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14. Januar 2017, 18:54 Uhr

Wirtschaftspolitik per Twitter

Trumps wundersame Jobmaschine

Von , New York

Dutzende Firmen beugen sich Donald Trump - um dem neuen US-Präsidenten zu gefallen, schaffen sie scheinbar neue Arbeitsplätze. Sechs Beispiele zeigen: Die meisten Deals sind reine PR-Gags.

Amerikas heißester Laufsteg ist die Lobby des Trump Towers. Täglich stolzieren Bittsteller an den Paparazzi vorbei, um mit dem Spiegelaufzug ins Allerheiligste hochzufahren. Die Fotografen brüllen, die Gäste posieren, winken und sagen manchmal etwas. Wie die Premiere einer Castingshow, nur der rote Teppich fehlt.

Am Freitag war Marillyn Hewson dran, die Vorstandschefin des US-Rüstungskonzerns Lockheed Martin. Die Texanerin kam ganz in Schwarz, um über Lockheeds futuristischen Tarnkappenbomber F-35 zu sprechen, den Donald Trump als überteuert kritisiert hatte. "Es war ein tolles Treffen", sagte sie anschließend. Sie habe Trump versichert, dass Lockheed "die Kosten erheblich senken" und mindestens 1800 "neue Arbeitsplätze" in Texas schaffen werden.

Prompt sprachen viele US-Medien von einem abermaligen "Sieg" Trumps über ein renitentes Unternehmen. Doch die neuen Jobs standen in Wahrheit schon vor den Präsidentschaftswahlen im Geschäftsplan, als Folge einer Produktionssteigerung, die das Pentagon mit Lockheed Martin vereinbart hatte. Samt einer Preissenkung.

Und doch stimmten die Schlagzeilen: Es war ein Sieg Trumps - ein typischer PR-Sieg. Auch wenn er sich mit falschen Federn schmückt: Was zählt, sind Eindruck und Optik, alles Weitere ist zu komplex für die kurze Aufmerksamkeitsspanne der Leute.

Trump praktiziert damit das gleiche Prinzip, das auch seine Realityshows so populär machte, obwohl sie mit "Realität" wenig zu tun hatten. Knackige Szenen, Pseudo-Konflikte, Pseudo-Auflösung, "Gewinner" vs. "Verlierer": Wer will die Wahrheit, wenn das Fake-Drama die erwünschte Botschaft viel besser vermittelt?

Die aktuelle Botschaft: "Ich werde der größte Stellenerschaffer sein, den Gott erschaffen hat." So brüstete sich Trump am Mittwoch auf seiner Pressekonferenz.

Publicity-Gags wie der mit Lockheed Martin dienen dazu, dieses Image zu zementieren. Obwohl sie wenig ausrichten in der US-Wirtschaft mit ihren 145 Millionen Arbeitsplätzen und 1,5 Millionen Kündigungen im Monat. Ganz zu schweigen von den industriellen Umwälzungen, an denen Trumps Stellen-Solitaire nichts ändert.

Doch die Menschen wollen Zeichen - selbst wenn sie nur Show sind. Alle spielen da mit: Trump reduziert Wirtschaftspolitik zur Effekthascherei; die Konzerne tun, als beugten sie sich, verfolgen aber auch nur ihre eigenen Interessen; die Medien hecheln den oft via Twitter dahingeworfenen News-Häppchen atemlos hinterher.

Diese PR-Häppchen, oft kritiklos weitergereicht, munden vor allem den notleidenden Amerikanern, die im November für Trump gestimmt hatten: Ein Arbeiter im Mittleren Westen, der seinen Job "dank Trump" nun noch nicht verliert, ist der beste Werbeträger, auch wenn das gar nicht an Trump lag. So baut Trump schon am nächsten Wahlsieg.

Oder auch nicht. Seine Realityshow "The Apprentice", die telegene Gimmicks als unternehmerisches Know-how verkaufte, war ebenfalls bald passé. Doch bis Präsident Trump den Quotenkeller erreicht, wird er noch viele "Deals" verkaufen.

Sechs Beispiele illustrieren, was Trump unter Wirtschaftspolitik versteht:

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