Bericht des "New Yorker" Fox News wusste offenbar schon vor US-Wahl von Stormy-Daniels-Affäre

Der US-Sender Fox News besaß einem Bericht zufolge bereits vor der Präsidentschaftswahl Informationen über die mutmaßliche Affäre zwischen Trump und einer Pornodarstellerin. Veröffentlicht wurde dies aber nicht.

Stephanie Clifford, aka Stormy Daniels
AP

Stephanie Clifford, aka Stormy Daniels


Die Geschichte hätte Donald Trump im Wahlkampf erheblich schaden können: Wie das Magazin "The New Yorker" berichtet, wusste eine Journalistin des Senders Fox News, Diana Falzone, bereits vor der Präsidentschaftswahl im November 2016 davon, dass Trump eine Affäre mit der Pornodarstellerin Stormy Daniels gehabt haben soll. Falzone soll Belege und E-Mails besessen haben, aus denen hervorgehe, dass Trumps damaliger Anwalt Michael Cohen der Darstellerin Geld zahlen wollte, damit sie über die mutmaßliche Affäre schweige.

Die Zahlung von 130.000 Dollar von Cohen an Stormy Daniels ist erst im Frühjahr 2018 durch Berichte im "Wall Street Journal" detaillierter bekannt geworden - und juristisch heikel. Denn dabei könnte es sich um einen Verstoß gegen die strengen US-Gesetze zur Wahlkampffinanzierung gehandelt haben.

Cohen hatte erst vor wenigen Tagen vor dem US-Kongress ausgesagt, Trump habe ihn angewiesen, die Schweigegeldzahlung zu übernehmen. Es sei vor der Wahl darum gegangen, um jeden Preis eine schädliche Berichterstattung über die Affäre zu verhindern, sagte Cohen. Später habe Trump ihm mit verdeckten Zahlungen das Geld erstattet.

Wie der "New Yorker" nun berichtet, lagen Fox News die brisanten Informationen zur Stormy-Daniels-Affäre zwar bereits einen Monat vor der Präsidentschaftswahl vor. Sie wurden aber nicht veröffentlicht. Ein Vorgesetzter der Journalistin Falzone, Ken LaCorte, soll ihr gesagt haben: "Gute Arbeit, Liebes. Aber Rupert will, dass Donald Trump gewinnt. Also lass es bleiben."

LaCorte wies diese Darstellung gegenüber dem "New Yorker" zurück. Ein Kollege Falzones soll dem Magazin allerdings bestätigt haben, dass sich dieser Wortwechsel so zugetragen habe. Falzone wurde später degradiert, hat den Sender verklagt und im Zuge einer Einigung eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnet. Demzufolge darf sie nicht über die Vorgänge sprechen.

Trump (l.) und Murdoch im Mai 2017 in New York
AFP

Trump (l.) und Murdoch im Mai 2017 in New York

Fox News gilt als Trumps Lieblingssender und gehört zum Medienunternehmen von Rupert Murdoch. Dem australischen Verleger wird eine enge Beziehung zum US-Präsidenten nachgesagt. Laut dem "New Yorker" gebe es inzwischen eine "direkte Verbindungslinie" zwischen dem Oval Office und dem Medienmogul. Trump und Murdoch würden häufig miteinander telefonieren.

aar



insgesamt 95 Beiträge
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Meckerameise 05.03.2019
1.
Wenn ich solche Geschichten immer wieder lese, frage ich mich, wie die Amerikaner ernsthaft noch an den American Dream glauben können. Erfolreich bist du nur, wenn du in die richtige Familie geboren wirst und mit Glück die richtigen Leute kennenlernst. Mit harter Arbeit hat das spätestens heute doch nichts mehr zu tun. Mit den richtigen Gönnern kannst du halt auch als suspekter Clown US Präsident werden.
dragondeal 05.03.2019
2. Ja und weiter?
Es ist nichts Neues, dass Teile amerikanischer Medien sehr einseitig berichten. Und es gibt auch afaik kein Gesetz, das einem Sender vorschreibt, was er zu veröffentlichen hat. Sollte sich das alles also wirklich so zugetragen haben, bleibt der dramatische Vorwurf "schlechter Stil". Wow.
KingTut 05.03.2019
3. Keine Überraschung
Ich fände es skandalös, wenn sich der geschilderte Vorgang tatsächlich zugetragen hätte. Aber ich wäre keineswegs überrascht. Murdoch wollte ja auch, dass die Brexiteers gewinnen und hat dies mit der Schmutzampagne seiner Blätter gegen die EU auch erreicht. Es liegt auf der Hand, dass Fox News nicht objektiv berichtet, sondern plumpe Propaganda für Trump betreibt. Es ist schlimm genug, dass es Menschen gibt, die sich diesen Desinformationssender antun.
Hinrich7 05.03.2019
4. Wen wunderts?
Trump verkörpert genau die Figuren die ihn wählen, ganz gleich ob Mann oder Frau. Wer ungehindert sagt, er könne jede Frau an intimen Stellen ungestraft berühren..., so muß es doch auch Frauen geben die genau das nicht verhindern, also sind seine Wählerinnen möglicherweise Frauen die damit keine Probleme haben. Männer die sich in so einem Umfeld wohlfühlen wählen eben auch solche Kandidaten - ein armseliges Zeugnis für die Demokratie die so ein Verhalten einfach duldet, oder sogar fördert. Wikileaks und Assange haben sich wahrhaft für die richtige Wahl eingesetzt und die unvorsichtigen (dummen) Demokraten gaben einfach unbedarft Paßwörter frei.
bauklotzstauner 05.03.2019
5.
Wow! Das nenne ich mal investigativen Journalismus!
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