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03. Mai 2018, 16:19 Uhr

Schweigegeld an Stormy Daniels

Trump gibt Zahlungen an Pornodarstellerin zu

Donald Trump bestreitet zwar weiterhin eine Affäre mit Stormy Daniels. Aber der US-Präsident hat erstmals bestätigt, dass er seinem Anwalt Cohen die Zahlungen an den Ex-Pornostar persönlich erstattete.

US-Präsident Donald Trump hat auf Twitter Stellung zu den Zahlungen an Pornodarstellerin Stormy Daniels bezogen: "Geld aus dem Wahlkampf oder Wahlkampfspenden haben keine Rolle bei den Zahlungen gespielt", schrieb Trump. Damit bestätigte er erstmals, dass er dem Michael Anwalt Cohen die Zahlungen (130.000 Dollar) persönlich erstattete.

Der US-Präsident sah sich offenbar zu der Stellungnahme veranlasst, nachdem sein neuer Anwalt Rudolph Giuliani weitere Details in dem Fall genannt hatte: Demnach erstattete Trump seinem damaligen Rechtsvertreter Michael Cohen die Zahlung von 130.000 Dollar an die Pornodarstellerin. Das Geld sei von Trumps Anwalt gezahlt worden, der Präsident habe es über mehrere Monate hinweg zurückerstattet, sagte Giuliani.

Guiliani erklärte zugleich, dass die Zahlung keinen Verstoß gegen das Gesetz zur Wahlkampffinanzierung darstelle. Trumps Tweets - die anders als üblich sorgsam formuliert und offenbar zumindest von einem Juristen gegengelesen wurden - sind wohl ebenfalls als Bekräftigung dieser Aussage zu verstehen.

Denn die Zahlung gilt als juristisch brisant: Sollte sie geleistet worden sein, um kurz vor der Wahl eine negative Berichterstattung über Trump abzuwenden, hätte sie womöglich als Wahlkampfspende deklariert werden müssen. Dies geschah aber nicht, weswegen der Verdacht illegaler Wahlkampffinanzierung im Raum steht.

Der US-Präsident hatte zunächst jegliche Kenntnis von einer Zahlung an Daniels abgestritten. Zuletzt räumte er ein, dass Cohen einen "Deal" mit Clifford gemacht habe.

Video: Anwalt von Stormy Daniels sieht Ende von Trumps Amtszeit

Stephanie Clifford - so der bürgerliche Name der Pornodarstellerin - hatte zwölf Tage vor der Präsidentschaftswahl 2016 eine Vereinbarung mit Cohen unterzeichnet, in der sie sich verpflichtete, nicht öffentlich über eine angebliche Affäre mit Trump zu sprechen. Im Gegenzug zahlte Cohen ihr 130.000 Dollar (nach heutigem Wert 105.000 Euro). An die Schweigevereinbarung fühlt sich Clifford inzwischen nicht mehr gebunden, sie liegt darüber mit Cohen im Rechtsstreit.

Cohen steht zurzeit selbst im Visier der Justiz. Vor einigen Wochen beschlagnahmten Ermittler bei ihm umfangreiches Aktenmaterial. Möglicherweise ist Trumps Anwaltsteam nun zu dem Schluss gekommen, dass Trumps Zahlungen an Cohen in den Ermittlungen ohnehin aufgeflogen wären.

mho/als/Reuters/AFP

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