiosendungen. Hier verfängt die positive Trump-Werbung, kritische Botschaften dringen kaum durch. Trumps Basis, die aus etwa 30 Prozent der aktiven Wählerschaft besteht, hält ihm weiter die Treue.


Zusammengefasst: Donald Trump agiert als Präsident nach ähnlichen Verhaltensmustern wie in seiner Zeit als Geschäftsmann. Er setzt auf Verwirrungstaktiken, einhundertprozentige Loyalität von Mitarbeitern und auf rosige Propaganda. Doch auf die Politik sind seine Erfolgsrezepte nur bedingt übertragbar.