Wirtschaftspolitik per Twitter Trumps wundersame Jobmaschine

Dutzende Firmen beugen sich Donald Trump - um dem neuen US-Präsidenten zu gefallen, schaffen sie scheinbar neue Arbeitsplätze. Sechs Beispiele zeigen: Die meisten Deals sind reine PR-Gags.

Donald Trump
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Von , New York


Amerikas heißester Laufsteg ist die Lobby des Trump Towers. Täglich stolzieren Bittsteller an den Paparazzi vorbei, um mit dem Spiegelaufzug ins Allerheiligste hochzufahren. Die Fotografen brüllen, die Gäste posieren, winken und sagen manchmal etwas. Wie die Premiere einer Castingshow, nur der rote Teppich fehlt.

Am Freitag war Marillyn Hewson dran, die Vorstandschefin des US-Rüstungskonzerns Lockheed Martin. Die Texanerin kam ganz in Schwarz, um über Lockheeds futuristischen Tarnkappenbomber F-35 zu sprechen, den Donald Trump als überteuert kritisiert hatte. "Es war ein tolles Treffen", sagte sie anschließend. Sie habe Trump versichert, dass Lockheed "die Kosten erheblich senken" und mindestens 1800 "neue Arbeitsplätze" in Texas schaffen werden.

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Druck auf US-Konzerne: Warum Trumps Stunt-Politik funktioniert - fürs erste

Prompt sprachen viele US-Medien von einem abermaligen "Sieg" Trumps über ein renitentes Unternehmen. Doch die neuen Jobs standen in Wahrheit schon vor den Präsidentschaftswahlen im Geschäftsplan, als Folge einer Produktionssteigerung, die das Pentagon mit Lockheed Martin vereinbart hatte. Samt einer Preissenkung.

Und doch stimmten die Schlagzeilen: Es war ein Sieg Trumps - ein typischer PR-Sieg. Auch wenn er sich mit falschen Federn schmückt: Was zählt, sind Eindruck und Optik, alles Weitere ist zu komplex für die kurze Aufmerksamkeitsspanne der Leute.

Trump praktiziert damit das gleiche Prinzip, das auch seine Realityshows so populär machte, obwohl sie mit "Realität" wenig zu tun hatten. Knackige Szenen, Pseudo-Konflikte, Pseudo-Auflösung, "Gewinner" vs. "Verlierer": Wer will die Wahrheit, wenn das Fake-Drama die erwünschte Botschaft viel besser vermittelt?

Die aktuelle Botschaft: "Ich werde der größte Stellenerschaffer sein, den Gott erschaffen hat." So brüstete sich Trump am Mittwoch auf seiner Pressekonferenz.

Publicity-Gags wie der mit Lockheed Martin dienen dazu, dieses Image zu zementieren. Obwohl sie wenig ausrichten in der US-Wirtschaft mit ihren 145 Millionen Arbeitsplätzen und 1,5 Millionen Kündigungen im Monat. Ganz zu schweigen von den industriellen Umwälzungen, an denen Trumps Stellen-Solitaire nichts ändert.

Doch die Menschen wollen Zeichen - selbst wenn sie nur Show sind. Alle spielen da mit: Trump reduziert Wirtschaftspolitik zur Effekthascherei; die Konzerne tun, als beugten sie sich, verfolgen aber auch nur ihre eigenen Interessen; die Medien hecheln den oft via Twitter dahingeworfenen News-Häppchen atemlos hinterher.

Diese PR-Häppchen, oft kritiklos weitergereicht, munden vor allem den notleidenden Amerikanern, die im November für Trump gestimmt hatten: Ein Arbeiter im Mittleren Westen, der seinen Job "dank Trump" nun noch nicht verliert, ist der beste Werbeträger, auch wenn das gar nicht an Trump lag. So baut Trump schon am nächsten Wahlsieg.

Oder auch nicht. Seine Realityshow "The Apprentice", die telegene Gimmicks als unternehmerisches Know-how verkaufte, war ebenfalls bald passé. Doch bis Präsident Trump den Quotenkeller erreicht, wird er noch viele "Deals" verkaufen.

Sechs Beispiele illustrieren, was Trump unter Wirtschaftspolitik versteht:

insgesamt 101 Beiträge
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blitzunddonner 14.01.2017
1. sprint: ich glaube, t-mobile will keine fusion mehr.
sprint: ich glaube, t-mobile will keine fusion mehr. nach abruch der verhandlungen hat sich das geschäft unerwartet erfreulich entwickelt.
ackergold 14.01.2017
2.
Lockheed wird sicher bald sagen können, wie sie "die Kosten senken" und gleichzeitig "1800 Arbeitsplätze" schaffen. Das kann eigentlich nur auf eine Form der Sklaverei hinauslaufen, aber darin sind die Texaner ja wahrlich Experten. Die Sklaven werden dann natürlich Herrn Trump huldigen.... natürlich ohne jede Krankenversicherung.
Der-Gande 14.01.2017
3. Nun denn.
Trump ist doch momentan nur ein Blender. Siehe die Beispiele im Artikel.
chico 76 14.01.2017
4. Klar doch, nichts als PR-Gags,
in der Regel sind es namhafte Firmen die, auf Druck von Trump, Arbeitsplätze schaffen/zurückholen werden. Lieber verzichtet man auf zusätzlichen Profit, bevor man sich mit dem zukünftigem Präsidenten anlegt. Gut so, sie haben kapiert. Unsere Autobauer (alle investieren in Mexico) können sich schon mal warm anziehen, oder neu überlegen.
Liberalitärer 14.01.2017
5. Pr
Zitat von Der-GandeTrump ist doch momentan nur ein Blender. Siehe die Beispiele im Artikel.
Vieles daran ist Show und PR. Eines stimmt aber auch. Klappern gehört auch zum Handwerk und natürlich ist das ein guter PR Mann. Das Leben ist auch immer eine Bühne. Und wer sich alte Interviews mit Trump im Netz ansieht, der stellt eben fest, dass es schon eine Art Konzept gibt. Es gibt da ein schönes Interview aus dem Jahr 1987 bei CNN. Und so anders ist das eben alles nicht, was er da sagt. Der Grundgedanke ist. Die USA werden ausgenommen - damals von den Japanern und den Saudis.
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