Internationale Pressestimmen zu Trumps Europareise "Die Kanzlerin hat die Nase voll"

Angela Merkels öffentliche Distanzierung von Donald Trump sorgt für Aufsehen. Die Kanzlerin habe ihre Rhetorik deutlich verändert, schreibt etwa die "Washington Post". Die Reaktionen der Presse im Überblick.

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Der Auftritt der Kanzlerin in einem bayerischen Bierzelt hat weltweit Schlagzeilen gemacht. "Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei", sagte Angela Merkel am Sonntag in München-Trudering.

"Wir Europäer müssen unser Schicksal wirklich in die eigene Hand nehmen", ergänzte Merkel. Die Kanzlerin bezog sich mit ihren Worten auf die neue US-Regierung, aber auch auf den bevorstehenden EU-Austritt Großbritanniens. Es müsse natürlich bei der Freundschaft zu den USA und Großbritannien bleiben, sagte Merkel. "Aber wir müssen wissen, wir müssen selber für unser Schicksal kämpfen", sagte Merkel.

So kommentieren internationale Medien Merkels Kommentar zu Donald Trumps Europareise:

"Washington Post" (USA):

"Merkels Worte sind eine deutliche Veränderung der politischen Rhetorik. Die (amerikanische) Öffentlichkeit ist vertrauter mit der speziellen Beziehung zwischen den USA und Großbritannien. Aber die deutsch-amerikanische Beziehung war bis heute wohl wichtiger.

Merkels Kommentar über das, was sie in den vergangenen Tagen erlebt hat, bezieht sich eindeutig auf Trumps desaströse Europatour. Ihre Äußerung, wonach die USA kein verlässlicher Partner mehr seien, ist eine direkte Folge von Trumps Worten und Taten.

Die Kanzlerin ist vorsichtig. Ihre Rede war keine impulsive Reaktion. Stattdessen versucht Merkel, eine andere EU zu bilden, eine, die stärker und selbstständiger ist und weniger geneigt ist, die Führung den USA zu überlassen."

"Times" (Großbritannien):

"Der europäische Teil von Trumps Auslandsreise hat jedem, der das vielleicht noch bezweifelte, gezeigt, dass dieser Präsident leicht zu verhöhnen ist. Zugleich ist er aber auch leicht zu unterschätzen.

Seit er ins Oval Office kam, hat er in Sachen China rasch gelernt und still und leise davon Abstand genommen, mit China einen Handelskrieg anzufangen oder Peking als Währungsmanipulator zu brandmarken, obwohl er das im Wahlkampf versprochen hatte. Auf Anraten Kanadas und Mexikos hat er klugerweise darauf verzichtet, das Freihandelsabkommen für Nordamerika in Stücke zu reißen. Und er hat die Sanktionen gegen Russland wegen der Annexion der Krim aufrechterhalten.

Die Nato hat er nun zwar beunruhigt, indem er die gegenseitige Verteidigungsgarantie nicht ausdrücklich bekräftigte. Und er hat die G7 beunruhigt, indem er sich nicht zum Klimavertrag von Paris bekannte. Doch beides wäre immer noch möglich - und es wäre klug von ihm, wenn er es täte."

"De Tijd" (Belgien):

"Die Antwort auf den Bulldozer-Präsidenten kam aus einem Bierzelt in München. Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel stellte fest, die 'Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei'. Und sie schlug gleich ein neues Kapitel auf: 'Wir Europäer müssen unser Schicksal wirklich in unsere eigene Hand nehmen'.

Die deutsche Kanzlerin hat erkennbar die Nase voll vom amerikanischen Präsidenten. Nach einem bemerkenswerten Besuch im Weißen Haus, bei dem Merkel bereits sichtlich von ihrem Gastgeber genervt war, seinen Auftritten im neuen Nato-Gebäude und beim G7-Gipfel in Taormina, reicht es Berlin nun. Washington wird nicht länger als vertrauenswürdiger Mitstreiter angesehen. Europa muss nun allein weitermachen. In aller Freundschaft übrigens.

Merkel ist keine Frau, die Menschen von vornherein ausschließt. Aber sie ist auch jemand, der einmal getroffene Entscheidungen nicht so leicht wieder ändert. Das Bierzelt in München könnte daher sehr wohl ein Wendepunkt in den transatlantischen Beziehungen sein."

"El País" (Spanien):

"Der G7-Gipfel von Taormina ist - wie vorhersehbar war - gescheitert. Mit seiner Haltung während der Sitzung hat Donald Trump erneut gezeigt, dass seine Ideen (sie in die Kategorie Politik zu erheben, wäre übertrieben) potenziell ein schweres Hindernis für den internationalen Handel und für jede Initiative darstellen, die den Klimawandel aufhalten will.

Als Angela Merkel die Verhandlungen als 'schwierig und unzufriedenstellend' bezeichnet hat, hat sie sich wahrscheinlich noch diplomatisch gezeigt."

"Der Standard" (Österreich):

"Nun kann man die neuen Gegebenheiten beklagen, wichtiger erscheint aber die Frage, wie der Westen mit der Situation umgeht. Da kann es nur eine Marschrichtung geben: alles zu tun, die internationale Kooperation zu stärken.

Trump wird innenpolitisch immer mehr in die Enge getrieben und schlägt auch deshalb international wild um sich. Offen bleibt, wer die multilaterale Weltordnung am Leben erhalten kann. Europa hätte die Mittel. Doch dass es den Willen dazu hat, muss es erst beweisen."

cte/dpa

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