Michael Cohen Trumps Ex-Anwalt ruft zur Wahl gegen Republikaner auf

"Schnappen Sie sich Ihre Familie, schnappen Sie sich Ihre Freunde, schnappen Sie sich Ihre Nachbarn": Der frühere Anwalt des US-Präsidenten hat eine deutliche Empfehlung für die Midterm-Wahlen ausgegeben.

Michael Cohen
AFP

Michael Cohen


Feinde fürs Leben: Der langjährige Anwalt von US-Präsident Donald Trump, Michael Cohen, hat für Stimmen gegen Trumps Republikaner bei der bevorstehenden Kongresswahl geworben. "Hier ist meine Empfehlung", sagte Cohen, der sich mit Trump überworfen hat, am Freitag einer Reporterin des Senders CNN in New York. "Schnappen Sie sich Ihre Familie, schnappen Sie sich Ihre Freunde, schnappen Sie sich Ihre Nachbarn, gehen Sie zur Wahl. Falls nicht, werden Sie weitere zwei oder weitere sechs Jahre von dieser Verrücktheit haben."

Cohen spielte auf die verbliebenen zwei Jahre von Trumps Präsidentschaft an - und auf dessen mögliche Wiederwahl 2020 für eine weitere vierjährige Legislaturperiode. Cohen war kürzlich zu den oppositionellen Demokraten zurückgekehrt und hatte sich von den Werten der Trump-Regierung distanziert. Unter den Demokraten gibt es Forderungen, ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump einzuleiten. Dass Trump aber tatsächlich des Amtes enthoben wird, ist nach derzeitigem Stand unwahrscheinlich.

Ein solches Verfahren müsste von einer Mehrheit im Abgeordnetenhaus beschlossen werden, der Senat müsste dann mit einer Zweidrittelmehrheit für eine Amtsenthebung stimmen. Den Demokraten werden zwar Chancen eingeräumt, bei den Kongresswahlen am 6. November eine Mehrheit im Abgeordnetenhaus und eventuell sogar im Senat zu erobern. Eine Zweidrittelmehrheit im Senat ist aber ausgeschlossen.

Cohen hatte sich im August vor einem Gericht in New York schuldig bekannt und ausgesagt, er habe im Auftrag Trumps Schweigegeld an zwei Frauen gezahlt. Die beiden Frauen behaupten, eine Affäre mit Trump gehabt zu haben, was dieser bestreitet. Das Geld soll gezahlt worden sein, um Schaden vom Wahlkampf des damaligen Präsidentschaftskandidaten abzuwenden. Es wäre damit womöglich ein Wahlkampfbeitrag, der strengen gesetzlichen Vorschriften unterliegt.

mkl/dpa

insgesamt 20 Beiträge
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tailspin 19.10.2018
1. Cohens Rochus kann ich verstehen
Trump hat Cohen, mit dem er jahrelang zusammengearbeitet hat, einfach fallen lassen, als dieser im Visier von Sonderermittler Mueller gelandet war. Da ist zwar nichts russlandspezifisches rausgekommen. Das war dennoch ausserst schwach. Solidaritaet ist eine Zweibahnstrasse. Das hat zwar nicht unmittelbar etwas mit Trumps Regierungsstil zu tun, man kann aber einiges daraus ableiten.
weem 19.10.2018
2. Jeder liebt den Verrat - niemand den Verräter
Vorab..Bin wahrlich kein Trumpist und würde mir lieber einen rostigen Nagel durch die Kniescheibe schlagen als den Mann zu wählen. Aber als langjähriger enger Mitarbeiter von Trump hat er als Anwalt sicher mit geholfen, so ziemlich jeden Schweinkram seines Capo di Capi so gut wie es geht aus der Welt zu schaffen. Nach dem er nun selbst in größte Schwierigkeiten kommt, spielt er nun das Fähnchen im Wind, wechselt das Lager und schießt erfolglos um sich. Entweder er legt endlich schwergewichtige Beweise auf den Tisch oder er verkriecht sich. Der Typ ist einfach nur erbärmlich..
jkbremen 19.10.2018
3. Mietmaul
nennt man diese Sorte Anwalt. Völlig egal was so einer heute empfiehlt.
dunnhaupt 19.10.2018
4. Wahl in der ersten Novemberwoche
Die Demokraten sollten sich lieber bemühen, mal wieder an der Wahlurne zu gewinnen, statt im Schmutz zu wühlen. Es ist doch offensichtlich, dass sie bis heute nichts juristisch Verwendbares aufdecken konnten.
fatal.justice 19.10.2018
5. Sicherlich, aber...
Zitat von weemVorab..Bin wahrlich kein Trumpist und würde mir lieber einen rostigen Nagel durch die Kniescheibe schlagen als den Mann zu wählen. Aber als langjähriger enger Mitarbeiter von Trump hat er als Anwalt sicher mit geholfen, so ziemlich jeden Schweinkram seines Capo di Capi so gut wie es geht aus der Welt zu schaffen. Nach dem er nun selbst in größte Schwierigkeiten kommt, spielt er nun das Fähnchen im Wind, wechselt das Lager und schießt erfolglos um sich. Entweder er legt endlich schwergewichtige Beweise auf den Tisch oder er verkriecht sich. Der Typ ist einfach nur erbärmlich..
... zu verstehen ist diese Reaktion seitens Cohens dennoch. Denn, die Art und Weise wie der derzeitige US-Präsident vormalige - sagen wir mal: Handlanger - durch´s Klosett entsorgt, ist sogar für die Hartgesottensten eine recht starke Triebfeder, zeitnahe Rache zu üben. Gerade noch so kurzfristig, um für die Midterms ein weiteres Prozentpünktchen an Malus zu produzieren. Außerdem - und damit wohl der ausschlaggebendere Aspekt - ist, sich selbst in einem positiveren Licht darzustellen, solange einem noch die Strafverfolgungsbehörden und die Justiz an den eigenen Hacken klebt. Der Mann ist Jurist und damit firm darin, die letzten Winkel des Fluchttunnels ausgiebiger ausgeleuchtet zu haben, als jeder, der einer anderen Berufsgruppe angehört. Gerade diese Eigenschaft machte ihn in der Vergangenheit für das "Subjekt" im Weißen Haus fast unentbehrlich. Cohen ist wohl wie kein Zweiter über die Machenschaften und Umtriebe des obersten Nestbeschmutzers informiert. Dies wird ihm in naher Zukunft zum Vorteil gereichen... Und sei es, er schreibt im Knast ein Buch. ;) Andererseits - womöglich wird er aber bis dahin auch von einer Brücke gehopst - mit einem Bekennerschreiben um die zarten Füßchen zementiert.
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