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Trump trifft Queen: Auf einen Tee mit der Monarchin

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Besuch in Großbritannien Trumps großartiger Tag

Die Briten in Aufruhr versetzt, die Premierministerin brüskiert, die Weltpresse verwirrt, bei der Queen vorbeigeschaut, Golf gespielt: Donald Trump hat in Großbritannien an einem einzigen Tag ganze Arbeit geleistet.

Man muss das natürlich so sehen: Seinetwegen haben sich viele, wirklich sehr viele Menschen an diesem Freitag in London versammelt. Mehr auf jeden Fall als damals wegen Barack Obama. Die Stimmung ist ausgelassen, die Sonne scheint, bunte Ballons schweben in der Luft - darunter sogar ein besonders großer, der ihm irgendwie ähnlich sieht. Haben sich wirklich Mühe gegeben, diese Engländer. Und ganz, ganz viele haben eigens Botschaften an ihn verfasst, in der Art, wie er sie am liebsten mag: kurz, pointiert und sogar auf Amerikanisch. Kurzum: Ein fantastischer, ach was: der fantastischste Tag für Donald Trump.

Er hat es ja schon vorher gewusst: "Ich denke, im Vereinigten Königreich mögen sie mich wirklich sehr", hatte er vor seinem Abflug gesagt.

Und das ist nichts als die Wahrheit.

Die Fake News dagegen lauten wie folgt: Die Zehntausenden, die an diesem Freitagnachmittag johlend durch Londons Innenstadt zogen, hatten tatsächlich nur eine Botschaft für den US-Präsidenten - sie lautet zusammengefasst: Hau ab!

Es war wirklich der angekündigte "Karneval des Widerstands", nicht nur, aber vor allem in der britischen Hauptstadt, wo sie alles versucht hatten, den Besuch des Wüterichs aus dem Weißen Haus irgendwie zu verhindern. Aber weil das nicht gelungen war, begegneten sie ihm nun eben mit massenhaftem Humor.

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Protestaktion in London: Mit heißer Luft gegen Trump

Foto: Matt Dunham/ dpa

"Meine Mama mag dich nicht, und die mag sonst jeden", hatte einer auf sein Plakat gepinselt. "Make America Sane Again" ein anderer. Und weil Trump am Nachmittag sogar von der Queen in Windsor erwartet wurde - eine der wenigen britischen Prominenten, die er vorab nicht beleidigt hatte -, hatten viele Tipps für ihn und sie parat: "Hands off, Donald!" und "Go on, Queenie, spit in Trump's tea!"

Es war eine der größten, lautesten und witzigsten Demonstrationen, die London seit Langem gesehen hat. Unters Volk mischten sich auch zahllose Amerikaner, manche von ihnen outeten sich per Pappschild selbst, versehen mit dem Adjektiv "horrified" - entsetzt. Am Rand der Menge stand unterdessen Owen Jones, einer der Organisatoren des Spektakels, und sagte: "So muss die vielbeschworene Spezialbeziehung zwischen dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten aussehen."

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Trump in Großbritannien: Händeschütteln und Proteste

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Eine reihte sich allerdings nicht ein in den Protest, obwohl sie allen Grund dazu gehabt hätte: Premierministerin Theresa May. Als sie am Donnerstagabend im Schloss Blenheim Palace, in sicherer Entfernung von London, Trump und seine Entourage fürstlich empfing, ahnte sie noch nicht, dass der Präsident zuvor bereits auf seine Art ein Dankschreiben diktiert hatte. In der Nacht überraschte das Boulevardblatt "Sun"  mit einem Exklusivinterview, in dem Trump mal eben einriss, was sich May gerade in einer denkwürdigen innenpolitischen Schlacht mühsam aufgebaut hat.

Vor der verdutzten Presse fabuliert Trump von "Fake News"

Von den Vorschlägen für einen sanften Brexit, die May ihren Gegnern in den vergangenen Tagen abgerungen hatte, halte er wenig, tönte Trump. Großbritannien bliebe damit zu eng mit der Europäischen Union verbandelt, ein möglicher Handelsvertrag mit den USA - von dem sich die britischen Nationalisten so viel erhoffen - werde damit praktisch "gekillt". Er, Trump, habe May zu einem härteren Vorgehen geraten, aber sie habe offenbar nicht hören wollen. Im Übrigen wäre Boris Johnson, der Ex-Außenminister, der am Montag aus Ärger über Mays Pläne zurückgetreten war, sicher "ein großartiger Premierminister".

Das saß. Und brachte May, die sich erstmals seit Langem in Sachen Brexit im Vorteil wähnte, massiv in Bedrängnis.

Mitten hinein ins Triumphgeheul der Brexit-Fundamentalisten aber tat Trump dann tags darauf das, was er jüngst bereits beim Nato-Gipfel in Brüssel getan hatte: Er ruderte in schnellen Zügen zurück.

Auf Mays Landsitz Chequers - und damit ironischerweise genau dort, wo die Regierungschefin vor genau einer Woche ihre Brexit-Pläne festgezurrt hatte - erklärte Trump am Nachmittag vor der verdutzten Presse sein eigenes Interview zu "Fake News".

Boris ist "prima", Theresa "unglaublich"

Während die Premierministerin mit halbgefrorenem Lächeln daneben stand, behauptete der US-Präsident grob wahrheitswidrig, die "Sun" habe vergessen, all seine Lobhudeleien für May aufzuschreiben. Nannte deren Brexit-Strategie "in Ordnung", so lange am Ende ein "fairer Deal" mit den USA herauskomme. Bezeichnete seinen mannhaften Rat an May nun eher als so eine Art Vorschlag. Und Boris Johnson zwar als wirklich prima Typ, May dagegen als "unglaublich".

Im Video: War doch alles nicht so gemeint

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Sprach's und machte sich auf den Weg nach Windsor zum Besuch bei der alten Dame, nach der hier alle so verrückt sind - um danach endlich für ein paar Tage auf seinen schottischen Golfplätzen entspannen zu können. Anfang nächster Woche muss er dann nur noch schnell diesem Putin-Typ in Helsinki sagen, wo es langgeht. So oder so ähnlich dürfte Trump sich das denken.

Zurück auf der Insel blieben derweil eine Volksvertreterin und ein Volk, die nach diesen 30 surrealen Stunden wohl seit Längerem mal wieder etwas gemeinsam hatten: ein gewisses Gefühl der Erleichterung.

Im Video: Fauxpas beim Besuch bei der Queen

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