Veit Medick

Einreiseverbot für Muslime Trumps Chaostheorie

Präsidentschaftsbewerber Donald Trump will Muslimen die Einreise in die USA verbieten - und alle Welt reagiert, das Entsetzen ist groß. Genau so will der Bürgerschreck es haben. Doch keine Angst.
Einreiseverbot für Muslime: Trumps Chaostheorie

Einreiseverbot für Muslime: Trumps Chaostheorie

Foto: Sean Rayford/ AFP

Jetzt will er also die Grenzen wirklich dicht machen. Muslime, sagt Donald Trump, sollten seiner Ansicht gar nicht mehr in die USA einreisen dürfen, jedenfalls so lange nicht, bis klar sei, "was vor sich geht".

Kaum hatte der Republikaner seinen neuesten Vorstoß kundgetan, da ging es auch schon los mit der Erregung. Trumps Gegner sprachen vom Faschismus, seine Fans von einer brillanten Idee. Und während der Streit eskaliert, geht im Rest der Welt die Angst um: Kippt Amerika in den Rechtsextremismus? Was, wenn der Mann wirklich Präsident werden sollte?

Diese Reaktionen, diese Fragen, sie sind ganz nach Trumps Geschmack.

Es hat wieder mal geklappt, so wie bei der Nummer mit der Mauer oder der Sache mit der blutenden Megan Kelly. Über Obama, diesen Loser, redet niemand mehr. Wie der Anti-Terror-Kampf aussehen soll, bestimme jetzt ich.

Trump kommt aus dem Entertainment. Er hat jahrelang eine Reality-TV-Show moderiert. Niemand kennt die Regeln des Geschäfts besser als er und weil das so ist, tut der Milliardär alles dafür, dass auch die Politik nach diesen Regeln funktioniert. Je größer der Schock, desto mehr Interesse. Je mehr Interesse, desto mehr Relevanz. Je mehr Relevanz, desto stärker die Umfragewerte. Je stärker die Umfragewerte, desto wahrscheinlicher der Sieg. Das ist seine Logik.

Tabus? Gibt es in dieser Logik nicht. Sexismus, Religionen, alles taugt zur Grenzverletzung, nicht einmal die amerikanische Verfassung ist vor ihm sicher. Trumps Kandidatur lebt von der Fremden-, Frauen- und Menschenfeindlichkeit, das ist der Brennstoff, der gesellschaftliche Konflikte am einfachsten entflammt. Trump ahnt: Nur wenn Unordnung herrscht und Wut, hat er eine Chance. Es ist seine Chaostheorie.

Aus Sicht von Trump hat diese Theorie einen zweiten, besonders schönen Effekt: Er wirkt größer als er ist, seine Thesen haben ein Echo, als wäre er schon so gut wie Kandidat. Das ist absurd. Denn während die Nachrichtenagenturen Eilmeldungen über seine Vorschläge verschicken, nimmt kaum jemand wahr, welch massive Schwierigkeiten er im Rennen um die Präsidentschaft hat.

Wie groß sind Trumps Chancen wirklich?

Trump liegt in Umfragen unter Republikanern seit rund vier Monaten fast durchgehend vorne. Nur hat er es in dieser Zeit völlig versäumt, das Parteiestablishment für sich zu erwärmen. Nicht ein einziger namhafter Republikaner hat sich bisher für ihn als Präsidentschaftskandidat ausgesprochen, was ein Zeichen dafür ist, wie entschlossen die Parteielite gegen ihn zu kämpfen gedenkt.

Trump ist der Kandidat der weißen, alten Männer. Old America. Unter Minderheiten stagniert sein Rückhalt auf niedrigem Niveau. In der wichtigen Wählergruppe der Latinos ist seine Beliebtheit verschwindend gering, nur rund halb so groß wie jene von Mitt Romney im Jahr 2012. Und der verlor deutlich gegen Obama. Es gibt aus Sicht von Hillary Clinton also weitaus gefährlichere Kandidaten. Doch Trump kümmert das nicht. Er bastelt schon an der nächsten These.

Das Chaos, so glaubt er, wird's am Ende schon richten.

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