Trump im US-Wahlkampf Beim Benefiz-Dinner ausgebuht

Das hat es dort wohl noch nie gegeben: Donald Trump ist bei einem traditionellen Benefiz-Bankett ausgebuht worden. In seiner Tischrede war der US-Präsidentschaftskandidat zu weit gegangen - wieder einmal.

REUTERS

Das Benefiz-Dinner Alfred-E.-Smith-Memorial-Foundation ist eine Traditionsveranstaltung in New York. Jedes Jahr wird bei dem Bankett Geld für katholische Kindereinrichtungen gesammelt. Und, auch das gehört dazu, in Wahlkampfzeiten bietet das Essen den Präsidentschaftskandidaten eine kleine, willkommene Verschnaufpause vom ernsten Politgeschäft. In humorvollen Reden machen sie harmlose Witzchen über sich selbst und die Konkurrenz - eigentlich.

Nun ist dieser Wahlkampf bekanntermaßen alles andere als normal. Er ist geprägt von Hass, von Skandalen, von einer extremen Polarisierung - und das selbst beim Gala-Dinner in New York. Dafür sorgte vor allem ein Mann: Donald Trump.

Der Republikaner ging in seiner mit Seitenhieben gespickten Rede phasenweise zu weit. "Sie ist korrupt, sie wurde sogar aus dem Watergate-Untersuchungsausschuss geworfen", sagte Trump etwa über seine anwesende Kontrahentin Hillary Clinton in Anspielung auf eine seit langer Zeit kursierende aber nie bestätigte Verschwörungstheorie.

Trump witzelt über seine Frau Melania

Die Bankett-Gäste, auch das ist absolut ungewöhnlich, ließen das nicht so stehen - und buhten Trump aus. US-Beobachter konnten sich nicht erinnern, dass jemals zuvor bei der Traditionsveranstaltung derart auf einen Redner reagiert worden war.

Allerdings erntete Trump auch einige Lacher - vor allem, als er einen Witz auf Kosten seiner Frau Melania machte: "Michelle Obama hielt eine Rede und alle sagten, die sei großartig", sagte Trump. "Melania hielt exakt die selbe Rede, und wird kritisiert. Ich verstehe es nicht", sagte er in Anspielung auf Parteitagsrede seiner Frau, die in Teilen ein Plagiat war.

Clinton hielt sich vergleichsweise zurück und übte sich in Selbstironie. "Das ist hier ein Geschenk für Sie - normalerweise nehme ich viel Geld für solche Reden", sagte sie ans Publikum gerichtet. Damit nahm sie den Vorwurf ihrer Kritiker, sie lasse sich von Wall-Street-Bossen für Reden bezahlen, aufs Korn. "Ich sage immer was die Leute hören wollen", betonte sie und schickte hinterher: "Diese Wahl wird sehr bald vorüber sein."

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kev/AP/dpa

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