Nordsyrien Trump hält türkische Militäroffensive für "schlechte Idee"

Die Türkei rückt in Nordsyrien ein - und steht dafür international in der Kritik. US-Präsident Trump hatte zuvor gedroht, Ankara solle keine "Tabus" brechen. Nun verurteilt er das Vorgehen.
Donald Trump: "Endlose, sinnlose Kriege nicht kämpfen"

Donald Trump: "Endlose, sinnlose Kriege nicht kämpfen"

Foto: Leah Millis/ REUTERS

Nach einem Telefonat mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hatte sich US-Präsident Donald Trump am Sonntag dazu entschieden, seine Truppen aus dem Norden Syriens abzuziehen und die verbündeten kurdischen Milizen dort nicht weiter zu schützen. Nun sind türkische Truppen in das Gebiet vorgerückt - zum Ärger des US-amerikanischen Oberbefehlshabers. "Die Vereinigten Staaten befürworten diesen Angriff nicht und haben der Türkei deutlich gemacht, dass diese Operation eine schlechte Idee ist", hieß es in einer Mitteilung Trumps.

Der Präsident verteidigte erneut seine Entscheidung, US-Truppen aus dem syrischen Grenzgebiet zur Türkei abgezogen zu haben. Er habe immer deutlich gemacht, "dass ich diese endlosen, sinnlosen Kriege nicht kämpfen will - besonders jene, die den Vereinigten Staaten nicht nützen". (Einen Kommentar zur Operation in Nordsyrien lesen Sie hier.)

Im Video: Türkei-Offensive bedroht Sicherheit in Europa

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Trump teilte weiter mit, die Regierung in Ankara habe zugesagt, Zivilisten und religiöse Minderheiten zu schützen und sicherzustellen, dass es nicht zu einer humanitären Krise kommt. Man erwarte von der Türkei, dass sie sich an diese Zusagen halte. Die Türkei sei nun außerdem verantwortlich dafür, dass die in Nordsyrien gefangen gehaltenen Kämpfer des sogenannten "Islamischen Staats" (IS) weiter in Gefangenschaft blieben. Die Türkei müsste außerdem sicherstellen, dass sich der IS nicht neu bilde.

Kritiker warfen Trump vor, die Kurdenmilizen im Stich zu lassen, die Verbündete der US-Streitkräfte im Kampf gegen den IS waren. Trump griff das offenbar auf und teilte am Montag vorsorglich gegen Ankara aus: "Wenn die Türkei irgendetwas unternimmt, was ich in meiner großartigen und unvergleichlichen Weisheit für tabu halte, werde ich die türkische Wirtschaft vollständig zerstören und auslöschen", twitterte Trump - ohne deutlich zu machen, was er als Verstoß erachten würde.

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Ob dieses "Tabu" nun erreicht ist, ist also unklar. Senatoren im US-Kongress bereiten inzwischen eine parteiübergreifende Resolution für Sanktionen gegen die Türkei vor. Der republikanische Senator Lindsey Graham schrieb auf Twitter, er werde die Bemühungen im Kongress anführen, Erdogan "einen hohen Preis" zahlen zu lassen.

Trump ist indes nicht allein mit seiner Kritik an der Militäroffensive. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker rief die Türkei dazu auf, den Militäreinsatz gegen kurdische Milizen in Nordsyrien zu stoppen. Bundesaußenminister Heiko Maas verurteilte die türkische Offensive "auf das Schärfste": "Die Türkei nimmt damit in Kauf, die Region weiter zu destabilisieren und riskiert ein Wiedererstarken des IS", sagte er in Berlin. Es drohe eine weitere humanitäre Katastrophe sowie eine neue Fluchtbewegung.

Der Uno-Sicherheitsrat soll sich am Donnerstag bei einer Sondersitzung mit dem Thema befassen. Dies teilten Diplomaten in New York mit. Deutschland und Frankreich hatten die Dringlichkeitssitzung zusammen mit Polen, Belgien und Großbritannien beantragt.

vks/dpa
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