Kontroverse Wahlkampfhelfer Das sind Trumps Hassprediger

Law and Order - dieses Thema hat Donald Trump nach den jüngsten Polizistenmorden für sich entdeckt. Lautstark an seiner Seite: einige der kompromisslosesten Figuren, die das Land zu bieten hat.

REUTERS

Aus Cleveland berichtet


So ein Sheriff fackelt nicht lange. Rassismus in der Polizei? Gibt es nicht! Die Bürgerrechtsbewegung "Black Lives Matter"? Reine Hassideologie! Barack Obama? Ein Lügner!

David A. Clarke ist im Hauptberuf Polizeichef von Milwaukee im US-Bundesstaat Wisconsin. Seit einigen Wochen hat Clarke zusätzlich einen inoffiziellen Zweitjob angenommen: Er ist einer der skrupellosesten Zuschläger im Namen von Donald Trumps Präsidentschaftsambitionen geworden.

Clarke tritt immer dann auf, wenn die US-Polizei verteidigt werden muss - und wenn es gegen die Demonstranten gehen soll. "Die Proteste in Ferguson sind pure Anarchie", hat Clarke zum Beispiel gesagt. Trump kann sich auf ihn verlassen.

Und der Sheriff ist nicht allein. Auf dem Parteitag der Republikaner in Cleveland kämpfen an seiner Seite Größen wie der ehemalige New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani und der Ex-General Mike Flynn.

Clarke, Giuliani und Flynn verkörpern wie kein anderes Trio das neue Lieblingsthema von Donald Trump: Law and Order - den starken Staat. Nach den Polizistenmorden von Dallas und Baton Rouge in den vergangenen Wochen ist sich Trump offenbar sicher: Hier gibt es auf dem Weg ins Weiße Haus etwas zu gewinnen. Die ausgleichende Haltung von Präsident Barack Obama und von Hillary Clinton? Bloß ein Zeichen von Schwäche.

"Make America Safe Again"

In Cleveland widmete Trump zu Beginn des Parteitags einen ganzen Tag dem neuen Motto: Aus "Make America Great Again" machte er kurzerhand "Make America Safe Again". Wenig überraschend, dass er Sheriff Clarke einen Premiumplatz auf der Bühne organisieren ließ.

Clarke tourt seit Wochen durch die US-Fernsehsender und verbreitet seine radikalen Ansichten zu den neuen Rassenunruhen und der Debatte um Polizeigewalt gegen Schwarze. Der 59-Jährige, selbst Afroamerikaner, sieht in der Bewegung "Black Lives Matter" die Ursache der jüngsten Polizistenmorde. Jeglichen Rassismus innerhalb der US-Polizei hält er für Hokuspokus. In Cleveland johlte der ganze Saal, als er seine Rede mit dem Ausruf "Blue Lifes Matter" begann - und den Ausruf der neuen Anti-Rassismus-Bewegung kurzerhand in einen Pro-Polizei-Ausruf umwidmete.

Kaum weniger hart klingt New Yorks Ex-Bürgermeister Giuliani. Giuliani, als Krisenmanager nach den Anschlägen von 9/11 noch vom gesamten Volk geschätzt, hat sich ebenfalls zu einem von Trumps verlässlichsten Law-and-Order-Vorkämpfern gewandelt. Er habe während seiner Amtszeit New York von einer der gefährlichsten Städte der USA zu einer der sichersten gemacht, sagte Giuliani in Cleveland: "Was ich in New York geschafft habe, schafft Donald Trump mit dem ganzen Land". Der mittlerweile 72-jährige Giuliani redete sich auf der Parteitagsbühne derart in Rage, dass man zwischenzeitlich um seine Gesundheit fürchten musste.

Nüchterner im Ton - aber nicht weniger kompromisslos - agiert der ehemalige Armeegeneral Flynn. Er übernimmt neben den beiden Polizeispezialisten Clarke und Giuliani eher die Rolle des globalen Sicherheitsfachmanns. Seine Ansichten haben es allerdings nicht weniger in sich: "Die USA müssen ihre Gegner wieder zerstören können", ist Flynns Motto: "Im Krieg gehe es nicht um politische Korrektheit." Flüchtlinge aus dem Mittleren Osten solle man am besten "zurück in ihre Boote setzen", sagte Flynn im aktuellen SPIEGEL-Interview.

Die Ziele des alten, überwiegend weißen Amerikas

Dass Clarke, Giuliani und Flynn für Trump interessant sind, ist kein Zufall. Mit ihren Idealen stehen sie für die Ziele des alten, überwiegend weißen Amerikas, das sich nach Stärke sehnt und sich zugleich als Verlierer der Globalisierung fühlt. Was könnte dieses Amerika besser symbolisieren, als eine starke Polizei und ein wehrhaftes Militär?

In Cleveland soll so noch ein bisschen mehr am Bild der perfekten, starken Führungsfigur Donald Trump gearbeitet werden. Trump kann sich freuen, das Konzept geht auf. Neben Tausenden Republikaner-Fans hat sein Kurs in Cleveland noch zwei weitere prominente Besucher angelockt.

Der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders ist die gesamte Woche zu Besuch.

Und spontan hat sich auch noch ein ganz besonderer Gast angesagt: Der Brexit-Vordenker Nigel Farage.

Video vom Parteitag der Republikaner:

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Diese Trumps: Wer ist wer im Familienclan?

