Nach Attacke in Texas BBC kritisiert mangelnde Sicherheit für Journalisten bei Trump-Auftritten

Bei einer Rede des US-Präsidenten in Texas hat ein Anhänger Trumps einen Kameramann der BBC angegriffen. Der Vorfall - auf Video festgehalten - sorgt für Kritik: unter anderem von Journalisten und dem britischen Außenminister.

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Nach dem Angriff auf einen Journalisten bei einer Wahlkampfveranstaltung von Donald Trump haben Korrespondenten den US-Präsidenten aufgerufen, sich klar gegen solche Attacken zu positionieren. Auch der britische Außenminister Jeremy Hunt verurteilte den Angriff auf den BBC-Kameramann. "Es ist niemals akzeptabel, wenn Journalisten und Kameramänner dafür angegriffen werden, dass sie einfach nur ihren Job machen", sagte er dem Sender Sky News.

Ein Trump-Anhänger hatte am Montagabend bei einem Wahlkampfauftritt des Präsidenten in El Paso im US-Bundesstaat Texas einen Kameramann des britischen Fernsehsenders BBC während des Filmens heftig geschubst und beschimpft. Trump selbst hatte die Szene mitbekommen und seine Rede unterbrochen, um zu fragen, ob alles in Ordnung sei mit dem Journalisten. Im weiteren Verlauf seines Auftritts schimpfte der Präsident dann erneut über die "total unehrlichen Medien".

Video: Trump-Anhänger attackiert Kameramann

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Der Sender BBC schrieb nach eigenen Angaben an die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, und forderte sie auf, die Sicherheitsvorkehrungen für Journalisten bei Wahlkampfauftritten Trumps zu überprüfen. Dem BBC-Büroleiter für Nordamerika zufolge war der Zugang zum Medienbereich während der Trump-Veranstaltung unbeaufsichtigt. Auch hätten keine Sicherheitsbeamten während oder nach der Attacke eingegriffen, schrieb Paul Danahar. Er trat damit der Darstellung von Trumps Wahlkampfteam für 2020 entgegen, welches das "rasche Eingreifen" der Sicherheitskräfte gelobt hatte.

Sanders erklärte, der Präsident verurteile jegliche Gewalttaten gegen einzelne Personen oder Gruppen - auch gegen Journalisten. "Wir rufen alle auf, die an einer Veranstaltung teilnehmen, sich friedlich und respektvoll zu verhalten." Für die Sicherheitsmaßnahmen bei Trumps Wahlkampfauftritten sei aber dessen Kampagnenteam zuständig.

Trump-Fan versuchte, Kamera zu zerstören

Auch der Verein der Korrespondenten, die über das Weiße Haus berichten, verurteilte die Attacke. "Wir sind erleichtert, dass diesmal niemand ernsthaft verletzt wurde", sagte deren Präsident Olivier Knox am Dienstag in Washington. Er mahnte zugleich, Trump müsse seinen Anhängern unmissverständlich klarmachen, dass Gewalt gegen Reporter nicht hinnehmbar sei.

Der Angreifer in El Paso trug eine Kappe mit dem Trump-Slogan "Make America Great Again" und brüllte Anti-Medien-Parolen, als er auf den BBC-Mann losging. Der Journalist blieb unverletzt. Der ebenfalls bei der Veranstaltung anwesende Washington-Korrespondent der BBC, Gary O'Donoghue, berichtete, der Trump-Fan habe versucht, die BBC-Kamera zu zertrümmern.

Journalisten werden bei Trumps Wahlkampfveranstaltungen regelmäßig ausgebuht und beschimpft - befeuert durch die Medienschelte des Präsidenten, der Journalisten als "Feinde des Volkes" verunglimpft. Auch in El Paso beklagte sich Trump auf der Bühne über vermeintlich lügnerische Berichterstattung.

