Stefan Kuzmany

Trumps Kriegsdrohung Russisches Roulette

Donald Trump kündigt einen Raketenangriff auf Syrien an - und äußert sich via Twitter dabei so, als wolle er direkt russische Ziele bombardieren. Das ist unverantwortlich, er riskiert einen Krieg der Großmächte.
US-Soldaten an Bord der USS "Donald Cook" im Mittelmeer

US-Soldaten an Bord der USS "Donald Cook" im Mittelmeer

Foto: REUTERS/ U.S. Navy

Die Lage in Syrien - das ist nicht neu - ist schrecklich. Nach wie vor führt der syrische Präsident Baschar al-Assad einen grausamen Krieg gegen die eigene Bevölkerung, unterstützt von Russland, und weitgehend teilnahmslos betrachtet von der sogenannten westlichen Welt. Der mutmaßliche Giftgasangriff auf die Rebellenhochburg Duma am vergangenen Samstag, bei dem nach Angaben der Hilfsorganisation Weißhelme mindestens 42 Menschen getötet worden sind, ist nur die jüngste einer langen Reihe unmenschlicher Grausamkeiten dieses Kriegs.

Doch jetzt scheint der Westen reagieren zu wollen. Der Einsatz von Chemiewaffen ist international geächtet. "Wir können solche Grausamkeiten nicht zulassen", sagte US-Präsident Donald Trump zu Beginn einer Kabinettssitzung am Dienstag. Zuvor hatte schon der französische Präsident Emmanuel Macron von der Möglichkeit gesprochen, "chemische Kapazitäten" des syrischen Regimes anzugreifen. Während die USA und die EU sich über die syrische Urheberschaft des Giftgasangriffs einig sind, bestreitet Assads Verbündeter Russland diesen vehement. Vorschläge für eine Resolution des Uno-Sicherheitsrats blockierten USA und Russland gegenseitig.

So ist schon die Frage, ob es möglich, sinnvoll und hilfreich ist, Syrien mit einem gezielten Militärschlag für den Einsatz von Chemiewaffen zu bestrafen, schwer zu beantworten. Solange es keine unabhängige, also von allen Seiten anerkannte Untersuchung des Angriffs auf Duma gibt, wird es immer möglich bleiben, die Legitimität einer solchen Strafmaßnahme in Zweifel zu ziehen.

Grundsätzlich ist es sowieso immer beschönigend, von gezielten, "smarten" oder "chirurgischen" Bombardierungen zu sprechen. Immer wird dabei in Kauf genommen, auch Unschuldige zu treffen. Und dass Assads Schreckensherrschaft mit einem US-Vergeltungsschlag ins Wanken gerät, ist kaum zu erwarten. Solange Russland ihn stützt, wird er bleiben. Es wird keinen Frieden in Syrien gegen Russland geben.

Donald Trump

Donald Trump

Foto: Evan Vucci/ AP

Donald Trump: "Mach dich bereit, Russland"

Und trotzdem kann man zu dem Schluss kommen, dass ein solcher Angriff jetzt nötig und richtig ist: zumindest als symbolischer Akt. Der Westen muss zeigen, dass er Assad nicht jede Grausamkeit durchgehen lässt. Dass ihm nicht völlig egal ist, was in Syrien geschieht. Dass es eben doch noch rote Linien gibt, die nicht überschritten werden dürfen. Und dass der Einsatz von Chemiewaffen nicht straflos bleibt für den, der sie einsetzt.

Allerdings müsste eine solche gezielte Strafmaßnahme dann eben genau das sein: gezielt. Angesichts der furchterregend instabilen Lage in der Region und den vielen Akteuren auf dem syrischen Schlachtfeld müsste sehr klar darauf geachtet werden, gegen wen sich die Strafaktion richtet und welchen Umfang sie hat. Mit anderen Worten: Um keine Eskalation zwischen den Großmächten heraufzubeschwören, müssten die USA peinlich genau deutlich machen, dass sie auf das syrische Militär zielen, nicht auf Russland.

Und was tut Donald Trump? Dass eine abgewogene Wortwahl nicht die Sache des US-Präsidenten ist, weiß man mittlerweile. Doch in seiner Ankündigung eines Raketenangriffs auf Syrien bedient er sich einer Ausdrucksweise, die so klingt, als lege er es auf eine direkte militärische Konfrontation mit Russland geradezu an. Als sei nicht etwa das Regime in Damaskus, sondern Moskau das Ziel der Strafaktion, schreibt Trump auf Twitter: "Mach dich bereit, Russland, denn sie (die Raketen) werden kommen."

Es besteht zwar durchaus die Gefahr, dass russische Soldaten unabsichtlich von einem US-Schlag getroffen werden - aber Trump suggeriert, dass das absichtlich geschehen könnte. Ein Land, das sich sowieso vom Westen umzingelt und gegängelt sieht, derart plump zu bedrohen, ist unverantwortlich. Eine gemeinsame diplomatische Lösung des Syrienkonflikts wird damit schwieriger denn je. Aber Trumps kindischer Ausfall ist schlimmer als das: Er provoziert einen Krieg der Großmächte. Seine Verantwortungslosigkeit ist erschreckend.

Während der Kubakrise von 1962 standen die USA und die damalige Sowjetunion kurz vor einem Krieg, der Welt drohte die Vernichtung. Der damalige US-Präsident John F. Kennedy und sein Bruder, Justizminister Robert F. Kennedy, standen unter großem Druck ihrer Generäle, mit einem Luftschlag auf Kuba die dortige Stationierung von Atomraketen zu beantworten - was womöglich zu einem Atomkrieg geführt hätte. Zum Glück hörte Kennedy nicht auf die Falken in seinem Umfeld.

Heute bleibt uns nur die Hoffnung, dass die US-Generäle verantwortungsbewusster sind als ihr Chef. Denn vom US-Präsidenten sind kein Maß, keine Vernunft, keine Besonnenheit zu erwarten.