Rede über Waffenbesitz Trump fabuliert über Schüsse auf Clinton

Donald Trump hat in einer Rede nahegelegt, jemand müsse auf Hillary Clinton schießen. Seine Worte waren offenbar bewusst zweideutig gewählt, die Empörung in den sozialen Medien ist groß.
Donald Trump

Donald Trump

Foto: Evan Vucci/ AP

Der zweite Verfassungszusatz in den USA ist für konservative Amerikaner heilig. Er besagt, dass die Regierung in Washington das Recht auf den Besitz und das Tragen von Waffen nicht einschränken darf. Über eben diesen zweiten Verfassungszusatz hat nun der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump gesprochen - und die Anwendung des Artikels gegen seine demokratische Rivalin Hillary Clinton vorgeschlagen.

Trump hat seine Worte offenbar bewusst zweideutig gewählt. Auf Englisch sagte er:

"Hillary wants to abolish, essentially abolish the second amendmend. By the way and if she gets to pick (Buhrufe)… If she gets to pick her judges nothing you can do, folks. Although the second amendment people, maybe there is. I don't know."

Die Worte lassen sich in etwa so übersetzen:

"Hillary will den zweiten Verfassungszusatz abschaffen, wirklich abschaffen. Übrigens, falls sie es schafft auszuwählen (Buhrufe)… Falls sie es schafft, ihre Richter auszuwählen, kann man nichts dagegen machen, Leute. Obwohl: Es gibt die Zweite-Verfassungszusatz-Leute, vielleicht ist es das. Ich weiß nicht."

Mit Zweite-Verfassungszusatz-Leute meint Trump die Anhänger des Waffenbesitzes. Mit Richtern sind Oberste Richter gemeint, die der US-Präsident ernennt.

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In den sozialen Medien schlägt das Thema hohe Wellen. Twitter-Nutzer weltweit werfen Trump vor, zum Mord an Hillary Clinton aufzurufen. Der zweite Verfassungszusatz wird in den USA von vielen so interpretiert, dass sich das Volk mit Waffengewalt gegen eventuelle Despoten oder eine illegitime Regierung zur Wehr setzen könne. Deshalb gilt Trumps Äußerung als verklausulierter Aufruf zum Aufstand oder Anschlag.

Trump selbst weist dies in einer Stellungnahme zurück. Er habe die Zweite-Verfassungszusatz-Leute (also Anhänger des Verfassungsartikels) lediglich erwähnt, weil sie einen "bewundernswerten Spirit" und "große politische Kraft" hätten. Und daher würden sie für ihn stimmen. Unerwähnt lässt Trump in dem Statement, dass sich die Passage in seiner Rede ganz offensichtlich auf die Zeit nach der Wahl bezieht, wenn eine Präsidentin Clinton Oberste Richter ernennen könnte.

Clintons Wahlkampfchef Robby Mook erklärte: "Was Trump sagt, ist schlicht gefährlich. Eine Person, die Präsident der Vereinigten Staaten werden möchte, sollte Gewalt in keiner Weise vorschlagen." Und Clintons Vizekandidat Tim Kaine sagte, Trumps Äußerungen ließen tief in die Seele einer Person blicken, "die vom Temperament her ungeeignet für die Aufgabe ist".

Der Vorwurf, Clinton wolle den zweiten Verfassungszusatz abschaffen, ist übrigens eine Lüge. Sie hat nie Derartiges gesagt und würde es aller Voraussicht nach auch nicht tun - allein schon, weil dies ihre Wahlchancen schmälern würde.

Trump bekommt auch Unterstützung

Auf Videos von Trumps Rede ist zu sehen, dass selbst Anhänger, die hinter ihm sitzen, bei der entscheidenden Passage zusammenzucken. Laut "New York Times" fordert der demokratische Abgeordnete Eric Swalwell den Secret Service auf, eine Untersuchung gegen Trump einzuleiten. "Er hat dazu aufgerufen, Hillary Clinton zu töten. Wir müssen ihn beim Wort nehmen." Ähnlich äußerten sich andere Politiker:

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Es gibt allerdings auch Politiker, die sich hinter Trump stellen: Sein Vize Mike Pence sagte, der Kandidat habe "natürlich nicht" zu Gewalt aufgerufen. Das erklärte auch New Yorks ehemaliger Bürgermeister Rudy Giuliani vor Trump-Anhängern in North Carolina. Trump habe sich auf Menschen bezogen "mit der Macht, gegen Clinton zu stimmen". Er warf den Medien vor, voreingenommen zu sein. Die jüngsten Berichte zu Trump seien widerlich.

Die amerikanische Waffenlobby zeigte sich von der Aufregung unberührt und stellte sich demonstrativ hinter Trump:

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wal/aar/AP
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