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03. Juni 2019, 19:05 Uhr

Trump besucht die Queen

Erst Gift und Galle - dann Glanz und Gloria

Aus London berichtet

"Verlierer", "fies" - noch im Anflug auf London hatte Donald Trump heftig gepöbelt. Beim Queen-Besuch gab sich der US-Präsident dann artig. Für ihn erfüllte sich ein jahrzehntealter Traum.

Donald Trumps Wunsch wird um 12.13 Uhr Ortszeit Wirklichkeit. Da landet sein Helikopter "Marine One", eigens aus Washington mitgebracht, im Garten des Buckingham Palace. Vorsichtig setzt der Hubschrauber auf dem manikürten Rasen auf. Die Damen am Rande halten ihre Hüte fest.

Der US-Präsident kommt drei Minuten zu spät - jedenfalls dem königlichen Protokoll zufolge, das den Ablaufplan akribisch notiert hat. Immerhin, besser als im vergangenen Jahr, als er die Queen eine Viertelstunde warten ließ. Aber das war ja damals auch kein Staatsbesuch, mit allem Drum und Dran.

Die Terrassentür öffnet sich. Prinz Charles und Gattin Camilla steigen herab, um Trump und First Lady Melania zu begrüßen. Sie sind die Vorhut für die Chefin drinnen. Camilla, ganz in Weiß, trägt britische Designermode, Böllerschüsse hallen durch den Park.

Trumps Traum war es stets, von der Queen mit allen Ehren empfangen zu werden. Seine Mutter, eine Einwanderin aus Schottland, verfolgte deren Krönung am Fernseher mit. Da war Trump sechs Jahre alt. "Sie rührte sich den ganzen Tag nicht", erinnert er sich in seinem Buch "The Art of the Deal". Sie habe den "Prunk und die Pracht" des Königshauses geliebt.

Diese Liebe vererbte sie dem Sohn, und jetzt endlich kann dieser die Sehnsucht, den Royals nahe zu sein, ausleben: "Dies ist ihm wichtiger als irgendein Gesetz", sagt Trumps Biograf Michael D'Antonio der "New York Times", die Trumps Queen-Faible an diesem Morgen noch einmal genüsslich nacherzählt.

Nach dem missratenen Arbeitsbesuch im Juli 2018 ist dies nun die volle Sause: Ehrengarde, Marschmusik, Soldaten im Stechschritt. Die Queen erscheint, Pfefferminzgrün tragend, schelmisch lächelnd. Trump begrüßt sie mit leichtem Bückling und linkischem Handgriff.

"Das ist kein normaler Staatsbesuch"

Glanz und Gloria können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass dies alles andere ist als ein normaler Staatsakt. Denn noch beim Anflug auf Großbritannien ist Trump ganz Trump: Per Twitter bepöbelt er Sadiq Khan, den muslimischen Bürgermeister Londons, als "Verlierer" und "fies" - ein Attribut, das er zuvor auch Meghan Markle, der Herzogin von Sussex, zugeteilt hat.

Als ihn der britische Außenminister Jeremy Hunt am Flughafen in Empfang nimmt, wiederholt er die Tirade dann auch noch einmal verbal.

Die britische Presse hält sich kaum zurück

Khan, der Trump vor dem Besuch scharf kritisiert hat, legt prompt mit einem Video nach: "Ihre Werte sind das völlige Gegenteil der Werte Londons und der Werte dieses Landes." Eine ähnlich rüde Begrüßung kommt von der britischen Zeitung "Guardian": "Mr. Trump ist ein Demagoge, der eine Bedrohung für den Frieden, die Demokratie und das Klima unseres Landes darstellt", kommentiert das Blatt.

Trump sei für "den schleichenden Aufstieg rechtsextremer Politik" verantwortlich, schreibt Aktivistin Anna Vickerstaff im "Independent". Sie organisiert die geplanten Massenproteste gegen Trump mit, zu denen am Dienstag Hunderttausende Menschen erwartet werden.

"Für die britische Regierung ist das Timing des Besuchs katastrophal", sagt Christopher Meyer, der britische Ex-Botschafter in den USA, der "Financial Times". Das Land steckt schließlich im Brexit-Chaos, Premierministerin Theresa May hat ihren Rücktritt angekündigt.

Doch Trump facht diese Flammen nur noch weiter an, indem er - ohne sich an Diplomatie und Protokoll zu halten - Brexit-Hardliner wie Boris Johnson hochlobt. Er will die Briten zu einem bilateralen Handelspakt zwingen, ohne die lästige EU, und da kommt ihm ein Brexit nur zupass.

Kein Wunder also, dass Trumps geplantes Treffen mit May am Dienstag in 10 Downing Street in letzter Minute abgesagt worden sein soll.

Im Video: Queen Elizabeth empfängt US-Präsident Trump

Die Queen ehrt jedenfalls das Protokoll. Gebeugt führt sie Trump durch ihre königliche Präsentsammlung, die Handtasche fest in der Rechten. Immer wieder deutet sie murmelnd auf ganz bestimmte Exponate, um Trumps Interesse zu halten: eine Landkarte von New York aus dem 18. Jahrhundert, alte Golffotos, ein Streifen schottischen Tweed, über den sie wohlwollend mit den Fingern reibt. Trump guckt artig und winkt dann aber lieber grinsend in Richtung der Fotografen.

Es folgen diverse Teestunden, auch mit Charles und Camilla, und ein Gang durch die Westminster Abbey. Trump, ganz der Baumeister, erkundigt sich nach dem Material des Steinbodens. Für den Abend ist im Ballsaal ein opulentes Staatsbankett gedeckt, für 171 Gäste. Herzogin Meghan lässt sich entschuldigen, Mutterschutz.

Eigentlich nächtigen Staatsgäste anschließend im Buckingham Palace, die Obamas und die Bushs durften das zum Beispiel. Den Trumps wird diese Ehre allerdings verwehrt: Die fraglichen Zimmer, sagt eine Palastangestellte, würden gerade renoviert. Stattdessen kommen sie im Winfield House unter, einem schmucken, doch viel kleineren Palast, der dem US-Botschafter als Residenz dient.

Schlechtes Timing eben.

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