Journalistenverbände mahnen seit Langem, Trumps aggressive Rhetorik gegen Medien sei gefährlich und stachele zu Attacken auf Reporter an. Im vergangenen Oktober hatte Trump einen Kongressabgeordneten für den gewaltsamen Übergriff auf einen Journalisten gelobt und sich auch damit heftige Kritik eingehandelt.

lie/AFP/dpa

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damic 13.02.2019
1. Wen wundert's eigentlich noch
Sollen sich die Amerikaner doch mal fragen ob sie weiter Demokratie wollen oder eben diesen verrückten Präsidenten, der offensichtlich ein Problem mit Pressefreiheit hat weil eben diese ihn zu Falle bringen wird. Ein Hetzer sondersgleichen und es wird Zeit, dass er von seinem Thron gestossen wird bevor er in seinem eigenen Land und auf der Welt weiter Unheil anrichtet.Steht endlich auf ihr Amerikaner!
soro.hattie 13.02.2019
2. Primitive
Primitive gewalttätige Triebe sind beim Menschen vorhanden. Sie werden durch Bildung, Verhaltenskodex und gesellschaftliche Ethik kontrolliert. Das Fehlen aller drei Faktoren ermöglicht es jedoch, dass der Mensch seinen eigenen Trieben, die von jemandem wie Trump ausgelöst werden, zum Opfer fällt.
snert 13.02.2019
3. wie weit geht es noch?
Aufgrund der Überschrift dachte ich, "Da sollte sich die britische Regierung vielleicht auch einmischen.". Aber der britische Außenminister hat sich ja gemeldet. Mit Kritik. Kann man da nicht ein wenig mehr erwarten? Man muss ja nicht eine Staatsaffäre draus machen oder den USA gleich den Krieg erklären, aber ein wenig deutlicher kann man schon werden. Ein Außenminister müsste da mehr Möglichkeiten haben. Ok, war in El Paso, Texas. Da sind die drei Heiligsten der Präsident (sofern er Republikaner ist), Nascar und Gott. Und zwar in dieser Reihenfolge. Bei Trump's ewiger Schelte auf die Medien (außer natürlich Fox News, Facebook und Twitter) kann es doch nicht mehr lange dauern, bis der erste Trump-Fan richtig tätlich gegenüber Journalisten wird. Charlottesville schon vergessen? Das macht mich besorgt. An den Zuständen in den USA können wir als normale Bundesbürger nichts ändern. Aber bei uns laufen auch genug Idioten rum, die noch dümmere Idioten dazu bringen, bei Demonstrationen "Lügenpresse" zu schreien. Was wäre bei uns los, wenn wir Waffengesetze wie in den USA hätten?
don_spon 13.02.2019
4. Solche Vorfälle
machen klar, wie viele Trump Supporter ticken. Es ist nicht gerade ungewöhnlich , dass solche menschlichen Einzeller bei Wahlveranstaltungen handgreiflich werden. Das ist in vielen Dokumentationen zu sehen.Wer daran schuld ist , ist ja einigermaßen klar. Es ist ja mittlerweile, aufgrund der Fülle der Unfassbarkeiten seit der Inauguration von Trump, etwas in Vergessenheit geraten, das er Rassist Chauvinist Lügner usw. ist. Während er sonst Kreide gefressen hat, spricht er auf solchen Veranstaltungen tacheles. Wenn man sich dann die Clientel des harten Kerns seiner Wähler ansieht, wird klar warum er die Mauer bauen müsste. Eine wirklich blöde Situation für den Chef. Akzeptiert er die Vereinbahrung betreffend die Mauer von Republikaner und Demokraten hat er seinen Einzeller Supportern verloren unterschreibt er nicht, bringt er die den restlichen 2/3 der Amis gegen sich aus. Na jedenfalls liegt es quasi in der Natur der Sache, das es bei solchen Veranstalungen, das es zu Handgreiflichkeiten kommt. Nur DT könnte durch mässigende Worte dagegensteuern. Dann kann er aber die Veranstaltungen direkt abblasen.
U. Haleksy 13.02.2019
5. Vermeintlich - angeblich
Und wieder : Die Berichterstattung ist nicht vermeintlich lügnerisch, sondern angeblich lügnerisch. Trump bezeichnet sie nämlich nicht irrtümlich (vermeintlich) so, sondern laut einer vom Schreiber des Artikels nicht nachvollziehbaren oder überprüfbaren, nur aufgrund der Angaben von Trump (angeblich) behaupteten Faketenlage.
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