Rückkehr zu G8 EU schmettert Trumps Russland-Plan ab

G8 statt G7? Donald Trump will Russland wieder in den Kreis der führenden Industriestaaten zurückholen. Die EU lehnt den US-Vorstoß ab - nur Italien schert aus.
US-Präsident Donald Trump

US-Präsident Donald Trump

Foto: NICHOLAS KAMM/ AFP

"Russland sollte am Verhandlungstisch sitzen." Mit diesem Vorschlag sorgte US-Präsident Donald Trump kurz vor Beginn des G7-Gipfels in Kanada erneut für Zwist mit den anderen Teilnehmern des Treffens.

An die G7-Partner gerichtet sagte Trump: "Sie haben Russland rausgeworfen, sie sollten Russland auch wieder hineinlassen." Die Aufgabe sei es, die Welt zu organisieren, und dazu werde Russland gebraucht. "Ich war Russlands schlimmster Albtraum, aber Russland sollte in diesem Treffen dabei sein."

Russland war wegen der Annexion der ukrainischen Krim 2014 aus der Gruppe ausgeschlossen worden. Weil der Status der Krim unverändert ist, war eine Rückkehr bisher kein Thema.

Doch ist Trumps Vorstoß überhaupt realistisch? Die EU jedenfalls hält nichts von einer Rückkehr Russlands und einem Comeback der G8. Die 7 sei eine gute Zahl, sagte EU-Ratspräsident Donald Tusk. Zudem habe der Kreml bereits deutlich gemacht, dass er an dem Format gar nicht so sehr interessiert sei.

Tusk ergänzte aber auch, dass ihm das Verhalten des US-Präsidenten "große Sorge" bereite. Trump hatte bereits zuvor mit mehreren Vorstößen seine westlichen Verbündeten vor den Kopf gestoßen - das gilt vor allem für die von den USA verhängten Strafzölle.

Italienische Regierung unterstützt Trump

Abgelehnt wurde Trumps G8-Plan auch von Frankreich. Eine Rückkehr von Russland sei nicht logisch, heißt es laut Nachrichtenagentur Reuters in der Umgebung von Präsident Emmanuel Macron.

Kanzlerin Angela Merkel hatte eine Rückkehr Russlands in den Kreis bereits bei ihrer ersten direkten Fragestunde im Bundestag ausgeschlossen, Außenminister Heiko Maas ebenso. Auf die Frage eines AfD-Abgeordneten, ob es nicht geboten sei, den Kontakt zu Russland zu intensivieren, sagte Merkel, das G8-Format sei auf die Achtung des Völkerrechts ausgerichtet. "Die Annexion der Krim ist ein flagranter Bruch des Völkerrechts gewesen." Deshalb sei der Ausschluss Russlands aus der Gruppe richtig.

Italiens neuer Ministerpräsident Giuseppe Conte hingegen unterstützt Trumps Forderung, Russland wieder aufzunehmen. Die neue populistische Regierung in Italien aus Fünf-Sterne-Bewegung und rechter Lega verfolgt generell eine Russland-freundliche Linie und will sich für ein Ende der Sanktionen gegen das Land einsetzen.

Beim Handelskonflikt mit den Europäern verschärfte Trump am Freitag seinen Konfrontationskurs ebenfalls. Auch wenn es nicht gelinge, die aus seiner Sicht unfairen Verträge mit den G7-Staaten zu ändern, "kommen wir umso besser weg!", twitterte er. Kurz darauf, vor seinem Abflug nach Kanada, erneuerte er seine Absicht, die US-Handelsdefizite zu korrigieren. Zugleich gab er sich zuversichtlich: "Wir werden uns alle verstehen."

als/dpa/AFP/Reuters
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