Diplomatie des künftigen US-Präsidenten Hier Trump Tower, wir stellen Sie durch

Aus seinem Wolkenkratzer in Manhattan knüpft Donald Trump seine ersten diplomatischen Beziehungen. In Dutzenden Telefonaten und einem ersten persönlichen Treffen mit ausländischen Regierungschefs geht es meist nicht nach Protokoll.

Trump Tower in New York
AP

Trump Tower in New York

Von , Washington


Wie erreicht man den Mann, mit dem jetzt die halbe Welt reden will? Als sein Regierungsapparat schon nicht mehr weiterwusste, bekam Australiens Premier Malcolm Turnbull schließlich die Nummer Donald Trumps von einem Bekannten zugesteckt, der Golflegende Greg Norman. Er griff zum Telefon und hatte plötzlich den designierten 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten am Ohr.

Turnbull wurde damit einer der ersten Regierungschefs überhaupt, die Trump zum Wahlsieg gratulieren konnten. Am schnellsten war aber Ägyptens Präsident Abdel Fattah el-Sisi.

Es ist eine etwas ungewöhnliche Reihenfolge der Gratulanten - was daran liegt, dass nicht nur Australiens Regierung Probleme bei der Kontaktaufnahme hatte und sich der Neupolitiker Trump auch bei seinen ersten internationalen Gesprächen nicht um die Konventionen schert. Das sorgt in Washington wiederum für allerlei Kopfzerbrechen, denn in der Regel sind die ersten internationalen Kontakte eines künftigen Präsidenten vom Außenministerium sorgsam vorbereitet und durchchoreografiert.

Nicht so bei Trump: In den ersten Tagen nach dem Wahlsieg hatten viele Verbündete fieberhaft nach einem Kontakt zum 70-Jährigen gesucht. Sie riefen in der Verzweiflung einfach bei der Zentrale im Trump Tower in Manhattan an, in den sich der Wahlsieger zurückgezogen hat. Manchmal wurden sie, so berichtete es ein beteiligter Diplomat der "New York Times", einfach direkt durchgestellt, ohne Ankündigung.

Die mehr als 30 Telefonate mit Staats- und Regierungschefs fanden ohne jegliche Beteiligung des US-Außenministeriums statt. Und so kam es gleich zu mehreren unangenehmen Situationen.

"Wenn Sie in die USA reisen, sagen Sie mir Bescheid"

Großbritanniens Premierministerin Theresa May bekam Trump erst als elfte Gratulantin an die Strippe - schon das sorgte in London für Befremden, immerhin rühmen sich Diplomaten beider Seiten ihrer special relationship, die sich auch darin äußert, den Partner bei wichtigen Neuigkeiten als Erstes ins Bild zu setzen.

Immerhin lud Trump May pflichtgemäß für kommendes Jahr ein, wenn er im Amt ist. Doch am nächsten Tag fand ein Protokoll des Anrufs seinen Weg in die Öffentlichkeit, nachdem Trumps Einladung im Wortlaut so beiläufig klang: "Wenn Sie in die USA reisen, sagen Sie mir Bescheid."

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Trump Tower in New York: Verkehrsprobleme am Präsidentenwohnsitz

Noch peinlicher wurde es für London, als Trump dann doch schon einen Briten persönlich empfing, dies aber ausgerechnet Brexit-Mann Nigel Farage war, mit dem er eine Stunde plauderte und ihn noch ein Erinnerungsfoto vor goldbeschlagenem Aufzug in die Welt twittern ließ. Diplomatie nach Trump-Art.

Kontakt zwischen dessen transition team und dem Außenministerium gab es erst zum Ende dieser Woche. Dieses kümmert sich in der Regel um solche Telefonate: Es erstellt eine Reihenfolge, in der Staatenlenker zurückgerufen werden sollten, und brieft die eigene Seite. Es gibt eine Schaltzentrale, die die Telefonnummern aus dem Ausland überprüft, um Scherzanrufe auszuschließen, und Protokollanten und Übersetzer stellt, die auch überprüfen sollen, dass die Gegenseite korrekt übersetzt. Im Jahr 2008 hatten etwa die Berater Barack Obamas schon am Wahltag eine Liste parat, wer wann über das Außenministerium zurückgerufen werden sollte.

Der erste Staatsgast - und Ivanka

Im Jahr 2016 hingegen waren die Diplomaten selbst dann außen vor, als am Donnerstag der erste Staatsgast persönlich im Trump Tower vorbeischaute. Japans Premier Shinzo Abe, verunsichert durch das Infragestellen der japanisch-amerikanischen Allianz durch den Wahlkämpfer Trump, wusste bis Mittwoch zwar nicht, wann und wo er den Wahlsieger Trump sprechen würde können, bekam am Donnerstagabend dann aber seine Audienz im Trump Tower.

