Attacke gegen Eltern eines toten US-Soldaten Selbst Trump-Anhängern geht das zu weit

Donald Trump beleidigt die Eltern eines gefallenen US-Soldaten - und erntet dafür von allen Seiten Kritik. Der Präsidentschaftskandidat hat einen Ehrenkodex verletzt.

US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump
DPA

US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump

Von , Washington


Plötzlich tut er wieder so, als wäre eigentlich gar nichts passiert. "Darf ich nicht einmal mehr antworten?" schrieb Donald Trump am Sonntag auf Twitter. Er sei schließlich "böse attackiert" worden. Nach seiner eigenen Lesart ist Trump erneut das Opfer einer miesen, politischen Verschwörung.

Mit dieser Sicht auf die Dinge steht er allerdings momentan ziemlich alleine da.

Was mit einem kurzen Auftritt der Soldaten-Eltern Khizr und Ghazala Khan beim Demokraten-Parteitag begann, hat sich mittlerweile zur kleinen Staatsaffäre in Washington entwickelt. Und zu einem echten Problem in Donald Trumps Wahlkampf.

"Wir sollten für Familie Khan beten"

Was war passiert? Am vergangenen Donnerstagabend hatte Khizr Khan, Vater eines gefallenen muslimischen US-Soldaten, auf dem Parteitag der Demokraten in Philadelphia eine bewegende Rede gehalten. Vor Millionen Zuschauern erzählte er die Geschichte seines Sohnes Humayun, der 2004 im Irak mit 27 Jahren bei einem Autobombenanschlag ums Leben kam. "Mein Sohn opferte sich für sein Land", sagte Khan mit bebender Stimme - um sich im nächsten Satz Trump und dessen Kritik an Muslimen vorzunehmen: "Sie haben nichts und niemanden geopfert!"

Trump hätte die Rede so stehen lassen können. Aber dann wäre er nicht Donald Trump. Er hat seine ganz eigene Art, auf Kritik zu reagieren. Khan scheine zwar ein guter Typ zu sein, sagte er in einem Fernsehinterview. "Aber seine Frau hatte nichts zu sagen - wahrscheinlich durfte sie nichts sagen", unterstellte er.

Mit seinen Sätzen über die trauernde Ghazala Khan hat Trump einen amerikanischen Ehrenkodex verletzt. Das ungeschriebene Gesetz nämlich, dass gefallenen Soldaten und deren Familien besonderer Respekt entgegen gebracht wird. "Hauptmann Khan ist ein Held", maßregelte Ohios republikanischer Gouverneur John Kasich Trump am Wochenende. "Wir sollten für Familie Khan beten".

Auch nach ihrem Auftritt auf Hillary Clintons Nominierungsparteitag geben die Khans keinesfalls Ruhe. Sie wollen sich weiter öffentlich gegen Trump äußern. Und auch die Mutter des Soldaten, Ghazala, meldete sich mit einem Gastbeitrag in der "Washington Post" zu Wort. Trump sei ignorant, schrieb sie. Sie könne noch immer kein Foto des Sohnes ansehen, ohne zu weinen.

Für Trump ist die Affäre Khan äußerst unangenehm. In den vergangenen Wochen hatte er sich größte Mühe gegeben, als Mann des Militärs bei den Wählern zu punkten. Unter ihm würden die Belange der Soldaten wieder ernst genommen, teilte er in nahezu jeder Rede und in jedem Interview mit. Auch um die Veteranen werde er sich kümmern. Mit seinen Äußerungen über die Familie Khan dürfte Trump wieder eingerissen haben, was er zuvor mühsam aufbauen wollte.

Es ist nicht das erste Mal, dass Trump mit zweifelhaften Aussagen über Soldaten zahlreiche Amerikaner gegen sich aufbringt. Im Vorwahlkampf hatte er den Republikaner John McCain dafür kritisiert, dass dieser vor Jahrzehnten im Kriegseinsatz in Vietnam in Gefangenschaft geraten sei. Er selbst bevorzuge Soldaten, die sich nicht gefangen nehmen ließen, teilte Trump seinerzeit mit. Selbst Republikaner, die es damals gut mit ihm meinten, waren nach den Sätzen außer sich.

