Trumps Reaktion auf Raketentest Planlos gegen Nordkorea

US-Präsident Trump hatte eine rote Linie gezogen: Er werde nicht zulassen, dass Nordkorea Langstreckenwaffen baut. Doch das Regime setzt sein Atomprogramm fort - und seine Raketen werden gefährlicher.

Japanischer Premier Abe, US-Präsident Trump
REUTERS

Japanischer Premier Abe, US-Präsident Trump

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Ballistische Interkontinentalraketen, die mit Atomsprengköpfen bestückt die USA erreichen könnten: Dieses Bedrohungsszenario propagiert das Regime in Nordkorea gerne, um den Westen zu schrecken. Noch ist es eine Ankündigung, das Land ist nicht in der Lage, eine solche Rakete herzustellen. Nach Angaben von US-Präsident Donald Trump wird es dazu auch nicht kommen: "It won't happen!", twitterte er vor wenigen Wochen als Reaktion auf erneute Provokationen aus Pjöngjang - und zog damit eine rote Linie. Soll heißen: Bis hier hin und nicht weiter, sonst drohen ernste Konsequenzen.

Doch Kim Jong Un lässt sich nicht von seinem Atomprogramm abbringen, es stellt eine der wichtigsten Stützen seiner Diktatur dar. Am Sonntag testete das Regime - nach eigenen Angaben "erfolgreich" - eine Mittelstreckenrakete vom Typ Pukgukson-2. Sie soll von einem Stützpunkt im Westen Nordkoreas abgefeuert worden sein und fiel nach 500 Kilometern ins Japanische Meer. Der südkoreanische Geheimdienst geht davon aus, dass die Rakete mehr als 2000 Kilometer weit fliegen könnte.

Machthaber Kim Jong Un ließ anschließend verkünden, dass er sehr zufrieden sei über den Besitz eines "weiteren starken Mittels zur nuklearen Attacke, das zu der gewaltigen Macht des Landes beiträgt".

Nordkorea "mit Taten" zur Verantwortung ziehen

Pentagon-Sprecher Jeff Davis zufolge kann das Regime mit dem neuen Test tatsächlich technische Fortschritte vorweisen: So werde die neue Rakete mit festem Brennstoff angetrieben statt wie bisher mit flüssigem. Außerdem habe Nordkorea offenbar selbst ein mobiles, geländegängiges Abschussgerät gebaut, von dem die Rakete abgefeuert wurde. Das mache es den USA und deren Verbündeten schwerer, die Abschüsse vorherzusehen und darauf zu reagieren, sagte Davis.

Nordkoreas Abschuss der Mittelstreckenrakete
AFP/ KCNA VIA KNS

Nordkoreas Abschuss der Mittelstreckenrakete

Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, erklärte, es sei Zeit, Nordkorea zur Verantwortung zu ziehen, "nicht mit unseren Worten, sondern mit unseren Taten". Der Sicherheitsrat verurteilte den Test einstimmig als "ernsthafte Verletzung" von Uno-Resolutionen, hat aber außerhalb der seit 2006 stetig verschärften Sanktionen gegen das Regime bislang keine weiteren Aktionen geplant.

Der US-Präsident hat offenbar ebenfalls noch keine Strategie, wie er das Atomprogramm Nordkoreas stoppen kann. Sicher ist aber, dass er die Bedrohung ernst nimmt. Bei der Pressekonferenz am Montag antwortete Trump auf die Frage, was seiner Meinung nach das größte Sicherheitsproblem für die Vereinigten Staaten sei: "Nordkorea ist offensichtlich ein großes, großes Problem, bei dem wir sehr hart durchgreifen werden."

Auch dass er sich nun China wieder annähert, nachdem er die Regierung in Peking mehrfach düpiert hatte, wird als Zeichen gewertet, dass Trump nun doch auf ein gutes Verhältnis zu dem Nordkorea-Verbündeten hofft. Die Volksrepublik ist der wichtigste Handelspartner des Kim-Regimes und ist selbst irritiert angesichts der immer stärkeren Drohungen aus Pjöngjang. Gleichzeitig zögert Peking aber noch, den Druck auf das Regime zu verstärken.

Trump hat wenige Optionen

Dafür machte der japanische Premier Shinzo Abe bei seinem Besuch in Washington klar, dass er von der Trump-Regierung eine härtere Linie gegen Nordkorea erwarte. "Ich glaube, dass die USA sich deutlicher gegen Nordkorea positionieren werden, das ist sicher", sagte Abe dem Nachrichtensender NHK.

