Bemerkungen über "radikalisierte Gegenden" Jetzt legt sich Trump auch mit London an

Die Aufregung um Donald Trumps Forderung nach einem Einreisestopp für Muslime in die USA ist noch nicht verebbt, da sorgt der Republikaner schon für den nächsten Ärger: Diesmal sind der britische Premier sowie Londons Bürgermeister und Polizei empört.

US-Politiker Trump: Gewollte Provokation
REUTERS

US-Politiker Trump: Gewollte Provokation


"Normalerweise würden wir solche Bemerkungen gar nicht mit einer Reaktion würdigen", heißt es in der Mitteilung der Londoner Polizei. "Doch in diesem Fall halten wir es für wichtig, den Londonern zu sagen, dass Mr. Trump nicht falscher liegen könnte."

Donald Trump, Republikaner und Bewerber um das US-Präsidentenamt, hatte sich im Gespräch mit dem US-Nachrichtensender MSNBC über die Hauptstadt des Vereinigten Königreichs geäußert: Einige Gegenden seien derart radikalisiert, dass dort selbst Polizisten um ihr Leben fürchten würden, sagte Trump. Diese Äußerungen kamen in Großbritannien nicht gut an.

Da ist zum einen die Polizei mit ihrer Mitteilung. Darin heißt es weiter, jeder US-Präsidentschaftsbewerber sei herzlich zu einem Vortrag über die Realität der Polizeiarbeit in London eingeladen. Da ist aber auch Londons Bürgermeister Boris Johnson.

Es sei schlicht lächerlich zu behaupten, die Polizei würde einige Gegenden Londons meiden, weil sie radikalisiert seien, zitiert der britische "Guardian" den Bürgermeister. "Der einzige Grund, warum ich nicht in einzelne Gegenden New Yorks gehen würde, ist die echte Gefahr, Donald Trump zu treffen."

Auch David Cameron schloss sich der Kritik an Trumps Äußerungen an. Der Premierminister sei komplett anderer Meinung als Trump, zitiert die BBC Camerons Sprecher. Trumps Kommentare seien "spalterisch, nutzlos und schlicht falsch".

"Trumps Kampagne gehört auf den Müllhaufen der Geschichte"

Mit seinen London-Bemerkungen rechtfertigte Trump auch seine jüngste Forderung nach einem generellen Einreisestopp für Muslime in die USA. Er erwähnte in diesem Zusammenhang auch Paris - dort seien ebenfalls einzelne Viertel radikalisiert. Man müsse sehr vorsichtig sein, sagte Trump.

Aus Paris gab es ähnliche Reaktionen wie aus London. Ein Sprecher der Stadt sagte laut "Guardian", dass der Terrorismus keine Grenzen kenne und Frankreich genauso wie Amerika Ziel von Attacken geworden sei. "Doch das ändert nichts daran, dass Paris eine sichere und offene Stadt ist."

Auf Trumps Forderung nach einem generellen Einreiseverbot für Muslime haben inzwischen Politiker weltweit, die Vereinten Nationen und muslimische Interessenverbände reagiert - mit teils ungewöhnlich scharfer Kritik.

Zuletzt hatte Barack Obamas Sprecher Josh Earnest Trump als einen "Marktschreier" mit "falschem Haar" bezeichnet und die anderen republikanischen Bewerber aufgefordert, Trump die Unterstützung zu verweigern, falls dieser zum Kandidaten der Republikaner gekürt werden sollte. "Trumps Kampagne gehört schon lange auf den Müllhaufen der Geschichte", sagte Earnest.

Video: Trump fordert Einreiseverbot für Muslime
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aar/AP

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