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karuwschka 20.07.2016
1. Mir wird schlecht
wenn ich diesen Artikel lese! Ich lebe seit 8 Jahren hier in den Staaten und hoffte mir ein Stückchen Heimat im lesen deutscher Berichterstattung zu erhalten! Was ich hier lese bei allem Respekt hat nichts aber auch garnichts mit objektiver Berichterstattung zu tun! Es erinnert mich mehr an die dunkelsten Zeiten in der DDR, in der alles und jeder so deformiert und durchgelogen wurde bis es in die Ideologie und Wünsche der Herrschenden passt! Der Unterschied heute für mich? Ich habe gelernt frei zu sein und mein Hirn zu benutzen! Das selbe empfehle ich dem subjektiv- links angehauchten Verfasser dieses Artikels auch, um Ihretwillen, sonst frisst Sie der Hass einestages auf!
Pleziglass 20.07.2016
2. Nicht wir, sondern die Amis wählen.
Ich finde es ja sehr schön, dass ihr uns jeden Tag mehrmals erklärt, was für ein A ... Trump ist. Allerdings wählen nicht wir, sondern dies Amis im September.
Aspekte plus 20.07.2016
3.
Kompromisslose "Figuren" schon - aber Hassprediger? Black Lives Matter ist auch kompromisslos - beim Wort genommen, unter Berücksichtigung anderer Faktoren und im Kontext ensteht eben schon der Eindruck, die Aktivisten wären zufrieden, wenn doppelt so viele oder mehr Weisse durch Polizeigewalt umkämen - einfach das doppelte des Bevölkerungsanteils in Prozenten - wie bei den Schwarzen auch. Wenn nun aber gegen die Hälfte der Tötungsdelikte von Afro-Amerikanern verübt werden, meist nicht gegen Weisse, wird es auch mehr Fahnungen geben, werden Schwarze generell exponierter sein. Barack Obama hat immer versucht, der Präsident aller Amerikaner zu sein, hat gar Abraham Lincoln als sein grosses Vorbild genannt. Der Eindruck, BLM überteibe darin, Barack Obama für sich allein zu reklamieren, kann schon entstehen. "Zurückgeben" ist nicht möglich, dass alle Polizisten Menschen sind, hat er schon gesagt, wenn auch nicht besonders bestimmt - das macht Barack Obama schon angreifbar. Wäre Hillary Clinton eine eigenständigere Persönlichkeit, dann wäre sie gar nicht so auf Obama, als lame duck angewiesen. Blue Lifes Matter, make America safe again sind nun auch nicht gerade DIE Hassbotschaften. Es werden ja auch nicht-weisse Polizisten erschossen. Blue Lifes Matter ist da eben schon kein schlechter Slogan. Wirklich lügen kann Trump ja über die Zukunft nicht. Auch abenteuerliche Prognosen sind keine Tatsachenbehauptungen.
erzengel1987 20.07.2016
4. Demokratie
Es ist ein absolut legitimer demokratischer Prozess. Trump ist ein Populist, aber ein sehr eroflgreicher. Er verfolgt einen sehr harten politischen Stil und scheint nicht groß an Kompromissen interessiert zu sein. Doch ist mir dieser Typ sympatischer als Barack Obama. Einfach aus folgendem Grund. Bei Trump weiß ich was mich erwartet der scheint mit recht offenen Karten zu spielen und nicht groß zu Lügen. Bei Frau Clinton fällt es mir sehr schwer mir ein Bild zu machen. Das ist wirklich ein Armutszeugnis was die fabriziert... Wie konnten die blos so eine schwache Kandidatin aufstellen die muss doch geradezu versagen... Andererseits ich würde mir einen Präsidenten der USA wünschen der uns Europäer ganz in Ruhe lässt. NATO kündigt und sich aus Afrika raushält und einfach mit uns ohne militärischen Druck handel betreibt.
RRR79 20.07.2016
5. Looser brauchen Lügen....
Law And Order. Da muss ich herzhaft lachen. Vor allem Law. Da muss man sich erstmal an der eigenen Nase fassen. Sorry, Herr Trump und seine Schergen halten von "law" nix und von "order" schon gleich gar nicht. Bekanntlich hatte ein Ausschuss, geführt vom Republikaner Gowly, wie es jeder weiß, festgestellt, oder feststellen müssen, dass Clinton eben NICHT direkt verantwortlich für die Todesopfer von Benghasi ist - obwohl Clinton, wie es jeder halbwegs informierte Bildzeitungsleser weiß, die Verantwortung dafür übernommen hat und eben nicht gelogen hat. Eben jene Republikaner haben gestern beim Parteikonvent ihren eigen Beschluss ihres republikanischen Ausschussvorsitzenden Gowly zum Witz verkommen lassen und diesen ignoriert. Das ganze Ergebnis dieser Untersuchung wird quasi für "nichtig" erklärt mit großen Pathos durch Chris Christie. Das soll "Law" sein? Das ist ein Witz, wenn man auf diese Weise das Gesetz und Entscheidungen eines Ausschuss, den man selbst geleitet hat derart verhöhnt. Was da die letzten beiden Tage lief war eine Schande. Kein Programm, nur das Schüren von Hass, Angst, Vorurteilen, Verunglimpfungen und viel Action & Emotion. Naja, selbst Micky Maus könnte Präsident werden - ich denke mal Micky Maus wäre mit Sicherheit ein besserer Kandidat als Buffoon Trump, der offensichtlich nur mit Beleidigungen, Verunglimpfungen und Asphaltiergehabe punkten kann.
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