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20. Juni 2016, 16:38 Uhr

Republikaner in der Krise

Donald Trump feuert seinen Wahlkampfchef

Von , Washington

Es ist eine Art Notbremse: Angesichts dramatisch sinkender Umfragen und wachsender Skepsis in der Partei hat Donald Trump seinen Wahlkampfmanager entlassen.

Die anhaltende Kritik an seinem Auftreten macht offenbar doch Eindruck auf Donald Trump: Der republikanische Präsidentschaftsbewerber hat am Montag seinen Wahlkampfchef Corey Lewandowski gefeuert. Lewandowski arbeite nicht mehr für die Kampagne, teilte Trumps Sprecherin mit.

Dass der Präsidentschaftskandidat versuchen würde, seinen Wahlkampf neu aufzustellen, hatte sich in den vergangenen Tagen bereits angedeutet. Dass es seinen bislang engsten Vertrauten treffen würde, ahnte bei den Republikanern jedoch kaum jemand. Nun soll Trumps Chefberater Paul Manafort den Job offenbar übernehmen - ein Wahlkampfveteran der Republikaner, den der Milliardär vor einigen Monaten in sein Team holte.

Mit dem Schritt versucht Trump auch, seinen Gegnern den Eindruck zu vermitteln, er wolle die Weichen für den Hauptwahlkampf grundsätzlich neu stellen. Zuletzt hatten Parteifreunde ihn massiv für seine Reaktion auf das Massaker von Orlando kritisiert. Auch seine Äußerungen in Richtung eines mexikanischstämmigen Richters waren bei den Republikanern auf Entsetzen gestoßen.

Die Irritation über Trump ist bei den Republikanern inzwischen so groß, dass manche in der Partei sogar wieder damit liebäugeln, den 70-Jährigen auf dem Parteitag im Juli durch eine Änderung der Delegiertenregeln noch zu verhindern.

Für Panik unter Republikanern sorgen nicht zuletzt die jüngsten Umfragen. Sämtliche aktuelle Erhebungen sehen Trump deutlich hinter der Demokratin Hillary Clinton. 70 Prozent der Amerikaner haben inzwischen ein negatives Bild vom New Yorker Milliardär - der höchste je gemessene Wert für ihn. In manchen Wählergruppen - etwa den Afroamerikanern und Latinos - scheint er praktisch nicht mehr verankert zu sein. Zweidrittel der Wähler halten Trump für nicht vorbereitet, um ins Weiße Haus zu ziehen.

Trump steckt seit Wochen in einem Dilemma. Seine Strategie aus dem Vorwahlkampf, mit spektakulären und teils irrationalen Vorschlägen die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und so seine Gegner vor sich her zu treiben, scheint im Rennen gegen Hillary Clinton nicht zu funktionieren.

Doch ein Imagewechsel ist schwierig. Mit moderateren Positionen und einem braveren Auftreten könnte er Wähler der Mitte anziehen, sein Rückhalt unter seinen Fans würde aber womöglich bröckeln. Dass er nun Lewandowski feuerte, ist ein Zeichen dafür, dass er zumindest teilweise den Charakter seiner Kampagne ändern möchte. Der bisherige Wahlkampfchef stand eindeutig für einen rustikalen Kurs. Auf einer Tafel in seinem Büro stand seit Beginn der Kampagne das Motto geschrieben: "Lasst Trump Trump sein."

Trumps Dilemma und die Frage, wie der Hauptwahlkampf gegen Clinton geplant werden soll, sorgte zuletzt für verstärkte Verstimmungen im Team von Trump. Immer wieder gab es Berichte darüber, wie Lewandowski mit anderen wichtigen Beratern des Präsidentschaftskandidaten aneinander geraten sein soll. Lewandowski, der vor Trumps Kandidatur wenig Erfahrung in der nationalen amerikanischen Politik hatte, hatte sich über die Monate zu einer schillernden zentralen Figur im Zirkel des Milliardärs entwickelt. Der Kurs der Kampagne während der Vorwahlen war maßgeblich von ihm bestimmt worden.

Lewandowski galt auch als treibende Kraft hinter den Attacken Trumps auf das Establishment der Republikaner. Inzwischen aber zeigt sich, dass der Kandidat mehr als ursprünglich gedacht auf die Partei angewiesen ist. Er braucht die Infrastruktur der Republikaner und die Geldgeber. Beides erhält er nicht, wenn das Misstrauen ihm gegenüber derart groß ist wie jetzt. Die Trennung von Lewandowski könnte auch ein Versuch sein, das Verhältnis zur Partei ein Stück weit zu reparieren.

Wie schlecht das Verhältnis inzwischen ist, zeigt sich an der anhaltenden Debatte über mögliche Putsch-Pläne auf dem Parteitag in Cleveland. Die "Washington Post" berichtet von einem Zirkel einflussreicher Republikaner, die den Milliardär auf dem Treffen im Juli als Kandidat noch verhindern möchte.

Eine Idee ist, die Delegierten, die über die Vorwahlen eigentlich an Trump gebunden sind, von ihrer Pflicht zu entbinden, den 70-Jährigen wählen zu müssen. Die Abstimmung würde so zu einer Art Gewissensentscheidung gemacht, die freilich hochriskant wäre: Trump ist eindeutiger Gewinner der Vorwahlen. Jeglicher Versuch, ihn als Kandidat noch zu verhindern, könnte von den republikanischen Wählern als antidemokratischer Angriff verstanden werden und die Parteiführung weiter von ihrer Basis entfremden.

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