Vorwürfe gegen Trump-Team Ex-BND-Chef nennt Untersuchung in Russland-Affäre "absolut gravierend"

Das FBI untersucht die Russland-Affäre um den US-Wahlkampf. Was folgt daraus? Der frühere Chef des BND sieht schon jetzt das Ansehen der US-Regierung schwer beschädigt.

August Hanning in Berlin
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August Hanning in Berlin


Das FBI untersucht mögliche Absprachen zwischen dem Wahlkampfteam von Donald Trump und der russischen Regierung - ein "absolut gravierender, einmaliger Vorgang", kommentiert das der ehemalige Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), August Hanning. Der "Bild"-Zeitung sagte er: "Allein die Tatsache, dass Ermittlungen gegen den US-Präsidenten eingeleitet werden, sei bemerkenswert."

FBI-Chef James Comey hatte in einer Anhörung vor dem Geheimdienstausschuss zu der Russland-Affäre gesagt, es gehe es um die Frage, ob es eine "Koordination" zwischen Trump-Mitarbeitern und Moskau gegeben habe. Untersucht werde auch, ob Straftaten begangen wurden.

Den Schritt wertete Hanning als "absolut ungewöhnlich". Es gebe "viele Gerüchte, aber offenbar nun auch konkrete Hinweise darauf, dass es enge Kontakte vom Trump-Team zu russischen Behörden gab", sagte Hanning der "Bild".

Trotzdem hält das Weiße Haus an seinem Konfrontationskurs in der Causa fest. "Zu ermitteln und Beweise zu haben, sind zwei verschiedene Dinge", sagte Regierungssprecher Sean Spicer. Ranghohe Geheimdienstmitarbeiter hätten offiziell gesagt, dass es keinen Beweis für eine Trump-Russland-Absprache gebe, behauptete er weiter.

Auch bezüglich der Abhörvorwürfe Trumps an Barack Obama sei das letzte Wort noch nicht gesprochen, sagte Spicer. Obwohl Comey bei der Kongressanhörung aussagte, dass weder das FBI noch andere Behörden über Informationen verfügten, die die Vorwürfe stützten, sieht die Trump-Regierung weiteren Klärungsbedarf.

Demonstrative Distanz

Der FBI-Direktor Comey sowie der ebenfalls befragte Chef des Geheimdienstes NSA, Mike Rogers, wollten sich jedoch nicht dazu äußern, ob Belege für Absprachen zwischen dem Team des Republikaners und Moskau aufgetaucht sind und welche Trump-Mitarbeiter im Fokus stehen.

Womöglich soll aber der Ex-Wahlkampfmanager des US-Präsidenten, Paul Manafort, eine besondere Rolle bei den FBI-Untersuchungen spielen. Das Weiße Haus ging auf demonstrative Distanz zu dem ehemaligen Trump-Vasallen: Manafort habe im Wahlkampf nur "eine sehr begrenzte Rolle" gespielt, sagte Spicer. Er habe zudem nur "eine sehr begrenzte Zeit" für Trump gearbeitet.

Manafort war mehrere Monate lang Chef von Trumps Wahlkampfteam gewesen. Der Politikberater, der enge Kontakte nach Russland und in die Ukraine pflegt, geriet jedoch wegen dubioser Zahlungen aus der Ukraine unter Druck. Im August trennte sich Trump von ihm.

"Bereit , die Schande weiterzumachen"

Im internationalen Presseecho fällt die Bewertung der Ausschussaussagen von Comey und Rogers recht eindeutig aus. "Trumps Wahlkampfteam hat das Weiße Haus beschmutzt", schreibt der britische "Guardian". Diese Fakten werde Trump aber vermutlich nicht einmal zur Kenntnis nehmen. "Er ist bereit, in Schande weiterzumachen." Die "Neue Zürcher Zeitung" schreibt: "Der amerikanische Präsident ist damit der Lüge und Verleumdung überführt worden." FBI-Untersuchungen würden zudem nicht leichthin eingeleitet; sie bedingten klare Hinweise auf mögliche Straftaten.

In den kommenden Wochen sollen in der Russland-Affäre weitere öffentliche Anhörungen der Geheimdienstausschüsse des Kongresses stattfinden. Die Demokraten fordern derweil eine unabhängige Untersuchung. Diese müsse "komplett losgelöst von jeglichen politischen Betrachtungen sein", forderte der Obmann der Demokraten im Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses, Adam Schiff.

vks/AFP/dpa



insgesamt 84 Beiträge
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ackergold 21.03.2017
1.
Kaum jemand hat noch irgendeinen Zweifel, dass Trump mit den Russen gemeinsame Sache im Wahlkampf gemacht hat. Die Frage ist doch eigentlich nur noch, ob es wieder an im abperlen wird, oder ob endlich mal jemand aus den permanenten Rechtsbrüchen eine veritable Konsequenz ziehen wird. Trump ist nicht nur deshalb im Amt unhaltbar.
CancunMM 21.03.2017
2.
so viel ich weiß wird doch noch gar nicht gegen Trump ermitellt, sondern gegen das Wahlkampfteam. Das ist schon ein großer Unterschied. Wobei ich natürlich glaube, dass Trump Bescheid wusste. Aber das müssen sie ihm erst mal beweisen. Und sollte das bewiesen werden, wird er nicht im Amt zu halten sein.
wasistlosnix 21.03.2017
3. Man kann gespannt sein
ob die Verdachtsmomente bewiesen werden können. Entweder wird hier weiter schmutzige Politik gemacht oder es ist was wahres dran. Auf alle Fälle beschädigt es das Amt, den Präsidenten und die USA.
nachfrager2015 21.03.2017
4. Glaubensfrage
Glaubt wirklich einer daran, dass Putin (neben 1-2 anderen Persönlichkeiten) wirklich gewusst hat das T. Präsident wird bzw. das Putin etwas organisieren kann um den Präsidenten der USA zu bestimmen? Glaubt jemand wirklich daran, dass FBI, CIA, NSA usw. gewusst haben das C. verliert und haben deshalb eine Direktive verfolgt den neuen Präsidenten T. nicht abzuhören, trotzdem Sie Gott und die ganze Welt abhören? Für mich sehe ich nur, es ist unter T. noch nicht so schlimm, wie wenn nur die Hälfte von dem passiert was C. angekündigt hat bzw. auf Ihrer Agenda stand. Lassen wir die USA doch Ihr Problem selber lösen, wir haben eins vor der Haustür.....
solltemanwissen 21.03.2017
5.
So so, "zu ermitteln und Beweise zu haben sind zwri unterschiedliche Dinge"? Das hat sich im Schmutzwahlkampf von Trump aber noch ganz anders angehört. Diese Administration und seine Anhängeeschaft ist wirklich nur nochveine einzige Lügenschleuder. Und ich dachte eigentlich, dem Republikaner George Bush kann so schnell keiner toppen. Aber da haben die Republikaner selbst einen draufgesetzt.
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