Wie aber soll Trump verhindern, dass die rote Linie überschritten wird? Will er mit dem Regime verhandeln? Oder militärisch eingreifen? Mehr Optionen hat er nicht.

"Verhandlungen wären einen Versuch wert, auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass sie erfolgreich sein werden", sagt James Acton vom Thinktank "Carnegie Endowment for international Peace". Dafür müssten die USA China als Vermittler gewinnen. Im besten Fall könnte ein Deal ausgehandelt werden: Hilfslieferungen aus den USA an die teils hungernde Bevölkerung in Nordkorea, im Gegenzug gibt Kim das Atommacht-Streben auf.

Ein militärisches Eingreifen aber - etwa indem Fabriken bombardiert werden, in denen Materialien für das Atomprogramm hergestellt werden - wäre ebenso aussichtslos. "Das kann das Vorhaben Nordkoreas nur verzögern, bestenfalls für ein paar Jahre", sagt Acton. Für einen dauerhaften Effekt müsste auch der Beschuss dauerhaft anhalten.

Welche Option Trump favorisiert, darüber waren sich die Experten schon bei seinem "Es wird nicht passieren"-Tweet uneinig. Und auch sechs Wochen später gibt es noch keine konkreten Hinweise auf eine Strategie. "Das ist das Problem bei seiner Außenpolitik", sagt Acton. Normalerweise gehe einer Stellungnahme des Präsidenten zu einem solch sensiblen Thema ein Prozess voraus. "In diesem Fall sieht es so aus, als habe es den nicht gegeben."

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schwerpunkt 14.02.2017
1.
Verhandlungen mit Nord-Korea werden erfolglos sein, so lange China seine schützende Hand darüber hält. Eine militärische Option ist in dem Fall die scheinbar einzige Option, bei der gezielt mobile Startanlagen und sonstige Raketenstartanlagen zerstört werden. Allerdings ist so ein Schlag nicht sonderlich nachhaltig, da diese dann eben neu gebaut werden und NK noch aggressiver agieren wird, um sein Gesicht zu wahren. Zwar langfristig angelegt aber wohl mit die vielversprechendste Option wäre mit China derart zu verhandeln, dass diese sich des "Problems" annehmen. Die USA und ihre Verbündeten vor Ort haben keine Aktien in Nord-Korea und werden sich auch hüten sich diesen marode Knochen ans Bein zu binden. Langfristig wird Nord-Korea auch zunehmend aggressiv werden und dann eventuell unkalkulierbar agieren, sobald das Regime wirklich mit dem Rücken an der Wand stehen sollte. Welche Wand das auch immer ist. Das nun auch in den USA ein nicht kalkulierbarer Mensch Präsident ist, macht die Sache wohl nicht einfacher.
Pfaffenwinkel 14.02.2017
2. Eine Lösung des Problems
dürfte nur über China zu erreichen sein. Alles andere ist sinnlos, es würde stets nur die Bevölkerung treffen.
Ein kleiner Idiot 14.02.2017
3. Schlechte Deals...
...sind doch nicht die des Donalds alleine in White House im Bademantel. "Hilfslieferungen aus den USA an die teils hungernde Bevölkerung in Nordkorea, im Gegenzug gibt Kim das Atommacht-Streben auf." Und der wäre im Vergleich zum Irandeal von Obama ein weitaus schlechterer. Wer soll denn in Nordkorea prüfen, dass der Diktator vor Ort sich an etwas hält ohne das Leben zu verlieren?
darthmax 14.02.2017
4. Problemlösung
solange China Nordkorea schützt ist die Lösung militärisch oder wirtschaftlich unmöglich. Der Versuch über Lebensmittelhilfen eine Annäherung zu erreichen ist gescheitert, in der Konsequenz Hungersnot. Also führt der Weg nur über China, wobei man nicht vergessen darf, wieviele Chinesen bei der Rettung des Kommunismus in Korea Ihr Leben verloren haben. Vielleicht ist aber gerade Herr Trump der geeignete Präsident dafür, denn alle vor Ihm waren ja erfolglos.
Jimbofeider 1 14.02.2017
5. Ebenbürtig
Trump sollte sich gut überlegen wie er mit dem Nord Koreanischen Diktator verfährt, der ist ihm von Persönlichkeitstruktur ebenürtig, das kann leicht nach hinten los gehen!
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