Ukraine-Affäre Trump droht Informanten mit "großen Konsequenzen"

Der unter Druck geratene US-Präsident teilt weiter aus: In der Ukraine-Affäre keilt Donald Trump scharf gegen die Demokraten, den Whistleblower und dessen Informanten. Er wolle seinen "Ankläger" treffen.

Donald Trump: "Hat diese Person den US-Präsidenten ausspioniert? Große Konsequenzen!"
Tom Brenner/ REUTERS

Donald Trump: "Hat diese Person den US-Präsidenten ausspioniert? Große Konsequenzen!"


US-Präsident Donald Trump will den anonymen Hinweisgeber in der Ukraine-Affäre treffen - und hat dessen Informanten gedroht. "Wie jeder Amerikaner verdiene ich es, meinen Ankläger zu treffen", schrieb Trump bei Twitter. Der Whistleblower habe eine "perfekte Unterhaltung" mit dem Präsidenten der Ukraine auf "völlig ungenaue und betrügerische Weise" dargestellt und zudem "Informationen aus zweiter und dritter Hand" präsentiert.

Auch wolle er die Person treffen, die illegalerweise die in "hohem Maße falschen Informationen" an den Whistleblower weitergegeben habe, schrieb Trump. "Hat diese Person den US-Präsidenten ausspioniert? Große Konsequenzen!"

Trump setzte am Sonntagabend drei Tweets zu dem Fall ab. Dabei warf er auch den Demokraten vor, dem Land zu schaden. "Sie lügen und betrügen wie nie zuvor in der Geschichte unseres Landes", schrieb er. Ihnen gehe es darum, die Vereinigten Staaten und die Wahlen im kommenden Jahr zu destabilisieren. "Sie und die Fake-News-Medien sind gefährlich und schlimm!"

Schon am Vortag hatte Trump ausgeteilt: Die Ukraine-Affäre und der Vorstoß der Demokraten, ein Amtsenthebungsverfahren gegen ihn anzustrengen, seien der "größte Betrug in der Geschichte der amerikanischen Politik", sagte er in einer bei Twitter verbreiteten Videobotschaft. "Es ist alles sehr einfach: Sie versuchen, mich zu stoppen, weil ich für euch kämpfe. Und ich werde das niemals zulassen."

Die Demokraten im Repräsentantenhaus bereiten ein mögliches Amtsenthebungsverfahren gegen Trump vor. Dem Präsidenten wird vorgeworfen, die Macht seines Amtes genutzt zu haben, um zu erreichen, dass sich ein anderes Land zu seinen Gunsten in die US-Wahl 2020 einmischt. Im Zentrum der Vorwürfe steht ein Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Trump ermunterte seinen Amtskollegen zu Ermittlungen, die seinem politischen Rivalen Joe Biden schaden könnten.

Die Vorwürfe der US-Demokraten stützen sich vor allem auf die Beschwerde eines anonymen Geheimdienstmitarbeiters, der Anschuldigungen gegen Trump erhebt. Im Rahmen seiner Arbeit will der Whistleblower Informationen mehrerer Regierungsmitarbeiter erhalten haben, wonach der US-Präsident "die Macht seines Amtes nutzt", damit sich ein anderes Land zu seinen Gunsten in die US-Wahl 2020 einmischt.

Video zu Mitschnitt von Trump-Telefonat: "Spione und Verrat, das haben wir früher anders gehandhabt"

Evan Vucci/ AP

Bei dem Hinweisgeber in der Ukraine-Affäre soll es sich laut "New York Times" um einen Mitarbeiter des Auslandsgeheimdiensts CIA handeln. Er hatte angegeben, bei den meisten von ihm beanstandeten Vorgängen kein direkter Zeuge gewesen zu sein, aber übereinstimmende und glaubwürdige Informationen verschiedener Regierungsmitarbeiter dazu bekommen zu haben.

Der Fernsehsender CBS berichtete am Sonntag, gegen den Hinweisgeber aus dem Geheimdienst seien Drohungen eingegangen. Er stehe unter Polizeischutz.

Trump weist die Vorwürfe gegen sich zurück und zweifelt an der Glaubwürdigkeit des Hinweisgebers.

Die Aussichten auf einen Erfolg des sogenannten Impeachment-Verfahrens gegen Trump sind gering: Die Entscheidung über eine tatsächliche Amtsenthebung träfe der Senat, wo Trumps Republikaner die Mehrheit haben. Bisher wurde noch kein US-Präsident durch ein Impeachment-Verfahren des Amtes enthoben.

Video: Impeachment - wie geht das?

aar/dpa

insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
zausi 30.09.2019
1. Unglaublich dieser President..
Einfach an Regeln halten, Personal mit Respekt behandeln. Dann bräuchte auch keiner auf Verfehlungen eines Vorgesetzten hinzuweisen.....
Actionscript 30.09.2019
2. Deshalb heissen sie Whistleblower,...
...weil sie besonderen Schutz geniessen, unter Anderem, unerkannt zu bleiben. Trump hat natürlich davon mal wieder keine Ahnung und schlägt aus. Die Tatsache, dass dies Telefongespräch geleakt wurde, zeigt, wie schwerwiegend die Vorwürfe gegen Trump sind. Von daher ist ein Verfahren gegen Trump absolut gerechtfertigt. Selbst auf Fox News gibt es mittlerweile Stimmen, die Trump angreifen. Die Republikaner werden natürlich ein Impeachment von Trump verhindern wollen. Denn Trump hat eine hörige Gefolgschaft, und ohne Trump ist die Macht der Republikaner auf Jahre hinaus gebrochen,
kuac 30.09.2019
3. Treffen
Falls ich der "Ankläger" wäre, würde ich ihn nicht alleine treffen wollen. Er könnte tatsächlich mich erschiessen und dennoch keine Wählerstimme verlieren. Zitat von Trump: "I Could Stand In the Middle Of Fifth Avenue And Shoot Somebody And I Wouldn't Lose Any Voters"
TexasGerman 30.09.2019
4. Trump hat recht
Giuliani, der Anwalt von Trump, hat völlig zu Recht eine Untersuchung gegen den Sohn von Joe Biden, Hunter Biden gefordert. Joe Biden hat als ehemaliger Vizepräsident die Entlassung von Shokin gefordert, weil dieser gegen seinen Sohn ermittelte wegen Korruption. Er drohte dem damaligen Präsidenten der Ukraine 1 Milliarde in Wirtschaftshilfe zu streichen. Trump hat hier absolut recht, Joe Biden und Hunter Biden gehören untersucht. Giuliani hat das die letzten wiederholt und eine Untersuchung gefordert. Die deutsche Presse berichtet hier sehr schlecht, sehr eindimensional und Tatsachen verzerren.
lafrentz01 30.09.2019
5. Panikmodus
beim Potus. Wirkt doch sehr wie aus Saturday Night Live. Mit solchen verzweifelten Rundumschlägen kann er höchstens noch bei Wahlkampfauftritten in Zentralohio vor seiner Fanbase punkten. Langsam glaube ich ein amerikanischer politischer Analyst, dessen Name ich vergessen habe, hat Recht, als er Trump mit Tyson verglich: er kann sich nur selbst schlagen und das tut er gerade.
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