Kommentare zu Trumps Pressekonferenz "Wie ein Hund, der zu seinem Erbrochenen zurückkehrt"

Chaotisch, schroff, eitel: Donald Trump hat seine erste Pressekonferenz seit der Wahl gegeben - und Journalisten persönlich attackiert. Wie reagieren die Medien? Die Presseschau.
Donald Trump

Donald Trump

Foto: TIMOTHY A. CLARY/ AFP

Die Pressekonferenz hatte Donald Trump sich wohl anders vorgestellt. Eigentlich sollte es bei der Veranstaltung im New Yorker Trump Tower um die Firmenstruktur des designierten US-Präsidenten gehen. Darauf hatte er sich vorbereitet, eine Anwältin war zugegen, um den Journalisten das Konstrukt zu erklären, mit dem der Verdacht der Interessenkonflikte ausgeräumt werden sollte. Und dann kam alles ganz anders.

Stunden vor der Pressekonferenz ging der US-Sender CNN mit der Nachricht an die Öffentlichkeit, dass Russland möglicherweise über kompromittierende Informationen verfügt, die Trump erpressbar machen könnten. Buzzfeed legte noch einmal nach und veröffentlichte das Dossier, obwohl die Anschuldigungen darin bislang noch nicht nachgeprüft und verifiziert werden konnten.

Die Pressekonferenz geriet entsprechend turbulent, Trump ging die Anwesenden teils scharf an. Die Reaktionen fielen gemischt aus. Trump habe sich "merkwürdig" verhalten, habe die Journalisten in die Irre geführt, resümiert CNN-Autor Timothy Stanley. Aber: "He nailed it" - zu Deutsch: Er hat den Nagel auf den Kopf getroffen. (Hier können Sie das Minutenprotokoll zur Pressekonferenz nachlesen.)

Im Video: Trump teilt aus

Dabei war vor allem sein Arbeitgeber von Trump angegangen worden: Dem CNN-Korrespondenten Jim Acosta verweigerte der künftige Präsident, eine Frage zu stellen: "You are fake news". Er habe schon über vier Kampagnen von Präsidentschaftskandidaten berichtet, twittert Acosta hinterher. So etwas sei ihm aber nie passiert.

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Sein Kollege Stanley kommentiert hingegen: "Er hat uns ein Dutzend Überschriften bei nur einer Veranstaltung geliefert. Das ist das Trump-Paradox: Trump und die Presse hassen sich gegenseitig, aber sie füttern sich auch." Sein Auftreten sei vielleicht unpräsidial gewesen - aber vermutlich nicht unpopulär, schreibt Stanley. Die Medien müssten akzeptieren, dass die Öffentlichkeit ein gespaltenes Verhältnis zu ihnen entwickelt hat.

CNN selbst versuchte, sich im Nachgang noch vom Vorgehen Buzzfeeds zu distanzieren. In einem Statement teilte der Sender mit, man habe darauf verzichtet, die unbelegten Details zu veröffentlichen.

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Die "New York Times" geht härter mit Trump ins Gericht. Er habe sich eitel und glitschig gezeigt, heißt es dort im Kommentar zu der Pressekonferenz. Jeder, der geglaubt habe, dass die hohe Verantwortung und Würde des Präsidentenamtes Trump ehrfürchtiger machen würde, müsse geschockt gewesen sein. "Es war ein verrückter, verrückter Tag für die Politik in Amerika", schreibt die "Washington Post". Und fragt: "Ist das unser neuer Alltag?"

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Trumps Pressekonferenz: "Dir gebe ich keine Frage"

Foto: Evan Vucci/ AP

"Die Präsidentschaft wird Donald Trump nicht ändern. Donald Trump wird die Präsidentschaft ändern", schreibt "Politico". Zu dem Verhältnis zwischen USA und Russland sagte Trump, es gebe keinen "reset button", die Zeit könne also nicht zurückgedreht werden. "Er hätte auch von sich selbst sprechen können", kommentiert das Politikportal.

Der "angebliche Meister der Medienmanipulation" sei während der Pressekonferenz oft ins Stolpern geraten, schreibt der britische "Guardian". "Es ist schwer nachvollziehbar, warum irgendjemand anfangs glaubte, er sei gut in diesem Kram". Trumps Präsidentschaft sei bereits jetzt ein "heilloses Durcheinander". "Trump und seine Vertrauten haben keine Selbstdisziplin, keine Strategie, um gegen die russische Krise anzukommen". Wenn das das Drehbuch seines Krisenmanagements ist, sollten sich seine politischen Gegner entspannt zurücklehnen und die Show genießen. "Wie ein Hund, der zu seinem eigenen Erbrochenen zurückkehrt, kann er sich selbst nicht helfen."

Überraschend allerdings räumte Trump auf der Pressekonferenz ein, dass die Russen wohl hinter den Hackerangriffen rund um die US-Wahl stecken - wenngleich er das abschwächte mit der Behauptung, solche Angriffe würden auch von anderen Staaten ausgeführt. Eine Zustimmung von Wladimir Putin nannte er einen Pluspunkt, keine Schwäche. Trump laufe damit Gefahr, ständig als Lakai Putins behandelt zu werden, kommentiert die konservative französische Zeitung "Le Figaro". Die Ära Trump beginne im Gewitter. "Und eine Frage stellt sich immer mehr, je tiefer der Schlamm wird. Bis zu welchem Punkt kann das solide amerikanische System diese unwahrscheinliche Serie an Donnerschlägen einstecken?"

vks/mcm
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