Auf Fotos, die anschließend von japanischer Seite verbreitet wurden, ist zu sehen, dass bei dem ersten Treffen zeitweise auch Trumps Tochter Ivanka und deren Mann Jared Kushner dabei waren. Es ist eine bekannte Gewohnheit von Trump senior, seine Kinder an Meetings teilhaben zu lassen. Doch dass Ivanka, die Geschäftsführerin der Trump-Firma ist, bei einem Gespräch mit einem Regierungschef dabei war, sorgte bei Beobachtern für Befremden.

Am Freitag hieß es aus dem Umfeld der Familie gegenüber der "New York Times", man müsse die Familientraditionen wohl den neuen Zeiten anpassen.

So ging eine hektische Woche im Trump Tower zu Ende, in der der künftige Präsident nicht nur Staatenlenker sowie mögliche Berater und Minister vorsprechen ließ und erste Personalentscheidungen traf, sondern sich zwischendurch auch noch Zeit für Gespräche mit einem Footballcoach und einer Fernsehrichterin nahm.

Das Wochenende verbringt Trump außerhalb der Stadt in New Jersey, wo es einen "Trump National Golf Club" gibt. Dort hat sich unter anderem Mitt Romney angekündigt, der noch im Sommer vor der Wahl des "Betrügers" Trump warnte und nun als dessen möglicher Außenminister gehandelt wird - ein Posten, auf dem sich in Zeiten der Diplomatie nach Trump-Art besondere Herausforderungen stellen.

insgesamt 88 Beiträge
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Seite 1
Zauderer 19.11.2016
1. Bruch der Etikette
Haha, das macht den Mann ja fast sympathisch. Nur schlimm, dass in den USA wegen Trump jetzt der Rassismus grassiert.
honey_d 19.11.2016
2. unkonventionell
Na, soll er doch man "drauf los regieren". Vielleicht kommt ja etwas frischer undiplomatischer Wind in die Bude, die Diplomatie dürfte seine Tritte ins Fettnäpfchen überleben. Und ihr Journalisten habt wenigstens was zu lachen.
silenced 19.11.2016
3.
Sehen wir das als Chance, und Donald Trump macht das schon genau richtig: Er ist einfach nur Mensch. Klar, es bereitet denen in Washington D.C. Kopfzerbrechen, wenn ein Telefonat oder ein Treffen eben vorher nicht auf's Kleinste durchgeplant wurde, und eine "Choreographie" einstudiert wurde. Den anderen Politikern wird Trumps auftreten sicher mehr gefallen als alles andere, einfach mal Mensch sein, man selbst sein, locker sein, nicht irgendeine steife Marionette wie sonst welche irgendeinem "Protokoll" folgen muss. Das ist alles so von Vorgestern. Wird Zeit, daß die moderne Welt auch in der Politik ankommt. Frischer Wind tut gut, besonders unter den muffigen Politik-Talaren.
Kasimir_Finsterbold 19.11.2016
4.
Ich glaube kaum, dass Romney Außenminister wird. Romney hat sich bis zuletzt gegen Trump gestellt und gehörte der parteiinternen NeverTrump-Bewegung an. Trump wird so jemanden wohl kaum mit dem höchsten aller Ministerposten dafür "belohnen". Hinzu kommt, dass die außenpolitischen Ansichten Trumps und Romneys zum Teil recht weit auseinander gehen. Zudem passt Romney auch überhaupt nicht ins Bild der bisherigen Personal-Nominierungen Trumps. Es gibt zwischen Trump und Romney heute lediglich ein allgemeines Gespräch. Insider sprechen von einer Art Versöhnungsgespräch. Aber die Presse hat letztlich das abstruse Gerücht, dass Romney als Außenminister eingesetzt werden könnte, in die Welt gesetzt, ohne dass es wirkliche Anhaltspunkte dafür gibt. Da ist wohl mehr das Wunschdenken der Vater dieses Gerüchts gewesen.
veritas31 19.11.2016
5. Ojee Amateure an die Macht...
Tja so kann es eben gehen, wenn man einen Amateur an die Macht lässt...es wird nicht beim "befremden" bleiben...ich könnte mir vorstellen, dass man mindestens 1 Jahr brauchen wird, den diplomatischen Scherbenhaufen von 1 Monat POTUS Trump aufzuräumen. Aber ja sicher...alle Trumpisten hier kommen gleich wieder um die Ecke und sagen, dass es gut ist, wenn man ein "neuer" ohne politischen Stallgeruch an der Macht ist...es ist auch nur das Amt des US-Präsidenten...was soll schon schiefgehen?
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