Clinton hält sich zurück

Die Geschichte scheint sich mit dem Fall Khan zu wiederholen. Kaum hatte Trump Familie Khan mit seinen Äußerungen verunglimpft, wandten sich zahlreiche Republikaner gegen ihn. "Es gibt Dinge, die galten in der US-Politik bisher als Tabu", sagte der republikanische Senator Lindsey Graham, "die Eltern von gefallenen Soldaten zu kritisieren gehört dazu". Trumps Konkurrent Jeb Bush nannte ihn "unglaublich respektlos". Und Republikaner-Parteichef Paul Ryan forderte wenig missverständlich, die Schicksale von Familien wie den Khans stets zu würdigen. "Basta", fügte er an.

Unfreiwillig hat Trump seiner Widersacherin Hillary Clinton einen kaum erwarteten Erfolg im Wahlkampf beschert. Zwar hielt sich Clinton selbst am Wochenende mit Kommentaren weitgehend zurück - wahrscheinlich aus Respekt vor der Familie Khan.

Ihre Kampagnenhelfer können sich dennoch auf die Schulter klopfen: Selten hat eine wenige Minuten dauernde Rede auf einem Parteitag eine derartige Wirkung erzielt.

Im Video: Die bewegende Rede von Khizr Khan



insgesamt 17 Beiträge
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ackermart 02.08.2016
1. Es ist gründlich beschämend...
, mit anzusehen auf welches Blut- und Boden-Niveau im Grunde das demokratische Niveau gesunken ist, beim Versuch seinen Globalmilitarismus patriotisch zu novellieren mit dem Nivellieren des Patriotismus der „Anderen“. …Indem man unterstellt, „wahren“ Patriotismus nur noch mit einem Opfer an Leib und Leben seiner Nächsten beweisen zu können.
kawa_uli 02.08.2016
2. Ein schaebiges Schauspiel da...
...trauernde Eltern zur Schau stellen, die ihren Sohn "fuer's Vaterland geopfert haben"....fuer eine politische Agenda. Und anschliessend regnet es blau-weiss-rote Luftballons. Zumal, in diesem Fall doch einige gluehende Befuerworter dieses desastroesen Feldzugs direkt vor den Khan-Eltern gesessen haben.Aber diese schienen mehr darauf gepolt gewesen zu sein, dass die Welt "ihr Opfer" wuerdigt, als HC zu fragen "warum ?". Also...wieder ein Maertyrer-Tod ?
trontur 02.08.2016
3.
Paul Ryan ist nicht der "Parteichef", sondern der Sprecher des Repräsentantenhauses der Republikanischen Partei. Parteivorsitzender ist Reince Priebus: https://de.wikipedia.org/wiki/Republikanische_Partei
MisterD 02.08.2016
4.
Sie verstehen die USA nicht. Die USA haben keine 2 Weltkriege angezettelt und verloren. In den USA ist das Militär hoch angesehen, Veteranen werden verehrt und Gefallene sind Helden. Das mag man nicht verstehen, aber so funktionieren die USA. Deutsche Maßstäbe anzulegen, um dann zu beurteilen wer hier schäbig gehandelt hat, ist daher vollkommen unsinnig. Im übrigen wäre es auch in Deutschland unvorstellbar eine Frau öffentlich zu beschimpfen, die ihren Sohn in Afghanistan verloren hat. Hier den US-Demokraten Schäbigkeit zu unterstellen, ist schon ein starkes Stück. Die Kiste mit den Muslimen hat Herr Trump aufgemacht. Da muss er sich nicht wundern, wenn sich Muslime öffentlich wehren.
mulli3105 02.08.2016
5. Was soll man denn
von diesem Proleten erwarten? Hirn? Ehrlichkeit? Charakter? Nichts von dem passt auf Trump - er ist nichts weiter als ein populistischer, selbstverliebter Trampel, der keinen Cent auf seine Landsleute gibt, egal ob schwarz, gelb, weiß oder wie auch immer. Trump ist nur an der Macht interessiert. Leider scheint er ein typisches Gewächs dieser Nation zu sein, denn sonst hätte er es nicht mal in die Nähe des Weißen Hauses geschafft.
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