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Eklat bei Trump-Pressekonferenz "Sie sind eine furchtbare, unverschämte Person"

Bei einer Pressekonferenz hat der US-Präsident den Medien "Feindseligkeit" unterstellt und heftig gegen einen CNN-Journalisten ausgeteilt. Dem Reporter wurde nun "bis auf Weiteres" die Akkreditierung entzogen.

US-Präsident Donald Trump gibt nur selten tatsächliche Pressekonferenzen - und wenn, dann gerät er fast jedes Mal mit den Vertretern der von ihm sogenannten Fake News aneinander. Bei seinem Statement nach den Midterm-Wahlen lieferte er sich ein besonders heftiges Wortgefecht: Auf offener Bühne zettelte Trump einen handfesten Streit mit dem CNN-Reporter Jim Acosta an. "Sie sind eine furchtbare, unverschämte Person", fuhr der Präsident den Reporter an.

"Wenn Sie Fake News in die Welt setzen, was CNN tut, dann sind Sie der Feind des Volkes", sagte Trump. CNN müsse sich schämen, einen Menschen wie Acosta zu beschäftigen. Der Reporter hatte Fragen zu den laufenden Russlanduntersuchungen von Sonderermittler Robert Mueller gestellt. Zudem diskutierten sie über die Bezeichnung für die Migranten aus Lateinamerika, die auf dem Weg in die USA sind. Trump spricht von "Invasoren".

Acosta war nicht der Einzige, den es traf: Als ein NBC-Kollege Acosta zur Seite sprang, sagte der Präsident: "Sie mag ich auch nicht besonders."

Jim Acosta (l.) mit NBC-Kollege Peter Alexander

Jim Acosta (l.) mit NBC-Kollege Peter Alexander

Foto: JONATHAN ERNST/ REUTERS

Auf die Wortmeldung einer Journalistin hin sprach Trump von "feindseligen Medien". Eine Frage einer weiteren Journalistin nach dem Zusammenhang zwischen Nationalismus und weißer Überlegenheit bezeichnete Trump als "rassistisch". Mehrmals forderte er Journalisten auf, den Mund zu halten.

Weißes Haus entzieht Acosta die Akkreditierung

Trump war bereits vor fast zwei Jahren in New York - noch vor seiner Amtseinführung - in aufsehenerregender Weise mit Acosta aneinandergeraten, weil ihm dessen Fragen nicht gefallen hatten. Nach der jüngsten verbalen Auseinandersetzung stellte sich CNN hinter Acosta: "Die andauernden Angriffe des Präsidenten auf die Presse sind deutlich zu weit gegangen", heißt es in einer Erklärung des Senders. "Wir stehen hinter Jim Acosta und seinen Kollegen überall."

Auch das Weiße Haus reagierte nun - und entzog Acosta "bis auf Weiteres" die Akkreditierung. Das teilte Trumps Sprecherin Sarah Sanders mit. In mehreren Tweets  äußerte sie sich zu der Pressekonferenz, sie lobte Trump und kritisierte die Medienvertreter.

Da Acosta einer Mitarbeiterin des Weißen Hauses das Mikrofon aus der Hand genommen und sich auch mehrfach geweigert hatte, dieses zurückzugeben, wurde dies als Anlass für den Entzug seiner Akkreditierung genommen. Trump glaube an eine freie Presse und begrüße schwierige Fragen über sich und seine Regierung, schrieb Sanders. Aber derartiges Verhalten gegenüber einer jungen Mitarbeiterin des Weißen Hauses werde "niemals toleriert".

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Die Tatsache, dass CNN stolz auf das Verhalten des Mitarbeiters sei, "ist nicht nur widerlich, es ist auch ein Beispiel für ihre ungeheuerliche Missachtung für alle, auch junge Frauen, die in dieser Regierung arbeiten".

Der Verband der im Weißen Haus akkreditierten Korrespondenten (WHCA) nannte den Entzug der Akkreditierung für Acosta "schwach und fehlgeleitet". Den Zugang zum Weißen Haus zu widerrufen stehe in keinem Verhältnis zu dem angeblichen Vergehen und sei "nicht akzeptabel", heißt es in einer Erklärung.

vks/aar/dpa
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