Führende Industrienationen G8 statt G7 - Trump will Russland wieder dabei haben

Russland soll zurückkehren: Unmittelbar vor dem G7-Gipfel hat sich US-Präsident Donald Trump für eine Wiederaufnahme in die Runde der führenden Industriestaaten ausgesprochen. Ein weiteres Land ist ebenfalls dafür.
Donald Trump

Donald Trump

Foto: SAUL LOEB/ AFP

Donald Trump will den Kreis der G7 wieder um Russland erweitern. "Russland sollte am Verhandlungstisch sitzen", sagte der US-Präsident in Washington vor seinem Abflug zum Treffen der sieben wichtigen Industrienationen in Kanada. "Es waren die G8, und Russland sollte wieder dabei sein", sagte Trump.

Die Aufgabe sei es, die Welt zu organisieren, und dazu werde Russland gebraucht. "Ich war Russlands schlimmster Albtraum, aber Russland sollte in diesem Treffen dabei sein", sagte der US-Präsident.

Russland war wegen der Annexion der ukrainischen Krim 2014 aus der G8 ausgeschlossen worden. Weil der Status der Krim unverändert ist, war eine Rückkehr bisher kein Thema.

Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte schloss sich Trumps Forderung an, Russland wieder aufzunehmen. Die neue populistische Regierung in Italien aus Fünf-Sterne-Bewegung und rechter Lega verfolgt generell eine Russland-freundliche Linie und will sich für ein Ende der Sanktionen gegen das Land einsetzen.

Gastgeber Justin Trudeau empfängt die Staats- und Regierungschefs der G7 im kanadischen La Malbaie (17.45 MESZ).

Merkel und Maas lehnten Rückkehr ab

Kanzlerin Angela Merkel hatte eine Rückkehr Russlands in den Kreis bei ihrer ersten direkten Fragestunde im Bundestag ausgeschlossen, Außenminister Heiko Maas ebenso. Auf die Frage eines AfD-Abgeordneten, ob es nicht geboten sei, den Kontakt zu Russland zu intensivieren, sagte Merkel, das G8-Format sei auf die Achtung des Völkerrechts ausgerichtet. "Die Annexion der Krim ist ein flagranter Bruch des Völkerrechts gewesen." Deshalb sei der Ausschluss Russlands aus der Gruppe richtig.

Russland selbst hatte zuletzt kein Interesse an einer Rückkehr in die G7 gezeigt. Präsident Wladimir Putin setzt stattdessen auf das größere G20-Format, in dem zum Beispiel auch China und Indien vertreten sind. In einer ersten Reaktion auf Trumps Vorstoß reagierte der Kreml denn auch verhalten. Russland sei auf andere Formate fokussiert jenseits der G7.

Tusk: Trump fordert internationale Ordnung heraus

Schon vor dem Gipfel in La Malbaie war der Streit der G7-Partner mit Trump offen ausgebrochen. Nach Gesprächen mit Kanadas Ministerpräsident Trudeau rief Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mit scharfen Worten dazu auf, sich geschlossen der amerikanischen "Vormachtpolitik" zu widersetzen. Sie würden "nicht zögern", Trump bei dem Gipfel zu "isolieren". Der US-Präsident schrieb daraufhin auf Twitter, er "freue" sich darauf, "die unfairen Handelsabkommen mit den G7-Staaten in Ordnung zu bringen".

EU-Ratspräsident Donald Tusk warf Trump vor, er stelle die auf Regeln basierende internationale Weltordnung in Frage. Tusk sagte kurz vor Beginn des Gipfeltreffens, das Verhalten des US-Präsidenten bereite ihm "große Sorge".

Video zu G7: Handelsstreit ist das wichtigste Thema

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als/AFP/dpa/Reuters