Trump zur Russlandaffäre "Ein Treffen, um Informationen über einen Widersacher zu erhalten"

Im US-Wahlkampf sollen russische Offizielle dem Sohn von Donald Trump "Schmutz" über Hillary Clinton angeboten haben. Daran dürften nach einer Twitter-Tirade des Präsidenten nun keine Zweifel mehr bestehen.
Donald Trump

Donald Trump

Foto: LEAH MILLIS/ REUTERS

Seit Beginn seiner Präsidentschaft wird Donald Trump von der Russlandaffäre verfolgt. Dabei spielt eine Episode aus dem Sommer 2016 eine zentrale Rolle: Damals soll ein Team um Trumps Sohn Donald Trump Jr. sich in New York mit russischen Offiziellen getroffen haben, um im Wahlkampf nützliche Informationen über die Rivalin Hillary Clinton zu erhalten.

Genau das hat der US-Präsident nun in überraschender Klarheit bestätigt. In mehreren Tweets erläuterte er seine Sicht der Dinge auf das Treffen, das auch Gegenstand der offiziellen Ermittlungen des FBI in der Russlandaffäre ist.

"Das war ein Treffen, um Informationen über einen Widersacher zu erhalten", schreibt Trump - und meint damit offenkundig seine damalige Widersacherin Clinton. Das sei völlig legal und in ähnlicher Form so zu allen Zeiten Teil von Politik gewesen. In diesem Fall habe es zudem zu nichts geführt.

Was Trump verschweigt: In den USA ist es Wahlkämpfern verboten, Geld oder wertvolle Informationen von Ausländern zu erhalten.

Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, sein Sohn Donald Jr. und sein damaliger Wahlkampfleiter Paul Manafort hatten sich fünf Monate vor der Präsidentschaftswahl 2016 im Trump Tower in New York mit der russischen Anwältin Natalia Weselnizkaja verabredet. Weselnizkaja hatte Informationen der russischen Regierung angeboten, welche angeblich die demokratische Präsidentschaftskandidatin Clinton belasteten.

Trumps jetziger Tweet widerspricht augenscheinlich jenen Angaben, die sein Sohn im vergangenen Jahr über das fragliche Treffen gemacht hatte. Laut "Washington Post"  hatte Trump Jr. im Juli 2017 ein Statement veröffentlicht, wonach es bei dem Treffen im Trump Tower vor allem um Adoptionen russischer Kinder durch US-Amerikaner gegangen sein soll.

In einem anderen zentralen Punkt bleibt der US-Präsident indes bei der Version des Geschehens, die sein Lager seit Monaten verbreitet: Er selbst habe damals nichts von dem Treffen gewusst, behauptet er nun erneut in einem seiner Tweets. Der US-Präsident, sein Sohn, seine Anwälte und weitere Regierungsmitglieder hatten stets behauptet, Trump habe davon erst erfahren, als Medien im Juli 2017 darüber berichteten.

Daran gibt es seit Langem Zweifel. Zuletzt soll Trumps früherer Anwalt Michael Cohen das Gegenteil behauptet haben. Cohen selbst war eigenen Angaben zufolge anwesend, als Donald Trump Jr. seinem Vater von einem entsprechenden Angebot aus Russland angeblich berichtete. Trump habe das Treffen gutgeheißen in der Erwartung, "Schmutz" über Hillary Clinton zu erfahren.

Trumps früherer Anwalt Michael Cohen

Trumps früherer Anwalt Michael Cohen

Foto: Seth Wenig/ AP

Dem US-Nachrichtensender CNN zufolge fehlen Cohen für seine Behauptungen die Beweise, etwa Tonaufnahmen. Der Anwalt sei allerdings bereit, seine Aussage gegenüber dem FBI-Sonderermittler Robert Mueller zu wiederholen. Mueller untersucht die mutmaßlichen Einmischungen der russischen Regierung in den US-Wahlkampf. Er hat bislang 31 Menschen angeklagt, darunter zwölf russische Geheimdienstmitarbeiter.

mxw