Trump-Anwesen in Palm Beach "Louis XIV. auf einem Acid-Trip"

In Palm Beach hat Donald Trump geheiratet, hier feiert und protzt er. Sein Luxusanwesen dort will er als zweites Weißes Haus nutzen. Doch leider verabscheuen ihn die Nachbarn.

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Aus Palm Beach, Florida, berichtet


In Palm Beach wird dieser Tage viel geflüstert. Vor allem über Donald Trump: Da beugen sich die Leute vor, bitten um Diskretion, senken die Stimme - und legen los.

"Ich kann ihn nicht ausstehen", wispert eine Society-Dame. "Er ist neureich und gehört nicht zu uns." Ein anderer Einwohner berichtet, alle traditionellen Gesellschaftsklubs hier hätten Trump abgelehnt. Ein Geschäftsmann klagt: "Er macht uns nichts als Ärger."

Die meisten sagen das aber nur hinter vorgehaltener Hand, "unter uns", ohne namentlich zitiert werden zu wollen. Sie fürchten Trumps Rache - aus langjähriger Erfahrung.

Palm Beach, die Millionärsenklave in Florida, rühmt sich ihrer anonymen, wenngleich oberflächlichen Harmonie, die nicht nur Wirtschaftsbosse genießen. Hier kann Rod Stewart im Antiquariat stöbern oder Bruce Springsteen über die Worth Avenue mit ihren Dutzenden Juwelieren radeln, ohne dass sich jemand umdreht.

"Prominente gehören bei uns zur Landschaft", sagt Laurel Baker, die seit 16 Jahren die Handelskammer leitet. "Wir lassen sie in Ruhe." Das ist Tradition, seit Ölmagnat Henry Flagler den Ort 1911 gründete, wie einem der Luxusimmobilienmakler Jeff Cloninger erläutert, der hier viele VIP-Kunden betreut: "Wir pflegen Anstand und Höflichkeit."

Außer Donald Trump, der berühmtesten Person in Palm Beach.

Besser gesagt: Teilzeitperson. Der Zuckerbäckerpalast Mar-a-Lago am Ortsrand ist Trumps Zweitwohnsitz: Hier feierte er seine letzte Hochzeit, hier hielt er im Wahlkampf oft Hof. Gewinnt er am Dienstag, wird dies sein "Winter White House" - also sein Machtzentrum, wenn es in Washington zu kalt wird.

"Wir sehen ihn trotzdem nicht als Einheimischen", beharrt Baker.

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In Palm Beach offenbart sich wie unter einem Brennglas, wie isoliert Trump lebt - und warum ihn Amerikas Society geächtet hat. Klagen, Drohungen, krumme Deals: Seit er 1985 auf dem schmalen Inselstreifen einfiel, schlug er um sich - "die menschliche Schockwelle aus New York", so beschreibt ihn Lokalkolumnist Frank Cerabino.

"Die alte Garde ist schockiert über seine schlechten Manieren", sagt ein Insider. "Er ist ein Rüpel." Der gemütliche Gemeindedirektor Tim Bradford, den auch ein Hurrikan nicht aus der Ruhe bringt, formuliert es diplomatischer: "Sein Verhältnis zu uns hat ein paar Schlaglöcher abbekommen."

Und Schlaglöcher sind hier verboten. Ebenso öffentliches Pfeifen, lärmende Laubbläser und Flaggenmasten, die höher sind als 13 Meter. Die Honoratioren - darunter zurzeit 29 Milliardäre und lange die Kennedys - sind stolz auf ihre Verordnungen. "Sie haben Palm Beach seine Würde und seinen Charme bewahrt", sagt Makler Cloninger.

Doch dann kam Trump. "Er galt als Barbar vor unseren Toren", erinnert sich Kolumnist Cerabino. "Als Abzocker, der allzu erpicht darauf war zu beeindrucken."

Am meisten gierte Trump nach Mar-a-Lago, erbaut 1927 für die Cornflakes-Erbin Marjorie Merriweather Post, damals die reichste Frau Amerikas. Trump schnappte sich das Anwesen mit 128 Zimmern für acht Millionen Dollar - weit unter dem Marktwert, der heute auf mehr als 70 Millionen Dollar geschätzt wird. Er drückte den Preis, indem er drohte, Mar-a-Lagos Meerblick zu verbauen.

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Trump verwandelte Mar-a-Lago in eine Kitschorgie - "Louis XIV. auf einem Acid-Trip", sagen sie hier dazu. Für den Ballsaal ließ er Marmor aus Italien und Deckenmaler aus Frankreich einfliegen. Einen Teil des Geländes machte er 1995 zu seinem eigenen Privatklub, nachdem ihm die etablierten Institutionen die kalte Schulter gezeigt hatten.

"Die wichtigste Adresse in Palm Beach ist Mar-a-Lago", brüstete sich Trump neulich erst wieder an. Das sehen nicht alle so: "Da verkehrt doch nur Gesindel", sagt ein Nachbar.

Damit meint er zum Beispiel die Models und Stars, die Trumps laute Partys in Mar-a-Lago bevölkerten. Die Hochzeit mit seiner dritten Frau Melania war eine Staatsaffäre, zu der auch die Clintons kamen. Und immer wieder bekriegte er sich mit der Verwaltung - um An- und Umbauten, das Hochzeitsfeuerwerk, die Höhe der Hecken.

Bevorzugtes Druckmittel: Klagen. "Eines Morgens stand vor Mar-a-Lago plötzlich ein Fahnenmast", erzählt Bradford. 25 Meter hoch, mit einem gigantischen Sternenbanner, ohne Genehmigung und wider jede Verordnung. Der Gemeinderat brummte Trump eine Strafe auf. Der wiederum klagte auf 25 Millionen Dollar Schadensersatz und tingelte durch die TV-Talkshows: Palm Beach wolle ihm den Patriotismus verbieten!

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Schließlich stutzte er den Mast und "spendete" 125.000 Dollar an zwei Veteranengruppen. Die Schecks kamen aber nicht von ihm selbst, sondern von seiner "gemeinnützigen" Trump Foundation - er zahlte also mit den Geldern anderer.

Der Wahlkampf hat die Wunden neu aufgerissen. Zumal hier gerade die Charity-Saison begonnen hat. Manche Wohltätigkeitsorganisationen, die Galas in Mar-a-Lago gebucht hatten, erwägen nun, auf andere Lokalitäten auszuweichen, um ihren Ruf zu wahren.

Natürlich gibt es auch jene, die Trump mögen. Eine betagte Damentruppe namens The Trumpettes trommelt für ihn. "Hillary Clinton beleidigt mich als Frau", sagt die Pensionärin Jean Meisenzahl. Trump dagegen, der sei doch "ein toller Golfspieler".


Ist Palm Beach froh, wenn der Wirbel vorbei ist? "So könnte man das darstellen", lacht Gemeindechef Bradford. Der Streit allerdings dauert fort: Trump hat den Palm Beach Airport verklagt, weil dessen Einflugschneise direkt über Mar-a-Lago verläuft.

Sollte er die Präsidentschaftwahl gewinnen, wäre das sowieso hinfällig: Dann würde die Luftfahrtbehörde FAA die Maschinen automatisch umleiten.

Videokommentar: Marc Pitzke über das "Early Voting" in Florida

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