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20. Juli 2016, 18:13 Uhr

Kontroverse Wahlkampfhelfer

Das sind Trumps Hassprediger

Aus Cleveland berichtet

Law and Order - dieses Thema hat Donald Trump nach den jüngsten Polizistenmorden für sich entdeckt. Lautstark an seiner Seite: einige der kompromisslosesten Figuren, die das Land zu bieten hat.

So ein Sheriff fackelt nicht lange. Rassismus in der Polizei? Gibt es nicht! Die Bürgerrechtsbewegung "Black Lives Matter"? Reine Hassideologie! Barack Obama? Ein Lügner!

David A. Clarke ist im Hauptberuf Polizeichef von Milwaukee im US-Bundesstaat Wisconsin. Seit einigen Wochen hat Clarke zusätzlich einen inoffiziellen Zweitjob angenommen: Er ist einer der skrupellosesten Zuschläger im Namen von Donald Trumps Präsidentschaftsambitionen geworden.

Clarke tritt immer dann auf, wenn die US-Polizei verteidigt werden muss - und wenn es gegen die Demonstranten gehen soll. "Die Proteste in Ferguson sind pure Anarchie", hat Clarke zum Beispiel gesagt. Trump kann sich auf ihn verlassen.

Und der Sheriff ist nicht allein. Auf dem Parteitag der Republikaner in Cleveland kämpfen an seiner Seite Größen wie der ehemalige New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani und der Ex-General Mike Flynn.

Clarke, Giuliani und Flynn verkörpern wie kein anderes Trio das neue Lieblingsthema von Donald Trump: Law and Order - den starken Staat. Nach den Polizistenmorden von Dallas und Baton Rouge in den vergangenen Wochen ist sich Trump offenbar sicher: Hier gibt es auf dem Weg ins Weiße Haus etwas zu gewinnen. Die ausgleichende Haltung von Präsident Barack Obama und von Hillary Clinton? Bloß ein Zeichen von Schwäche.

"Make America Safe Again"

In Cleveland widmete Trump zu Beginn des Parteitags einen ganzen Tag dem neuen Motto: Aus "Make America Great Again" machte er kurzerhand "Make America Safe Again". Wenig überraschend, dass er Sheriff Clarke einen Premiumplatz auf der Bühne organisieren ließ.

Clarke tourt seit Wochen durch die US-Fernsehsender und verbreitet seine radikalen Ansichten zu den neuen Rassenunruhen und der Debatte um Polizeigewalt gegen Schwarze. Der 59-Jährige, selbst Afroamerikaner, sieht in der Bewegung "Black Lives Matter" die Ursache der jüngsten Polizistenmorde. Jeglichen Rassismus innerhalb der US-Polizei hält er für Hokuspokus. In Cleveland johlte der ganze Saal, als er seine Rede mit dem Ausruf "Blue Lifes Matter" begann - und den Ausruf der neuen Anti-Rassismus-Bewegung kurzerhand in einen Pro-Polizei-Ausruf umwidmete.

Kaum weniger hart klingt New Yorks Ex-Bürgermeister Giuliani. Giuliani, als Krisenmanager nach den Anschlägen von 9/11 noch vom gesamten Volk geschätzt, hat sich ebenfalls zu einem von Trumps verlässlichsten Law-and-Order-Vorkämpfern gewandelt. Er habe während seiner Amtszeit New York von einer der gefährlichsten Städte der USA zu einer der sichersten gemacht, sagte Giuliani in Cleveland: "Was ich in New York geschafft habe, schafft Donald Trump mit dem ganzen Land". Der mittlerweile 72-jährige Giuliani redete sich auf der Parteitagsbühne derart in Rage, dass man zwischenzeitlich um seine Gesundheit fürchten musste.

Nüchterner im Ton - aber nicht weniger kompromisslos - agiert der ehemalige Armeegeneral Flynn. Er übernimmt neben den beiden Polizeispezialisten Clarke und Giuliani eher die Rolle des globalen Sicherheitsfachmanns. Seine Ansichten haben es allerdings nicht weniger in sich: "Die USA müssen ihre Gegner wieder zerstören können", ist Flynns Motto: "Im Krieg gehe es nicht um politische Korrektheit." Flüchtlinge aus dem Mittleren Osten solle man am besten "zurück in ihre Boote setzen", sagte Flynn im aktuellen SPIEGEL-Interview.

Die Ziele des alten, überwiegend weißen Amerikas

Dass Clarke, Giuliani und Flynn für Trump interessant sind, ist kein Zufall. Mit ihren Idealen stehen sie für die Ziele des alten, überwiegend weißen Amerikas, das sich nach Stärke sehnt und sich zugleich als Verlierer der Globalisierung fühlt. Was könnte dieses Amerika besser symbolisieren, als eine starke Polizei und ein wehrhaftes Militär?

In Cleveland soll so noch ein bisschen mehr am Bild der perfekten, starken Führungsfigur Donald Trump gearbeitet werden. Trump kann sich freuen, das Konzept geht auf. Neben Tausenden Republikaner-Fans hat sein Kurs in Cleveland noch zwei weitere prominente Besucher angelockt.

Der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders ist die gesamte Woche zu Besuch.

Und spontan hat sich auch noch ein ganz besonderer Gast angesagt: Der Brexit-Vordenker Nigel Farage.

Video vom Parteitag der Republikaner:

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